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Eine Kreuzfahrt in Corona-Zeiten

Nach monatelanger Kreuzfahrt-Pause und mit strengen Hygiene-Regeln wagt sich Tui Cruises wieder aufs Meer. Bei den Gästen kommt das Konzept gut an. Experten zweifeln jedoch an dessen Trägfähigkeit.



Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 2»
Das Tui-Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 2», das coronabedingt nur 1500 statt 2900 Passagiere aufgenommen hatte, war ohne Landgang auf der Nordsee unterwegs.   Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Drängeln tut sichs eigentlich nur bei den Bars», berichten Michael und Vera Machann. Am Montagmorgen sind sie in Hamburg von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen - nach einer Drei-Tages-Kreuzfahrt mitten in der Corona-Epidemie, auf der strenge Hygiene-Regeln galten.

Die meiste Zeit habe es eher gewirkt, als seien alle Passagiere auf Landgang, so leer sei es auf dem Schiff gewesen, berichten die Machanns. Insgesamt habe sich die dreiköpfige Familie mit dem kleinen Sohn Hugo angstfreier gefühlt als im Supermarkt.

Das Tui-Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 2», das coronabedingt nur 1500 statt 2900 Passagiere aufgenommen hatte, war ohne Landgang auf der Nordsee unterwegs und legte in den frühen Morgenstunden am Schiffs-Terminal im Hamburger Stadtteil Steinwerder an.

An Bord galten umfangreiche Regeln. So mussten etwa jeden Morgen zwischen 8:30 und 11:30 Uhr die Gäste in einer Schlange vor einem Raum zum Fiebermessen antreten, sagt Friederike Grönemeyer, die bei Tui Cruises für die Unternehmenskommunikation zuständig ist. «Dann geht man einmal rein, sagt welche Zimmernummer, dann wird einmal kurz Temperatur gemessen und dann geht man wieder raus.» Wenn bis dahin noch nicht alle Gäste erschienen seien, gebe es eine Durchsage mit der freundlichen Bitte, sich vor Ort einzufinden.

Schon bevor die Passagiere an Bord gingen, mussten sie ihre Körpertemperatur messen lassen und zusätzlich einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Die Crewmitglieder mussten untereinander und zu den Gästen den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten oder Gesichtsmasken tragen. In den Buffetrestaurants hatten die Gäste nicht selbst Zugang zu den Speisen. Sie wurden ihnen vom Personal an den Tisch gebracht. Das sei «sowieso gar nicht so schlecht» und besser, als wenn alle Leute im Essen herumwühlten, sagt Passagierin Claudia Willgeroth, die gemeinsam mit ihrer Freundin Dörthe an Bord war.

Verbesserungswürdig finden Gabriele Strohof und ihre Tochter Julia die Organisation der Ankunft der Gäste am Terminal vor Beginn der Mini-Kreuzfahrt. Vier Stunden hätten sie am Abreisetag warten müssen, bei Temperaturen um die 30 Grad. «Ich habe viele ältere Leute gesehen, die in der prallen Sonne standen», berichtet Gabriele Strohof und empfiehlt, Toiletten, Getränkeautomaten und Zelte aufzustellen.

Während Tui Cruises wieder an einem deutschen Hafen aktiv ist, hat der Branchenkonkurrent Aida Cruises die Rückkehr ins Kreuzfahrtgeschäft nach der Corona-Zwangspause verschoben. Am Sonntag hat das Unternehmen die geplanten Mini-Kreuzfahrten auf der Ostsee für die erste Augusthälfte abgesagt. Zuvor waren bei elf Crewmitgliedern Corona-Infektionen festgestellt worden.

Der Tourismus-Experte Alexis Papathanassis bezweifelt, dass das Hygiene-Konzept der Kreuzfahrtreedereien längerfristig trägt. «Ich bin skeptisch, inwiefern die Szenarien wirklich durchdacht sind. Wenn es jetzt wieder einen Corona-Ausbruch auf einem Schiff gäbe - das wäre Branchenselbstmord», sagte er kürzlich dem «Spiegel».

Die Unternehmen erwirtschaften ihren Gewinn nicht nur mit dem Preis für die Passage, sondern ebenso aus Gastronomie, Boutiquen und weiteren Angeboten an Bord sowie den Arrangements bei Landgängen. All das fällt um mehrere Nummern kleiner aus, wenn kaum mehr als die Hälfte der kalkulierten Passagiere an Bord sein darf. Die Kosten hingegen sind ähnlich hoch wie bei einem voll besetzten Schiff, auch wenn weniger Service-Mitarbeiter und weniger Nahrungsmittel an Bord gebraucht werden.

© dpa-infocom, dpa:200803-99-24654/2

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
15:14 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
15:14 Uhr



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