Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Nationalparks in Afrika fehlen die Touristen

Ob Spitzmaulnashorn oder Berggorilla: Mit der Corona-Krise hat sich für die Tiere in Afrikas Naturreservaten viel geändert. Es gibt mehr Ruhe und Raum, denn die Touristen bleiben weg. Doch mittelfristig droht große Gefahr.



Elefanten im Krüger Nationalpark
Ohne Besucher haben die Tiere in Afrikas Nationalparks mehr Platz und Ruhe. Doch die Flaute im Tourismus birgt für sie auch eine Gefahr.   Foto: Kevin Anderson/AP/dpa » zu den Bildern

Löwen auf den Straßen, Golfplätze erkundende Elefanten: In der Corona-Krise streifen viele Tiere in den Wildparks Afrikas an sonst von ihnen gemiedenen, nun aber menschenleeren Plätzen umher. Deutlich macht sich bemerkbar, dass der Tourismus abrupt ausgebremst wurde.

Was für die Wildtiere angenehm sein mag, ist für den Artenschutz bedenklich: Vielen Schutzprojekten droht inzwischen das Aus. «Der Öko-Tourismus ist für den langfristigen Artenschutz gefährdeter Tiere enorm wichtig», betont die African Conservation Foundation.

Naturschutz ist durch Corona-Krise geschwächt

Der wochenlange Lockdown lässt nicht nur die Volkswirtschaften in Afrika in die Knie gehen, sondern auch den Naturschutz zwischen Kenia oder Südafrika. Denn der für die Finanzierung von Rangern, Anti-Wilderer-Einheiten oder Schutz- und Aufzuchtprogrammen wichtige Öko- und Safaritourismus fällt wegen der geltenden Reisebeschränkungen 2020 weitgehend flach. Das gilt für Ruanda, Uganda und Kongo ebenso wie für Madagaskar und andere Länder.

Die Finanzkrise im Zuge von Corona bedroht, was in langen Jahren mühsam aufgebaut worden ist. Auch viele private Initiativen von Lodgebetreibern sind gefährdet. «Wir Lodgebetreiber müssen uns im Jahr der Corona-Krise zunächst einmal um die Ernährung unserer vielen Angestellten und Familien kümmern», erklärt Anke Cowan von der Kafunta-Lodge in Sambia. Um ein von ihr mitgegründetes Projekt im Luangwa-Tal am Leben zu halten, flossen gerade vom Rotary Club Meerbusch bei Düsseldorf 20.000 Euro an Spenden.

Online-Angebote im Krüger-Nationalpark

Viele Unternehmen versuchen sich neu zu erfinden. Südafrikas Ranger-Ausbildungsstätte EcoTraining etwa bietet seit Mitte Juni Online-Kurse an. «Als Antwort auf Covid-19 waren wir gezwungen, neue Wege zu beschreiten, um noch relevant zu bleiben», heißt es dort. Auch der Tourismus-Magnet Krüger-Nationalpark versuchte mit Online-Angeboten und Wildtier-Videos das Interesse aufrechtzuerhalten, bevor er Anfang Juni wieder für Tagesbesucher öffnen konnte.

Vom Staat ist jeweils kaum Hilfe zu erwarten. Viele afrikanische Regierungen, die ohnehin schon mit ausbleibenden Steuereinnahmen kämpfen, müssen in den knappen Budgets Gelder für den Kampf gegen Corona umschichten. Da ist für Artenschutz kaum noch etwas übrig. Zur zusätzlichen Gefahr für die Tiere wird, dass Hunger im Zuge der Krise immer mehr Menschen betrifft - damit wächst die Versuchung, geschützte Wildtiere zu jagen.

Wilderei nimmt zu

Im Bwindi-Regenwald, einem Nationalpark im Südwesten Ugandas, wurde gerade ein Berggorilla getötet. «Seit dem Covid-19-Lockdown gibt es in den Parks mehr Wilderei», sagt John Gesa, ein Sprecher der Wildschutzbehörde UWA. Viele Menschen in Uganda hätten wegen der Corona-Maßnahmen die Städte verlassen und seien in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt, wo sie oft keine Arbeit oder Beschäftigung hätten - und darum wildern gingen. «Wir glauben, dass der Schutz der ländlichen Gemeinden eines der besten Dinge ist, die wir derzeit tun können», betont Les Carlisle, Naturschutz-Manager beim Lodgebetreiber andBeyond.

Tierschützer hoffen, dass wegen der Pandemie zumindest der Handel mit Wildtierprodukten langfristig geächtet wird. Nach Ansicht des WWF ist die Virus-Übertragung von Wildtieren auf den Menschen nur eine Frage der Zeit gewesen - und die Gefahr ähnlicher Ausbrüche noch lange nicht gebannt: «Mindestens 7000 Wildarten weltweit sind von Wilderei und illegalem Handel betroffen.»

Veröffentlicht am:
18. 06. 2020
13:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Artenschutz Krisen Nationalparks Naturschutz Rotary International Tiere und Tierwelt Tierschützer Touristen Twitter Wilderei Wildparks World Wide Fund For Nature Ökotourismus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Island und die Corona-Krise

13.07.2020

Geht es mit dem Tourismus auf Island nun wieder aufwärts?

Jahrelang schossen die Touristenzahlen auf Island in die Höhe. Jetzt sollten sie sich stabilisieren. Stattdessen kam Corona - mit immensen Folgen für die isländische Reisebranche. Die Isländer verzagen trotzdem nicht. » mehr

Hertha

30.06.2020

Der Tierpark Berlin wird 65

Wettrüsten - das ging im Kalten Krieg in Berlin auch mit Tieren. Die Geschichte des Tierparks Berlin klingt manchmal so wild wie manche seiner Bewohner. Heute hat er wieder eine Zukunft. » mehr

Am Strand

26.06.2019

Was das Welterbe Wattenmeer einzigartig macht

Es steht bei der Unesco auf einer Stufe mit dem Grand Canyon und dem Great Barrier Reef: das Wattenmeer. Große Teile der einzigartigen Landschaft zwischen Dänemark und den Niederlanden wurden 2009 zum Weltnaturerbe. » mehr

Ameisenstadt Dellenhäule

15.06.2020

Die einzigartige Ameisenstadt auf der Schwäbischen Alb

Auf der Schwäbischen Alb steht eine Millionenmetropole. Kaum einer kennt sie. Ihre Bürger leben unterirdisch - die «Ameisenstadt» beherbergt eines der größten Vorkommen der Insekten weltweit. » mehr

Tour auf dem Rim Rock Drive

22.06.2019

Colorado in Rot, Schwarz und Gelb

Rote Felsen, schwarze Schluchten, gelbe Dünen: Der Südwesten von Colorado in den USA geizt nicht mit Farben. In drei Nationalparks kommen Besucher der Berglandschaft auf verschiedene Weise nahe. Wild und ungezähmt bleibt... » mehr

Robben auf Helgoland

17.06.2019

Auf Helgoland kommen sich Robben und Menschen nah

So nah wie auf Helgoland lassen Robben in der freien Wildbahn Menschen woanders kaum an sich ran. Das ist faszinierend für Fotografen und Touristen, birgt aber auch Risiken. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 06. 2020
13:47 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.