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Entdeckungen im hügeligen Neanderland

Idylle zwischen den Großstädten Düsseldorf, Essen und Wuppertal: Im Windrather Tal entdecken Wanderer gesunde Lebensmittel direkt vom Bauernhof. Und kommen einem alten Bekannten ziemlich nahe.



Niederbergische Landschaft
Sanfte Hügel, Wiesen und die Windrather Kapelle: Blick über die niederbergische Landschaft.   Foto: Bernd Meier/dpa-tmn » zu den Bildern

Zwar dürfen Hotels und andere Unterkünfte in den kommenden Wochen keine Touristen aufnehmen. Doch bei kurzer Anreise lohnt das Windrather Tal auch für einen Tagesausflug. Der Ort bietet nicht nur eine urige Kulisse zum Wandern, auch für rustikale Schlemmerfreuden ist gesorgt.

Den Ofen im historischen Backhaus am Hof Judt heizt Maria Wemmers mit Buchenholz an. Freitags ist Backtag bei den Wemmers: Brötchen aus Weizen-Dinkel-Vollkornmehl, Brote aus Roggen-Weizen-Dinkel werden ab Mittag im Hofladen verkauft.

Das Mehl kommt vom hofeigenen Getreide, das der Landwirt und Metzgermeister Thorsten Wemmers im Windrather Tal anbaut. Seit 2004 bewirtschaften die Wemmers ihren Biolandbetrieb. Das hübsche Fachwerkhaus stammt in Teilen noch aus dem Jahr 1788.

Der Hof Judt ist einer der fünf Biohöfe im Windrather Tal, von denen die anderen Betriebe den Demeter-Richtlinien folgen. Die Höfe liegen zwischen Langenberg und Neviges, keine Autostunde entfernt von den Großstädten Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Wanderer kommen zu den Gehöften über die Entdeckerschleife Biohöfe im Windrather Tal , ein Abstecher auf dem rund 240 Kilometer langen Neanderlandsteig .

Felder, Weiden, Bäche - und manchmal ein Traktor

Der kleine Rundkurs ist elf Kilometer lang und leitet die Ausflügler durch die niederbergische Hügellandschaft. Dort wechseln sich Kornfelder, Kuhweiden und Buchenwälder ab. Bäche plätschern ins Tal, über holprige Landstraßen tuckern Traktoren. Die Entdeckerschleife zu den Biohöfen ist einer von 26 Rundwegen, die an den Fernwanderweg Neanderlandsteig andocken.

Die gut gekennzeichneten Wege erschließen eine Landschaft, die gegenwärtig für Kurzurlauber und Tagestouristen immer attraktiver wird. Durch Corona bekommt die Gegend vor der Haustür der Großstädter einen zusätzlichen Reiz. So kann es an schönen Herbst- und Wintertagen auf den Wegen richtig voll werden.

Ein Fund von gewaltiger Tragweite

Acht Kilometer nur oder doch 19? Wanderer haben zwischen Erkrath-Hochdahl und Mettmann die Wahl. Die kurze Entdeckerschleife Denkmalroute Hochdahl und die lange Schleife Evolutionspfad sind Abstecher in das schluchtenartige Neandertal.

Rückblende, Mitte August 1856: Italiener entdecken in der Höhle eines Kalksteinbruchs 16 Knochen. Die Gastarbeiter bringen die Fundstücke zum Steinbruchbesitzer Wilhelm Beckershoff, der wiederum den Wuppertaler Naturforscher Johann Carl Fuhlrott informiert.

Der Fossiliensammler deutet die Skelettteile - darunter Schädeldach, Schulterblatt, Schlüsselbein sowie fünf Rippen - als Überreste menschlicher Knochen. Nach neueren Untersuchungen sollen sie um die 40.000 Jahre alt sein. Wissenschaftlich werden sie kurz und bündig als «Neandertal 1» bezeichnet.

Im Neanderthal-Museum wird die Entwicklungsgeschichte der Menschheit aufgezeigt: vier Millionen Jahre von den Anfängen bis in die Gegenwart. Das Haus hat eine futuristisch anmutende Hülle, vor Corona kamen jährlich 160.000 Besucher - eines der erfolgreichsten archäologischen Museen in Deutschland. Auch die Feldhofer Grotte - Fundort im Jahr 1856 - wurde gestaltet. Sie liegt wenige Hundert Meter vom Museum entfernt.

Fachwerk, Gasthöfe und die Quelle der Düssel

Zurück auf den Fernwanderweg Neanderlandsteig: Dörfliche Fachwerkidylle prägt Haan-Gruiten, wo die denkmalgeschützten Wohnhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Ein wenig weiter wartet das ehemalige Rittergut Schöller mit wehrhaftem Turm aus klobigen Bruchsteinen, bereits erbaut im 12. Jahrhundert.

Urige Gasthöfe liegen an der Route wie etwa das Restaurant Zum Kühlen Grund, Rastplatz am Tor zum Neandertal. Kurz vor Neviges beim Hof Blomrath liegt die Quelle der Düssel, aus einem Stein sprudelnd.

Im Kalkumer Forst werden die Wanderer aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerissen: Vom nahen Flughafen Düsseldorf aus donnern landende oder startende Jets über die Köpfe hinweg.

© dpa-infocom, dpa:201102-99-179534/3

Veröffentlicht am:
03. 11. 2020
04:32 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 11. 2020
04:32 Uhr



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