Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Wo die wilden Gänse rasten

Es ist ein Naturschauspiel am Niederrhein: Bis zu 100.000 arktische Wildgänse überwintern zwischen Kleve und Duisburg. Ausflügler können die Gäste aus dem hohen Norden auf geführten Touren beobachten.



Blässgänse
Blässgänse am Niederrhein:  Die Tiere kommen aus der russischen Arktis und fressen sich in ihrem Winterquartier wieder so richtig voll.   Foto: Uli Frömming/NABU-Naturschutzstation Niederrhein/dpa-tmn » zu den Bildern

Nieselregen hängt über dem Flachland. Grau in Grau zeigt sich die Düffel an diesem Wintersonntag. «Der Regen stört die Gänse nicht, es sind ja Wasservögel», sagt Andrea Schulze, Natur- und Landschaftsführerin. Ihren Gäste zeigt sie am unteren Niederrhein bei Kleve ein besonderes Naturschauspiel: arktische Wildgänse.

Die Düffel ist ein 3800 Hektar großes Naturschutzgebiet am Rhein. Die Landschaft mit ihren Kuhweiden, Mais- und Getreidefeldern gilt als Hotspot für allerlei Federvieh: Grau-, Saat- und Weißwangengänse, vor allem aber arktische Blässgänse fallen hier seit Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit Anfang November zum Überwintern ein. Außerdem beobachten lassen sich Möwen, Grau- und Silberreiher, Weißstörche und einst aus Volieren ausgebüxte Nil- und eingewanderte Kanadagänse, die links und rechts des Niederrheins ganzjährig zu Hause sind.

Winterquartier am Niederrhein

Andrea Schulze ist mit Naturschützerin Mona Kuhnigk in der Düffel unterwegs - und mit rund 50 Busreisenden. «In unserem Gebiet können es bis zu 80.000 Blässgänse sein, in Nordrhein-Westfalen insgesamt etwa 200.000», schätzt Kuhnigk von der Nabu-Station in Kleve.

Die Gänseschar findet beste Bedingungen vor, etwa ruhige Schlafplätze in Altrheinarmen und ehemaligen Kies- und Sandgruben. «In diesen stehenden Gewässern sind sie vor ihren Feinden, beispielsweise dem Fuchs, ziemlich sicher», erklärt Schulze.

Futtern nach der Fernreise

Die Blässgänse haben bei ihrer Ankunft am Niederrhein innerhalb von drei Monaten eine Flugstrecke von etwa 5000 Kilometern zurückgelegt und sind entsprechend ausgezehrt. Im Winterquartier wird das watschelnde Federvieh wieder rund und satt.

«Unsere Gänse fressen täglich ein Drittel ihres Körpergewichts», sagt Schulze. «Auf zwei bis drei Kilo Gans kommen 800 bis 1000 Gramm Gras. Das ist eine ganze Menge Grünzeug.»

Das Jahr der Blässgänse verläuft im Drei-Monats-Rhythmus: Von November bis Februar sind sie am Niederrhein. Drei Monate dauert der Flug zum Sommerquartier auf der subarktischen Taimyr-Halbinsel in der sibirischen Region Krasnojarsk. Dort folgen drei Monate Brutperiode und Nachwuchs-Aufzucht, dann erneut drei Monate Flug zum Niederrhein.

Ein bedrohliches Gewässer

Natur und Kultur, beides wird während der Bustour vermittelt. Im Dörfchen Niel lassen Schulze und Kuhnigk die Gäste vor der Pfarrkirche Sankt Bonifatius aussteigen.

«Schon die Römer haben Teile der Düffel trockengelegt, Holländer machten im 13. Jahrhundert die Auenlandschaft nutzbar», sagt Schulze. «Sie zogen Entwässerungsgräben, und Bauern konnten sich ansiedeln.» Doch bis heute gelten die Düffel und das benachbarte Naturschutzgebiet Salmorth als vom Hochwasser bedroht.

Störche und Huftiere

Über schmale Landstraßen kurvt der Bus nach Zyfflich, dem Storchendorf am Niederrhein. Hier brüten seit 1995 ausgewilderte Weißstörche. An die 40 Storchenpaare sollen es Schulze zufolge am Niederrhein mittlerweile wieder sein.

Hinüber geht es nach Holland zu einem Spaziergang über den haushohen Deich der Millingerwaard. Das 700 Hektar große Naturschutzgebiet ist nicht nur Rückzugsort von Gänsen und Wasservögeln, sondern auch Lebensraum der seit einigen Jahren angesiedelten Galloway-Rinder und halbwilden Konik-Pferden. Von Millingen geht es zurück nach Kleve.

Auch Firmen buchen Naturexkursionen. Die Teilnehmer kommen den Gänsen dabei noch näher als die Bustouristen: Im Anschluss geht es manchmal in ein Restaurant zur Weihnachtsfeier - mit Gänsebraten. Natürlich nicht von den Wildgänsen.

Info-Kasten: Wildgänse am Niederrhein

Beste Reisezeit: Dezember bis Februar. Die Nabu-Gänsetouren im Bus finden jeweils am Sonntagnachmittag statt.

Informationen: Tourismus Stadt Kleve, Minoritenplatz 2, 47533 Kleve (Tel.: 02821/84 806, E-Mail: stadtmarketing@kleve.de, www.kleve-tourismus.d e); Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, Keekener Str. 12, 47533 Kleve (ab November 2019, E-Mail: info@nabu-naturschutzstation.de, www.nabu-naturschutzstation.de).

Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
04:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bustouristen Deiche Hochwasser und Überschwemmung Naturschutzgebiete Naturschützer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Salzwiese

09.10.2019

Hamburgs Eiland im Wattenmeer

Hamburg liegt nicht nur an der Elbe, Hamburg liegt auch am Meer. Zumindest ein kleiner Teil der Hansestadt weit weg von der City. Ein Weg dorthin führt mit der Kutsche durchs Watt. » mehr

Zieh' den Waalkes

04.07.2019

Teezeremonien und Traumseen in Ostfriesland

Strandurlaub, das geht auch ohne Nordsee. Im ostfriesischen Binnenland liegt das Meer hinterm Deich. Ist gerade Schietwetter, macht man das, was die Ostfriesen am liebsten tun: Tee trinken. » mehr

Wanderer im Kampenwandgebiet

01.08.2019

Auf den Spuren der Sennerin vom Geigelstein

Der Geigelstein im Chiemgau ist schön. Das wusste auch Maria Wiesbeck, die legendäre Sennerin vom Geigelstein. Eine Wandertour auf den Spuren der «Oberkaser-Mare». » mehr

Hiddensee

20.06.2019

Die Ostseeinseln von Fehmarn bis Usedom

Von Fehmarn im Westen bis Usedom im Osten gibt es vor der deutschen Ostseeküste eine ganze Reihe von Inseln. Bei Urlaubern beliebt sind sie alle, aber doch ganz unterschiedlich. » mehr

Mit dem Kanu unterwegs

16.05.2019

Paddeltour auf der Wakenitz

Wer durch Wildnis paddeln will, muss nicht weit fliegen. In Lübeck beginnt eine bildschöne Kanutour vorbei an Seerosen und überhängenden Bäumen. Zu verdanken ist die grüne Pracht auch dem Kalten Krieg. » mehr

Idylle im Winter

13.12.2018

Nordseeurlaub mit Gegenwind auf Hallig Hooge

Hallig Hooge ist ein winziges Stück Land mitten in der Nordsee, windumtost, im Winter regelmäßig überflutet. Touristisch ist dann wenig los. Die meisten Restaurants haben zu, die Museen auch. Es gibt Urlauber, die genau ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
04:58 Uhr



^