Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Wohin kann ich überhaupt noch reisen?

Die Menschen gehen auf Reisen - und mit ihnen das neuartige Coronavirus, das sich in immer mehr Ländern ausbreitet. Da stellt sich die Frage: Wo kann ich in diesem Jahr überhaupt Urlaub machen?



Coronavirus in Italien
Eine Sanitäterin verlässt am 29. Februar 2020 ein Zelt, das vor der Notaufnahme des Krankenhauses von Cremona aufgebaut wurde.   Foto: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa

Wenn schon diejenigen, die Reisen verkaufen, nicht mehr reisen wollen - warum sollten Urlauber es dann noch tun? Diese Frage stellt sich, nachdem wegen des neuartigen Coronavirus die weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin abgesagt worden ist.

Sars-CoV-2 trifft die Tourismusbranche hart und verunsichert viele Reisende, die sich nun fragen: Wo kann ich in diesem Jahr überhaupt noch Urlaub machen, wenn sich das neue Coronavirus überall ausbreitet, zum Beispiel in Italien und jetzt auch in Deutschland?

Viele Urlauber warten erst einmal ab

«Es wird eine abwartende Haltung in den nächsten Wochen geben, und das halte ich auch für sehr vernünftig», sagt der Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann. «Aller Wahrscheinlichkeit werden wir aber einen ganz normalen Sommer haben, in dem man wunderschön verreisen kann.» «Viele haben schon ihren Urlaub gebucht und werden das erstmal nicht wieder rückgängig machen», erwartet der Experte vom NIT Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel.

Doch was, wenn ich noch keinen Urlaub gebucht habe? Im Prinzip haben Reisende drei Möglichkeiten. Erstens: Sie bleiben zu Hause. Zweitens: Sie planen ihren Urlaub in einem Land, aus dem noch keine Infektionen gemeldet wurden - und hoffen, dass das auch so bleibt. Drittens: Sie reisen in eine Region oder ein Land mit Corona-Infizierten und minimieren dort das persönliche Risiko einer Ansteckung.

Variante 1: Urlaub auf Balkonien?

«Rein medizinisch gibt es überhaupt keinen Grund, nicht zu verreisen», sagt Prof. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin. Die Fallzahlen seien bezogen auf die Gesamtbevölkerung immer noch sehr niedrig. Auch in Norditalien sei das Risiko gering, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Prof. Lohmann sieht das ähnlich: «Ob ich nun in Hamburg oder in Turin mit einem städtischen Linienbus fahre, macht eigentlich keinen großen Unterschied.» Also ist es nicht sinnvoll, ein Land oder eine Region zu meiden, weil es dort Covid-19-Erkrankte gibt? «Da müsste man in der Heimat bleiben, aber da kann es ja genauso Fälle geben.»

Variante 2: Urlaub in einem Land ohne Coronavirus?

Das neue Coronavirus wurde bisher in mehr als 60 Ländern festgestellt. Weltweit ist derzeit neben dem Ursprungsland China Südkorea am stärksten betroffen. Auch in Iran gibt es viele Fälle. In Europa ist im Moment Italien das am stärksten betroffene Land.

Das heißt wiederum: Es gibt weiterhin viele Länder ohne gemeldete Fälle - jedenfalls noch. «Wir wissen einfach nicht, wo in zwei Wochen Fälle gemeldet werden. Das ist nicht vorherzusagen», gibt Jelinek zu bedenken. Und genau das verunsichert womöglich auch viele Urlauber.

Die großen Reiseveranstalter haben darauf reagiert - und zeigen sich kulant. Wer in den kommenden Wochen einen Urlaub neu bucht, kann bis 14 Tage vor Abreise kostenlos umbuchen oder wieder stornieren. Diese Regelung gilt zum Beispiel bei Tui, DER Touristik und Alltours.

«Die Veranstalter bieten das jetzt an, um den Kunden mehr Sicherheit zu geben und die Angst zu nehmen», erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Der Branchenvertreter sieht hier einen Vorteil der Pauschalreise: «Diese Kunden sind deutlich besser abgesichert und haben jederzeit einen Ansprechpartner.»

Variante 3: Egal wohin - Hauptsache vorsichtig sein?

Es gibt derzeit nur sehr wenige Länder, die man unbedingt meiden sollte - allen voran China . Das Auswärtige Amt (AA) rät nach wie vor von nicht notwendigen Reisen in das Land mit Ausnahme von Hongkong und Macau ab. Vor Reisen in die Provinz Hubei wird sogar gewarnt.

In Italien rät das AA nur von nicht erforderlichen Reisen in die Provinz Lodi in der Lombardei sowie nach Vò Euganeo in Venetien dringend ab. «Ich würde nicht dazu aufrufen, jetzt nicht nach Venedig zu fahren», sagt Jelinek. «Aber wenn man sehr vorsichtig sein möchte, dann geht man vielleicht eher in Norditalien irgendwo wandern.»

Gesundheitliche Risiken und praktische Probleme

Dem Experten zufolge sollten Urlauber zwei Risiken unterscheiden. Zum einen ist da die Gefahr, sich das Coronavirus einzufangen - diese sei meist gering. «Man muss das Virus erst einmal bekommen», sagt Jelinek. Und dann werde es nur gefährlich, wenn die Erkrankung einen schweren Verlauf nehme.

Das zweite Risiko ist eher praktischer Natur: Es kann am Zielort zu Einschränkungen kommen. Wenn wie in Paris der Louvre geschlossen wird, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Doch im schlimmsten Fall droht eine Quarantäne wie in einem Hotel auf Teneriffa. «Wenn Sie eine Behörde haben, die kurzfristig alles absperrt, dann können Sie nichts tun», sagt Jelinek.

Ein Restrisiko bleibt fast überall

Also lieber in ein Ferienhaus im Nirgendwo als in ein Massenhotel mit 500 Zimmern und internationaler Gästeschar? Das schützt auch nicht sicher, denn Urlauber müssen ja immer noch die Anreise bewältigen - und die führt häufig über Bahnhöfe und Flughäfen.

Veröffentlicht am:
03. 03. 2020
09:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alltours Flugreisen GmbH Auswärtiges Amt Bereich Hotels Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung Customer Relationship Management DER Touristik Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten Kunden Louvre Reisemedizin Reiseveranstalter Robert-Koch-Institut Urlauber Weltgesundheitsorganisation Wirtschaftsbranche Reisen und Tourismus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ein Ferienwohnungs-Schild in Zinnowitz an der Ostsee

30.04.2020

Tourismusexperte: Betten in Deutschland werden nicht reichen

Kein Mallorca, kein Tunesien, erst recht keine Fernreisen: Im Sommer wird womöglich nur Urlaub in Deutschland möglich sein. Aber würde das überhaupt für die Masse funktionieren? Ein Experte ist skeptisch. » mehr

Buschbrände in Australien

10.01.2020

Down Under baut trotz Feuers auf Tourismus

Verbrannte Erde und Menschen auf der Flucht: Die aktuellen Bilder aus Australien taugen nicht so Recht als Werbung für ein Urlaubsziel. Kommen die Touristen dennoch? » mehr

Pauschalreise

31.12.2019

Wie sicher ist die Pauschalreise?

Die Thomas-Cook-Pleite war ein Schlag ins Gesicht vieler Urlauber: Die Reise abgesagt, das Geld erstmal weg. Dabei galten Pauschalreisen stets als sicher. Stimmt das noch zum Start ins Reisejahr 2020? » mehr

Tourismus auf Mallorca

29.11.2019

Kunden halten Pauschalreise bislang die Treue

Der Zusammenbruch von Thomas Cook jagt Schockwellen durch die erfolgsverwöhnte Tourismusindustrie. Hat die Pauschalreise noch eine Zukunft? Wie geht es weiter beim Ferienflieger Condor? » mehr

Badeurlaub

02.07.2019

Welcher Reiseveranstalter passt zu mir?

Mit der Tui oder Thomas Cook kommen Urlauber in die halbe Welt. Doch wann ist ein kleiner Spezialveranstalter die bessere Wahl? » mehr

Urlaubsfotos anschauen

28.04.2020

Virtuell reisen in Corona-Zeiten

Die Welt virtuell vom Sofa aus erkunden: In Corona-Zeiten klingt das spannender denn je. Mittlerweile gibt es viele inspirierende Angebote auch abseits der digitalen Museumstour - und einen großen Haken. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 03. 2020
09:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.