Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

 

Tel Aviv ist bedeutende Bauhausstätte

Zum 100. Geburtstag des Bauhauses eröffnet in Tel Aviv das «White City Center», Zentrum für Denkmalschutz und Architektur. Deutschland unterstützt das Projekt mit drei Millionen Euro - um das deutsch-jüdische Erbe am Mittelmeer zu erhalten.



«Weiße-Stadt-Zentrum» in Tel Aviv
In Tel Aviv stehen rund 800 Gebäude, die im Bauhaus-Stil erbaut wurden.   Foto: Ilia Yefimovich » zu den Bildern

Weiße Fassade, Flachdach, langgestreckte Balkone: Das Max-Liebling-Haus im Zentrum Tel Avivs gehört zur «Weißen Stadt» und damit wie rund 3700 weitere Gebäude zum Unesco-Welterbe.

In dem dreigeschossigen Haus eröffnet an diesem Donnerstag (19. September) das israelisch-deutsche «White City Center», Zentrum für Denkmalschutz und Architektur - im Jahr des 100. Geburtstages der deutschen Architektur-, Kunst- und Design-Schule Bauhaus.

Rund 800 Gebäude des internationalen Stils in Tel Aviv

Das Liebling-Haus wurde 1936 nach Entwürfen des Architekten Dov Karmi gebaut. Es ist im internationalen Stil gebaut, zu dem auch das Bauhaus gehört. Im 1909 gegründeten Tel Aviv befindet sich die größte Ansammlung von Gebäuden des internationalen Stils weltweit, rund 800. Die Häuser entstanden ab den 1930er Jahren, als jüdische Architekten vor den Nationalsozialisten aus Deutschland in das damalige Palästina flohen.

Ein Jahr lang wurde das Liebling-Haus stilgerecht renoviert, wie die Programmdirektorin des «White City Centers», Sharon Golan Yaron, sagt. Bei mehreren Workshops hätten insgesamt rund 90 Handwerker und Lehrlinge aus Deutschland, wie Schreiner, Verputzer und Experten für Terrazzo-Böden, gemeinsam mit Israelis an dem Gebäude gearbeitet. «Das ist sehr wichtig, weil man fast sagen kann, dass es ein deutsches Erbe ist, was sich hier weiterentwickelt hat», sagt die deutsch-israelische Architektin.

Sie verweist bei der Weiterentwicklung des internationalen Stils in Tel Aviv auf das Klima: große Balkone, Flachdächer, ein ausgetüfteltes Belüftungssystem, um die Meeresbrise durch die Gebäude zu leiten, gedeckte Wandfarben innen, um die grelle Mittelmeersonne abzuschwächen.

Ausstellung und Café im Liebling-Haus

Künftig wird es im Liebling-Haus eine Ausstellung geben, die über den internationalen Stil in Tel Aviv informiert. Dazu kommen unter anderem ein Café, eine Galerie für zeitgenössische Interpretationen von Stadt und ein Studio für Kinder. «Das Liebling-Haus ist ein One-Stop-Shop, ein Gebäude, in dem man eigentlich alle Aspekte der Weißen Stadt besprechen sollte, es ist eine Plattform für Dialoge», sagt Golan Yaron über das Konzept.

Bereits seit 2015 wurden die verwendeten Baustoffe im Liebling-Haus untersucht und Seminare angeboten, Schulklassen zum Thema Architektur unterrichtet, ein Audio-Guide erklärte das Gebäude und präsentierte Geschichten der früheren Hausbewohner. Im vergangenen Jahr begann die rund 2,3 Millionen Euro teure Renovierung des Hauses, finanziert von der Stadt als Eigentümerin, wie Golan Yaron sagt.

Ronny Schüler , Architektur-Historiker an der Bauhaus-Universität in Weimar, betont, dass es sich in Tel Aviv nicht - wie oft behauptet - um eine große Ansammlung von Bauhausbauten handelt. Dies sei eine Art Werbespruch etwa für den Tourismus, aber wissenschaftlich nicht haltbar, sagt Schüler. Nur rund ein Dutzend der Häuser seien wirklich von Schülern des Bauhauses aus Deutschland entworfen worden.

Bürger identifizieren sich mit der Architektur

Allerdings hält er die Unesco-Welterbe-Auszeichnung für absolut gerechtfertigt. Entscheidend sei dabei nicht die Qualität einzelner Häuser, sondern die schlichte Masse, sagt er. «Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt, dass sich ein ganzes Volk mit dieser Architektur identifiziert. Im damaligen Palästina hat das Identität gestiftet, den Juden das Gefühl gegeben, dass sie hier wirklich eine neue Gesellschaft aufbauen.»

Golan Yaron betont, dass es im «White City Center» auch stark um die Bürger der Stadt geht. «Wir wollen, dass man auch in die Zukunft schaut und nicht nur in die Geschichte, das Interessante an der Weißen Stadt - oder Tel Aviv - ist, dass wir Denkmalschutz Hand in Hand mit Stadtentwicklung machen.» Die von der Unesco zum Welterbe erklärten Häuser befänden sich fast alle in Privatbesitz. Schätzungsweise rund zwei Drittel der Häuser seien renovierungsbedürftig. Viele Eigentümer finanzieren eine Sanierung durch die Aufstockung ihres Hauses um ein oder zwei Stockwerke.

Das Bundesbauministerium unterstützt das Programm des Zentrums von 2014 bis 2025 mit insgesamt rund drei Millionen Euro. Staatssekretär Marco Wanderwitz sagt: «Es geht um unsere gemeinsame historische und baukulturelle Vergangenheit, die sich auch in der Weißen Stadt Tel Aviv manifestiert.» Die Weiße Stadt habe eine herausragende architekturgeschichtliche Bedeutung. Einige der vertriebenen Architekten hätten am Bauhaus studiert. «Das Projekt soll dazu beitragen, einen angemessenen Umgang für diesen einzigartigen Bestand zu finden.»

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
11:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Architekten und Baumeister Bauhaus-Universität Weimar Denkmalschutz Gebäude Häuser Internationalität und Globalität Juden Marco Wanderwitz Palästina Personen aus Israel Schülerinnen und Schüler Stadtentwicklung UNESCO
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kapselhotel „area24|7“

02.03.2020

Erstes Kapselhotel soll Ableger bekommen

Ein wenig ist es so, als werde man im Raumschiff in den Schlaf gebeamt: Im Kapselhotel schläft es sich äußerst futuristisch und auf kleinstem Raum. Das Angebot soll nun ausgebaut werden - es ist nicht die einzige ungewöh... » mehr

Gori

09.07.2020

Von Ochsenaugen und Pilzdächer

Maurischer Stil, Brutalismus und Moderne: Wer glaubt, in Georgien empfangen einen nur Plattenbauten aus Sowjetzeiten, der täuscht sich. Das Land bietet eine Vielfalt architektonischer Denkmäler. » mehr

Musée Mer Marine

05.03.2020

Ein Trip in die Weinmetropole Bordeaux

Durch weltbekannte Weine ist Bordeaux seit jeher in aller Munde. Zum Reise-Trendziel hat sich die Stadt in Frankreichs Südwesten aber erst jüngst entwickelt - weil sie Klassik und Coolness verbindet. » mehr

Ostsee - Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

02.07.2020

Nordsee vs. Ostsee: Was Urlauber an die Küsten zieht

Millionen Urlauber in Deutschland fahren jedes Jahr ans Meer. Doch Küste ist nicht gleich Küste. Wer es mild und romantisch mag, bevorzugt die Ostsee. Wilder und rauer geht es hingegen an der Nordsee zu. » mehr

Großer Lenkstein

24.06.2020

Österreichs ursprüngliche Alpentäler

Die Alpen warten: Ab Mitte Juni wird Urlaub in Österreich wieder möglich sein - aber wohl abseits großer Menschenaufläufe. In diesen idyllischen Tälern entgehen Erholungssuchende den Massen. » mehr

Espresso in Leslieville

02.07.2019

Wo Toronto pulsiert

Toronto ist Kanadas angesagte Multikulti-Metropole. Die Stadt zählt 140 Viertel. Diese fünf sind besonders sehenswert. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
11:04 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.