Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Rijeka ist Europäische Kulturhauptstadt

Rijeka an der kroatischen Adriaküste ist Europäische Kulturhauptstadt 2020. Schon jetzt zeigt die Stadt ihren schrägen Charme. Ein verrücktes Museum hat es bereits zu Ruhm gebracht.



Nationaltheater
Nationaltheather in Rijeka - die Stadt hübscht sich für das Kulturhauptstadtjahr auf.   Foto: Rijeka 2020 - European Capital of Culture/dpa-tmn » zu den Bildern

Am Kai ragen die Kräne wie rostige Gräten in den grauen Himmel, dahinter verlaufen alte Schienenstränge. Ab und an rattert ein Containerzug vorbei, entlang an alten Fabriken und stillgelegten Werften.

Kroatiens drittgrößte Stadt hat bessere Zeiten gesehen. Doch jetzt soll Schluss sein mit der postindustriellen Melancholie: Rijeka ist Europäische Kulturhauptstadt 2020.

Das Motto «Hafen der Vielfalt» steht für neues Leben an der Kvarner Bucht, wo Industriebrachen sich in Kulturzentren verwandeln sollen. Zum Beispiel die ehemalige Holzlagerhalle Exportdrvo, die schon jetzt als Konzertsaal dient. Betoncharme und bunte Graffiti haben ihren Reiz. Die Halle wird 2020 ein Hotspot für Ausstellungen, Filme und Musik sein. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Besucher dann per Zipline von der hoch gelegenen Burg Trsat herbeisausen.

Ein Wrack aus Titos Zeiten

Ganz real und jetzt schon abenteuerlich dümpelt unweit der Lagerhalle ein rostzerfressenes Geisterschiff vor sich hin. Es ist die sagenumwobene «Galeb» (Möwe) des ehemaligen Staatschefs von Ex-Jugoslawien, Josip Broz Tito.

1938 ursprünglich als Bananenhandelsschiff gebaut, 1944 als Minenleger versenkt, lag das Schiff drei Jahre lang auf dem Meeresgrund, bevor Tito es schließlich 1952 zu seiner maritimen Staatslimousine erkor, erklärt Historikerin und Projektleiterin Natasa Babic. Heute tropft von den Decken das Wasser. Bis hoffentlich Ende 2020 soll aus der Ruine ein Museumsschiff werden. Ein Hotel mit Restaurant soll auf und unter Deck für schwarze Zahlen sorgen.

Ein Buch zum Kaffee

Wenige hundert Meter von der Schiffsruine und den Krangerippen entfernt, sitzt man am späten Nachmittag auf der Flaniermeile Korzo. Vanillegelbe Prachtfassaden getupft mit weißem Schlagobersornament erinnern an die Zeiten der K.-u.-k.-Monarchie. «Wir treffen uns an der Uhr», am Stadtturm - das ist hier ein geflügeltes Wort. Und Auftakt zum Flanieren auf Rijekas Freiluft-Laufsteg.

In der Caffe Bar Filodrammatica nippt die Jugend unter zehn bombastischen Kristall-Lüstern am Latte macchiato. Man bestaunt die Opulenz - bis der Blick auf einen Durchgang fällt: Da stapeln sich Leihbücher, reihen sich die Regale der Stadtbibliothek aneinander. Von hier treten ältere Damen mit Weltliteratur unterm Arm ins Café.

Trotz des Pomps ist es ein klassenloser Ort, zugleich ein Bilderbuch kroatischer Geschichte, zwischen den Jahrhunderten österreichischer, ungarischer, italienischer und jugoslawischer Vorherrschaft. Nur sich selbst gehörten die Kroaten selten.

Maritime Geschichte

Auch den industriellen Reichtum sahnten oft auswärtige Fabrikanten ab. Trotzdem boomte Rijeka im 19. Jahrhundert, zählte zu den größten Häfen Europas. Der Aufstieg wäre ohne das Delta der Rjecina, das hier in die Adria mündet, nicht möglich gewesen.

«Sweet and Salt» hat Morana Matkovic vom Kulturhauptstadtkomitee folgerichtig ihr Projekt genannt, mit dem sie die alten Lebensadern zurück ins städtische Bewusstsein holen will. Gemeint sind sich vermischendes Süß- und Salzwasser. Entlang des Wasserweges werden begehbare Gärten die Hochhausdächer begrünen, im Verkehrsgetümmel ein Pavillon zur Meditation einladen.

Ein Museum zum Daddeln

Das Unfertige, das Authentische, das Gegenbild zu den Hochburgen Opatija und Krk ist Rijekas schräger Schatz. Dazu passt ihr einziges Museum von Weltrang, 300 Quadratmeter klein. Es widmet sich alten Computern. «Schauen Sie ins Internet», sagt Gründer Svetozar Nilovic, 48. «Das Peek&Poke ist die Nummer-eins-Attraktion in Rijeka.» Der Commodore 128 war vor zwölf Jahren Nilovics Auftakt zu einer mehr als 1000 Objekte zählenden Sammlung.

Taschenrechner der ersten Generation und eine grotesk große Festplatte von 1980 zählen dazu. Die Besucher dürfen sich an den Objekten austoben: Anfassen und spielen ausdrücklich erlaubt.

Veröffentlicht am:
28. 11. 2019
04:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bars Burgen Computer Computermuseen Gaststätten und Restaurants Häfen Josip Broz Tito Ruinen Schiffe Stadtbüchereien Städte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Theater in der «Aida Mira»

03.12.2019

Die neue «Aida Mira»

Erstmals seit vielen Jahren hat Aida Cruises mit der «Aida Mira» wieder ein gebrauchtes Schiff in seine Flotte übernommen - und aufwendig umbauen lassen. Dabei gab es einige Probleme. » mehr

An Deck

11.11.2019

Das bietet das neue Kreuzfahrtschiff «MSC Grandiosa»

Noch einmal ein paar Meter länger als ihre Schwestern präsentiert sich die neue «MSC Grandiosa». Attraktionen an Bord sind unter anderem ein riesiger LED-Himmel, ein Aquapark - und ein ganz besonderes Helferlein. » mehr

Kreuzfahrtpassagiere

24.09.2019

Fluch und Segen der Kreuzfahrtschiffe in den Fjorden

Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht. Denn weniger Touristen bedeuten auch weniger Einnah... » mehr

Essensangebot

13.08.2019

Wie man das passende Kreuzfahrtschiff findet

Kreuzfahrten sind beliebt. Doch jede Fahrt ist anders: Von Flusskreuzfahrt bis Hochsee, von Expedition bis Städtetour - das Angebot ist breit. Wie findet man sich da zurecht? » mehr

Fitnessbereich

06.05.2019

Die «Hanseatic nature» sticht in See

In luxuriösem Ambiente die Antarktis oder die Südsee erkunden: Diese Möglichkeit bietet die neue «Hanseatic nature» als erstes Expeditionskreuzfahrtschiff einer neuen Baureihe. Vom Retro-Charme der «Bremen» müssen sich n... » mehr

TWA-Terminal des JFK-Flughafens

16.05.2019

New York: JFK-Terminal als Luxushotel eröffnet

Am TWA-Terminal am New Yorker JFK-Flughafen stiegen einst Passagiere in ihre Flugzeuge. Ein Hollywood-Film machte es berühmt. Lange stand das Architektur-Juwel leer - jetzt ist es ein Luxushotel. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 11. 2019
04:59 Uhr



^