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Im Iran trägt man Hemd statt Outdoorjacke

Manche machen einfach nur Urlaub, andere gehen auf extreme Reisen. Drei Profis erzählen, wie man unterwegs das Abenteuer findet - und trotzdem sicher ans Ziel kommt.



Wüstenlandschaft im Iran
Wüstenlandschaft im Iran - über seinen Aufenthalt in diesem Land hat Stephan Orth als Couchsurfer einen Bestseller geschrieben.   Foto: dpa-tmn » zu den Bildern

Wer abseits von Resorts und organisierter Rundreise die Welt erkundet, erlebt mehr. Doch die Sicherheitslage ist in vielen Länder immer ein Thema.

Wie passen Abenteuerlust und begründete Sorgen zusammen? Diese drei Reiseprofis haben außergewöhnliche Erfahrungen außerhalb der eigenen Komfortzone gesammelt - und Tipps nicht nur für Krisengebiete.

Stephan Orth: Auf eine Couch nach Teheran

Der Couchsurfer und Autor Stephan Orth hat rund 70 Länder bereist und unterwegs meist bei Einheimischen in Privatwohnungen übernachtet. Für ihn gehören die bunte Outdoorjacke und die dunkle Cargohose auf Reisen nicht zum täglichen Outfit: «Ich versuche in gefährlichen Gegenden, Kleidungsstücke zu vermeiden, die an einen Bergsteiger oder einen Soldat erinnern», sagt er. Stattdessen passt er sich der Mode der Einheimischen an. Im Iran etwa heißt das: zu Sneakern und Jeans ein schlichtes Hemd statt auffälliger Funktionskleidung.

Nie ohne Vorwissen aufbrechen

Orths Reisen sind abenteuerlich, teils gewagt. Aber der Profi bricht nie unbedarft auf. Erste Anlaufstelle des Reisejournalisten ist die Webseite des Auswärtigen Amts (AA). «Die Länder- und Sicherheitshinweise werden ständig mit großem Fachwissen aktualisiert. Auch ein Blick auf die entsprechenden britischen und amerikanischen Seiten kann sich lohnen, um eventuelle Unterschiede festzustellen», sagt Orth.

Orth fährt nicht überall hin. Länder und Regionen mit der höchsten Warnstufe - einer offiziellen Reisewarnung - meidet er. «Auch bei den Stufen «wird abgeraten» oder «wird dringend abgeraten» überlege ich mir sehr gut, ob ich das Risiko eingehen möchte.»

Vorab sammelt er alle verfügbaren Informationen über Krisen, Terrorismus und Entführungsfälle, um herauszufinden, wie stark die Bedrohung für Reisende tatsächlich ist.

Carina Herrmann: Allein unterwegs als Frau

Mit 30 Jahren packte Carina Herrmann einen 22 Kilogramm schweren Rucksack für ihre erste lange Reise außerhalb Europas. Ein totaler Angsthase sei sie damals gewesen, erzählt sie. Ein Jahr später kommt sie zurück, mit sechs Kilo leichterem Gepäck und der Motivation, auch anderen die Angst vor dem Reisen zu nehmen. Mittlerweile ist sie seit acht Jahren als Dauerreisende unterwegs und gibt auf ihrem Blog Pink Compass allerlei Tipps speziell für Frauen.

Auf das Bauchgefühl hören

Hermann weist auf eine der wichtigsten Regeln speziell für Alleinreisende hin: «Komm niemals im Dunkeln oder mitten in der Nacht an einem komplett fremden Ort an - es sei denn, du wirst von einer vertrauenswürdigen Person abgeholt.» Außerdem sei es wichtig, auf das Bauchgefühl zu vertrauen. «Vor allem, wenn es sagt, etwas ist faul.»

Stephen Gollan: Besuch im Jemen

Der 30-jährige Kanadier ist als Extrem-Backpacker unterwegs und hat schon mehr als 90 Länder besucht. Während andere noch sagen, in dieses oder jenes Land könne man unmöglich reisen, packt Gollan schon seinen Rucksack und fliegt nach Afghanistan, Papua-Neuguinea oder in den Jemen. Davon erzählt er auf seinem Blog Uncharted Backpacker .

Regel Nummer eins ist für Gollan: «Verstehe das Land! Es ist unglaublich wichtig, die Gesetze, Regulierungen und die Kultur zu kennen.» Es ist wichtig, sich vorab zu informieren, wo beispielsweise Fotografieren oder Alkohol verboten sind. «Glaub mir, du möchtest nicht im Nahen Osten erwischt werden, wie du auf einem öffentlichen Platz Alkohol trinkst!», erzählt Gollan lachend.

Informationen aus erster Hand

Informationen aus den lokalen Medien sind hilfreich, aber: «Wer in unsichere Gegenden reisen möchte, braucht Erfahrung aus erster Hand», findet Gollan. Am besten könne man sich vor Ort ein Bild der Lage machen. «Dafür reicht eine Meinung nicht aus.» Es ist hilfreich, möglichst viele Einwohner, das Hotel und lokale Reiseveranstalter nach ehrlichem Rat zu fragen.

Nicht den Helden spielen

Und was, wenn man tatsächlich in eine gefährliche Lage gerät? Wenn man zum Beispiel überfallen wird? Der Extremreisende rät: «Ruhig bleiben. Meistens geht es nicht um dein Leben, sondern nur um schnelles Geld.» Also lieber nachgeben. «Wir Reisenden sind sowieso privilegiert. Und dein Leben ist mehr wert als das Geld.»

Natürlich sollte man nur das tun, wobei man sich sicher fühlt. «Lass dich aber trotzdem nicht von deinen Ängsten aufhalten», rät Gollan.

Veröffentlicht am:
24. 12. 2019
04:53 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
24. 12. 2019
04:53 Uhr



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