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Die Kreuzfahrt in Zeiten von Corona

Es geht wieder los mit der Kreuzfahrt - ohne Landgänge, mit einem strengen Sicherheitskonzept und vorsichtiger Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch wann wird die Seereise wieder so wie früher?



Unterwegs auf hoher See
Unterwegs auf hoher See - und zwar nur dort: Die ersten Kreuzfahrten sind wieder möglich, vorerst noch ohne Landgänge.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Auf einem schwimmenden Hotel die Welt entdecken und über Nacht zum nächsten Hafen schippern, ohne die Koffer packen zu müssen: Das ist der Reiz einer Hochseekreuzfahrt. Während einer globalen Pandemie verkehren sich die Vorteile dieser Reiseform allerdings ins Gegenteil: Sie werden zu einem Risiko.

Nun geht es mit Kreuzfahrten zwar wieder los, doch unter strengen Auflagen. Was macht das mit dem Urlaubserlebnis? Und kann es wieder eine Rückkehr zur alten Normalität in den Zeiten vor Corona geben?

Status quo: «Blaue Reisen» ohne Landgänge

Tui Cruises bietet zunächst Fahrten auf «Mein Schiff 1» und «Mein Schiff 2» von Hamburg und Kiel aus in Richtung Norwegen an. Aida Cruises startet im August Kurzreisen von Rostock und Kiel aus. Auch Hurtigruten fährt wieder entlang der norwegischen Küste. Flusskreuzfahrt-Anbieter haben ihren Betrieb ebenfalls aufgenommen.

Die Besonderheit: Aida und Tui Cruises bieten vorerst nur Kreuzfahrten völlig ohne Landgänge an. Tui Cruises spricht von «Blauen Reisen» und «Borderlebnis pur». Was ist davon zu halten?

«Was die Branche derzeit versucht, ist ein geschlossenes System noch weiter zu schließen. Es gibt jetzt kaum eine Schnittstelle mehr zur Außenwelt. Also kein Hafenerlebnis, keine Attraktionen, keine Ausflüge», erklärt der Kreuzfahrt-Experte Prof. Alexis Papathanassis von der Hochschule Bremerhaven. Darüber hinaus seien auch das soziale Leben und die Unterhaltung an Bord eingeschränkt. «Da fragt man sich schon, ob so eine Form von Urlaub noch attraktiv ist.»

Schrittweise Rückkehr zu Normalität?

Eine Frage für die mittelfristige Zukunft lautet nun: Wie geschlossen bleibt das System? Vorstellbar seien zum Beispiel enge Partnerschaften mit einzelnen Häfen, in denen alle Prozesse genau kontrolliert werden, sagt Papathanassis. «Ich kann mir gut vorstellen, dass man exklusive, vertikale Ketten mit Partnern an Land aufbaut. Innerhalb dieser Kette kann man Sicherheit schaffen.»

So erklärt etwa Aida Cruises: Je nach Öffnung weiterer europäischer Häfen könnten erste ausländische Destinationen in das Reiseprogramm integriert werden. Nur wann wird das der Fall sein? Das ist offen.

Social Distancing auf See

Nicht nur die Landgänge fehlen derzeit noch, auch an Bord läuft vieles anders ab. Die Reedereien fahren mit weniger Gästen, es gelten strenge Hygienekonzepte. Und die Urlauber sollen unterwegs Abstand zueinander halten: 1,5 Meter mindestens.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. «Social Distancing ist theoretisch machbar, das erfordert aber eine enorme Disziplin vonseiten der Crew und der Passagiere», sagt Prof. Papathanassis.

Das Risiko einer unerkannten Infektion

Das führt zur entscheidenden Frage: Wie lässt sich verhindern, dass infizierte Personen an Bord kommen und dort andere anstecken? Und was passiert, wenn es auf Reisen doch zu einem Corona-Ausbruch kommt?

Aida und Tui Cruises wollen nach eigenen Angaben die Temperatur der Gäste vor dem Check-in messen. Eine Maßnahme, die aber nach Ansicht von Experten kaum Schutz bietet: «Fieber messen ist Augenwischerei», sagt der Mediziner Christian Ottomann, Leiter der Schiffsarztbörse. «Es gibt Infizierte ohne Fieber oder anderweitige Symptome.»

Ottomann hält es für angeraten, am Tag der Einschiffung für alle Passagiere sogenannte PCR-Tests anzubieten. Solche Tests bei der Ein- und Ausschiffung finden bei Aida Cruises und Tui Cruises derzeit nicht statt, wie die Reedereien bestätigen. Wohl aber können die Tests bei Bedarf an Bord vorgenommen werden.

Reedereien wollen Infizierte schnell nach Hause bringen

Sollte es zu einem bestätigten Fall an Bord kommen, greifen laut den Reedereien detaillierte Notfallpläne. «Falls sich ein Verdachtsfall bestätigen sollte, werden wir den Gast schnellstmöglich an Bord isolieren und zur Weiterbehandlung in ein geeignetes Krankenhaus an Land bringen lassen», sagt Godja Sönnichsen von Tui Cruises. «Egal wo wir unterwegs sind, unsere Gäste werden nicht festsitzen und zwei Wochen auf dem Schiff ausharren müssen.»

Auch Aida Cruises betont, man könne bei einem bestätigten Covid-19-Fall schnellstmöglich die medizinische Versorgung und Ausschiffung sowie die Heimreise des Gastes gewährleisten.

Wie kann die Eindämmung an Bord gelingen?

Die Kreuzfahrtbranche habe durchaus viel Erfahrung im Umgang mit Krankheitserregern an Bord und habe die Norovirus-Ausbrüche in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduzieren können, sagt Alexis Papathanassis. «Das Bild vom Schiff als schwimmender Virusschleuder ist nicht fair. Zu einem Corona-Ausbruch kann es ja genauso gut in einem Ferienresort oder Hotelclub an Land kommen.» Die Frage sei aber, wer alles wann im Fall eines Ausbruchs an Bord getestet wird.

Schiffsarzt Ottomann geht davon aus, dass es frühestens im Januar 2021 wieder so richtig losgehen wird mit Kreuzfahrten - und wie vor der Krise werde es erst wieder sein, «wenn ein Impfstoff da ist.»

© dpa-infocom, dpa:200727-99-941846/2

Veröffentlicht am:
28. 07. 2020
04:38 Uhr

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dpa

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28. 07. 2020
04:38 Uhr



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