Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

 

Tourismus-Sommer: Bangen und Hoffen in den Küstenländern

Sehr düster - so beschreiben Tourismusexperten in den Küstenländern die aktuelle Lage. Was die so wichtige Sommersaison bringt, ist noch ungewiss. Die Regionen an Nord- und Ostsee hängen von den Urlaubern besonders stark ab.



Nordsee-Tourismus
Trotz der langsamen Rückkehr der Urlauber rechnet die Reisebranche in Niedersachsen in diesem Jahr mit starken Verlusten.   Foto: Volker Bartels/dpa

Das Ostergeschäft ist total ins Wasser gefallen. Pfingsten verheißt nach den beschlossenen Lockerungen nun zumindest einen ersten Aufbruch - auf den entscheidenden Sommer blickt die Tourismusbranche in der Corona-Krise mit einem Mix aus Bangen und Hoffen. An Nord- und Ostsee gilt das besonders, denn die Abhängigkeit von Urlaubern ist enorm.

Im Ranking der deutschen Urlauberziele liegt Mecklenburg-Vorpommern bei längeren Reisen auf Platz 1, Schleswig-Holstein nach Bayern auf 3 und Niedersachsen auf 4. Hotspots wie Rügen, Usedom und Darß, Sylt, Amrum und Lübecker Bucht, Norderney, Borkum und Wangerooge stehen hoch im Kurs. Doch wie viele Urlauber dürfen im Sommer überhaupt jeweils kommen? Einheitliche Vorgaben gibt es bisher nicht.

Bei Reisen von mindestens fünf Tagen hatten in Deutschland die drei Küstenländer laut Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) zuletzt einen Anteil von fast 50 Prozent. Von 18,7 Millionen Inlandsreisen von Urlaubern ab 14 Jahren führten im vergangenen Jahr 19 Prozent nach MV, 16 Prozent nach SH, 13 Prozent nach Niedersachsen. Von 175,5 Millionen Übernachtungen entfielen 37,8 Millionen auf MV, 32,6 Millionen auf SH und 21,6 Millionen auf Niedersachsen.

Die Zahlen machen deutlich, wie schmerzhaft die in der Corona-Krise verhängten Reiseverbote an Nord- und Ostsee sind. Dem Nordosten fehlten die Gäste aus Berlin und Sachsen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ganz besonders die Urlauber aus Nordrhein-Westfalen. Teils ist von Umsatzverlusten von bis zu 100 Prozent die Rede. Die Ungeduld wächst, aber die Angst vor einem Rückschlag im Falle eines Infektionsschubs ist allgegenwärtig. Hoffnung machen immerhin die vielen Buchungen für Pfingsten und den Sommer.

Die Branche sehnt die Öffnungen herbei, doch überfüllte Strände kann sich in diesem Jahr auch niemand vorstellen. Wo sollen die nach Strand und Meer lechzenden Urlauber nur hin, wenn Mittelmeer und Karibik als Ziele wegfallen sollten? Zugangsbegrenzungen zu Stränden sind absehbar, aber problematisch - auch für Einheimische.

- Schleswig-Holstein: Laut NIT-Institut trägt der Tourismus im Land zwischen den Meeren acht Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. 180 000 direkt und indirekt in der Branche Beschäftigte bedeuten einen Anteil von 13 Prozent an allen Erwerbstätigen. Dem Corona-Stillstand folgt an diesem Montag die große Öffnung: Hotels - ohne Wellnessbereiche - und Gaststätten dürfen aufmachen, Touristen einreisen, Inseln und Halligen werden wieder zugänglich. Auch diverse Sport- und Freizeitaktivitäten werden erlaubt. Sylt und andere Nordsee-Inseln äußerten die Bitte, noch keine Tagestouristen zuzulassen.

«Es sieht sehr düster aus für die Branche», sagte vor den Lockerungen Dehoga-Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis. Erst die nächsten Wochen würden zeigen, wie viele Betriebe den Stillstand überleben. Bisher hält sich die Befürchtung, bis zu 30 Prozent der 5000 Hotel- und Gaststättenbetriebe könnten «sterben». Die Branche fordert weitere Lockerungen, zum Beispiel für größere Familienfeiern.

- Mecklenburg-Vorpommern: Der Nordosten öffnet sich zum 25. Mai für Übernachtungsgäste aus den anderen Bundesländern, eine Woche früher für einheimische Urlauber. Die Betriebe dürfen ihre Betten nur zu 60 Prozent belegen. Details zur Umsetzung lägen noch nicht vor, sagt der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf. Die Branche warte auf die Verordnung. Die Lockerungen bedeuteten für Ostseeküste und Mecklenburgische Seenplatte Licht am Ende des Tunnels.

«Wir bewegen uns bei den Verlusten durch das Coronavirus bereits jetzt im Milliardenbereich», sagte Woitendorf. «Das wird nicht mehr aufzufangen sein», meinte er im Blick auf den weiteren Saisonverlauf. Woitendorf erwartet trotzdem, dass die meisten Betriebe die Situation meistern werden - sofern das Infektionsgeschehen keine Rückschläge bringt. Im Land gibt es rund 450.000 Betten für Touristen. Der Gesamtumsatz von Tourismus und Gastgewerbe beträgt acht Milliarden Euro - zwölf Prozent der Bruttowertschöpfung des Landes.

- Niedersachsen: Ferienwohnungen dürfen seit dieser Woche wieder an Urlaubsgäste vermietet werden, aber nur alle sieben Tage an neue, und auch Campingplätze können mit Einschränkungen öffnen. Gleich am Montag setzten Hunderte auf die Ostfriesischen Inseln über - ein Lichtblick für die sieben Inseln, die fast komplett vom Tourismus abhängen. Die Touristikgesellschaft geht von einer guten Auslastung zu Pfingsten und im Sommer aus. Nur vereinzelt seien Plätze frei.

Dass die Einnahmeausfälle im Jahresverlauf kompensiert werden können, hält der Tourismusverband Niedersachsen für unrealistisch. «Die aktuelle Lage ist katastrophal», sagt Dehoga-Präsident Detlef Schröder. Auch in Niedersachsen gilt ein Drittel der Beherbergungs- und Gastrobetriebe als akut existenzgefährdet. Tourismus trägt laut dem Wirtschaftsministerium 5,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Rund 293.000 Menschen sind dort direkt und indirekt beschäftigt - 7,4 Prozent aller Erwerbstätigen. Die nächsten Lockerungen für die Branche stehen an: Am 25. Mai sollen Hotels mit maximal 50 Prozent Auslastung wieder Urlauber empfangen dürfen.

Veröffentlicht am:
14. 05. 2020
10:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angst Bereich Hotels Gaststätten und Restaurants Hotel- und Gastronomiegewerbe Meere Ostseeküste Strände Tagestouristen Urlauber Wirtschaftsbranche Reisen und Tourismus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ostsee - Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

02.07.2020

Nordsee vs. Ostsee: Was Urlauber an die Küsten zieht

Millionen Urlauber in Deutschland fahren jedes Jahr ans Meer. Doch Küste ist nicht gleich Küste. Wer es mild und romantisch mag, bevorzugt die Ostsee. Wilder und rauer geht es hingegen an der Nordsee zu. » mehr

Auf Fünen

24.06.2020

Auf einer Acht die dänische Ostseeküste entlang

Er ist eine der jüngsten Attraktionen Dänemarks: Der neue Ostseeradweg N8 führt an den Highlights der dänischen Ostseeküste vorbei. Und davon gibt es so einige. » mehr

Ferienhaus-Urlaub

02.06.2020

Ferienhaus-Urlaub: Pro und Contra

Sommer, Sonne, Schutzmaske: Nach Wochen der Beschränkungen haben viele das Bedürfnis nach Erholung. Ferienhäuser sind diese Saison aus guten Gründen sehr gefragt. Aber kommen sie für jeden in Frage? » mehr

Urlaub auf Sylt in Zeiten von Corona

02.07.2020

Urlaub auf Sylt in Zeiten von Corona

Promitreff, Familieninsel, Naturerlebnis, Sehnsuchtsort und Pendlerfrust - Sylt ist vieles. Wochenlang lag die Insel in einer Art Dornröschenschlaf. Jetzt ist Sylt wieder erwacht. » mehr

Mallorca ohne Urlauber

13.05.2020

Mallorca ohne Urlauber - ein Segen für die Umwelt?

Keine Touristen auf der Insel, kaum Einheimische auf den Straßen: Auf Mallorca steht das Leben während der Covid-19-Krise fast vollkommen still. Eine Atempause für die Natur, könnte man meinen. Doch wie schnell kann sich... » mehr

Kampf gegen den Müll

03.12.2019

Mallorcas Kampf gegen den Müll

Der Massentourismus auf Mallorca hinterlässt viel Müll, auch an den Stränden. Um der Flut an Plastik und Einwegverpackungen Herr zu werden, haben die Balearen seit Anfang des Jahres ein neues Gesetz. Bei der Umsetzung hi... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 05. 2020
10:33 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.