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Ansturm auf wilde Tiere und Geysire im Yellowstone

Im Yellowstone-Nationalpark können Besucher gewaltige Geysire, Grizzlybären und Bisonherden sehen. Aber auch Tausende andere Urlauber. Wer hier für sich sein möchte, muss früh aufstehen.



Wie aus dem Bilderbuch
Im Hayden Valley im Yellowstone-Nationalpark lassen sich oft große Bisonherden beobachten. Foto: Christian Röwekamp   Foto: dpa » zu den Bildern

Nichts geht mehr auf dem Highway durch das Hayden Valley. Eine Herde Bisons überquert die Straße. Bald staut sich der Verkehr in alle Richtungen. Es dauert gut 20 Minuten, bis die etwa 80 Tiere die Fahrbahn ganz gemächlich überquert haben.

Vor 100 Jahren waren die Amerikanischen Bisons fast ausgerottet, hier im Yellowstone-Nationalpark aber leben sie frei. Nicht alle Fotografen halten die empfohlenen 25 Meter Sicherheitsabstand zu den massigen, wilden Rindern ein. Dafür haben sie bereits um 7.20 Uhr den ersten Höhepunkt des Tages auf der Speicherkarte der Kamera.

Volle Straßen schon am frühen Morgen

Wie an jedem Tag im Sommer sind so viele Frühaufsteher unterwegs, dass sich die Fahrt durch das Hayden Valley fast so anfühlt wie städtischer Berufsverkehr. Das hat drei Gründe.

Erstens sind früh am Morgen, ebenso wie am späten Nachmittag, die Chancen besonders groß, Elche, Grizzlybären und Bisons zu sichten. Zweitens sind die Wege weit zwischen den größten Attraktionen im ältesten Nationalpark der Welt. Drittens ist der Frühstart im Hotel oder auf dem Campingplatz auch der Versuch, vor den vielen anderen Reisenden an den heißen Quellen und Geysiren anzukommen.

Seit einigen Jahren schießen die Besucherzahlen vieler Nationalparks in den USA steil in die Höhe, auch in Yellowstone war das zuletzt so. In jedem Jahr seit 2015 wurden hier mehr als vier Millionen Gäste gezählt. Eine Marke, die Yellowstone niemals zuvor erreicht hatte.

Wandern statt Auto fahren

Der größer gewordene Touristenansturm auf Tiere und Geysire hat bisher nicht dazu geführt, dass der National Park Service (NPS) den Zugang zum Park erschwert. Einstweilen versucht der Park, die Touristenströme mit Empfehlungen zu steuern. Ein guter Tipp sei etwa, nicht nur im Auto von einem Geysir zum anderen zu fahren, sondern auf gekennzeichneten Wegen auch mal Wanderungen zu unternehmen, sagt Parksprecherin Linda Veress. «Selbst wenn man sich nur wenig von den Straßen entfernt, ist das gleich eine ganz andere Erfahrung.»

Um lange Autofahrten kommen Yellowstone-Besucher trotzdem kaum herum. Von den heißen Quellen in Mammoth Hot Springs im Norden des Nationalparks zum Geysir Old Faithful beträgt die Fahrtzeit eine Stunde und 25 Minuten - ohne Bison-Staus.

Ideal ist es, im Wohnmobil oder Caravan anzureisen und einen der zwölf Campingplätze im Park zu nutzen. Viele der mehr als 2000 Stellplätze dort sind jedoch vor allem im Juli/August lange vorab reserviert, so dass Spontanreisende schlechte Karten haben.

Außerhalb des Parks gibt es zum Beispiel in Cody in Wyoming sowie in West Yellowstone und Gardiner in Montana zwar ebenfalls viele Übernachtungsmöglichkeiten. Doch kommt dann täglich eine längere Anfahrt in den Park hinein dazu.

Grand Loop Road mit vielen Attraktionen

Viele Hauptattraktionen in Yellowstone liegen nahe der Grand Loop Road, die auf der Landkarte ungefähr die Form der Ziffer Acht annimmt. Viele Besucher konzentrieren sich einen Tag lang auf den südlichen Ring dieser Acht und am Tag darauf auf den nördlichen Teil. Alle Wege scheinen zum Old-Faithful-Geysir zu führen.

Der Bison-Stau im Hayden Valley hat sich inzwischen aufgelöst. Wenig später ist der Grand Canyon of the Yellowstone erreicht, eine gut 300 Meter tiefe und 32 Kilometer lange Schlucht, die mit den 93 Meter hohen Lower Falls einen echten Hingucker-Wasserfall zu bieten hat.

Kostenlose Touren mit Experten

Der Parkplatz ist schon gut gefüllt, als Ranger Steve Cook um 9.00 Uhr mit dem Canyon Rim Walk beginnt - einer jener hochinteressanten Touren, die der NPS täglich kostenlos anbietet. Von Haus aus Geologe, versucht Cook seinen Begleitern nicht nur das zu erläutern, was sie sehen, sondern auch, was sie nicht sehen, weil es tief in der Erde liegt. Denn Yellowstone ist ein Hochplateau über einem Riesenvulkan, der zuletzt vor 640.000 Jahren ausgebrochen ist.

Unterhalb des Nationalparks zirkuliert Wasser in einem gigantischem System aus Rissen und Schächten. «Schnee und Regen versickern, werden irgendwann vom vulkanischen Brenner im Untergrund aufgeheizt und kommen wieder nach oben», erklärt Cook. Deshalb gibt es hier so viele Geysire, heiße Quellen und Tümpel.

Bekannteste Geysire liegen im Westen und Südwesten

Yellowstones bekannteste Geysire sind im Westen und Südwesten des Parks zu finden. Im Norris Geyser Basin liegt zum Beispiel der Steamboat Geyser, dessen Eruptionen gut 90 Meter messen können. So hoch schießt nirgendwo sonst auf der Welt heißes Wasser aus der Erde.

Zwar ist es unvorhersehbar, wann genau er ausbricht, denn manchmal kommt er auf weniger als zehn Eruptionen in 25 Jahren. Im Frühling 2018 aber hat Steamboat wieder eine aktivere Phase begonnen, allein im ersten Halbjahr 2019 wurden 25 Ausbrüche gezählt.

Und dann ist da noch Old Faithful, zu dem ja alle Wege führen. Im Schnitt etwa alle 90 Minuten schleudert der Geysir eine 30 bis 55 Meter hohe Fontäne aus bis zu 32.000 Liter kochendem Wasser Richtung Himmel. Riesige Parkplätze, mehrere Lodges, ein Besucherzentrum: Der «Alte Zuverlässige» wird touristisch maximal verwertet.

Am Tag darauf klingelt der Wecker wieder um 6.00 Uhr. Heute ist West Thumb das erste Ziel, eine Gruppe von Geysiren und heißen Quellen am Westufer des Yellowstone Lake. Und diesmal klappt es, vor den Massen da zu sein: Nur drei andere Fahrzeuge sind schon abgestellt, die Sonne giltzert über dem See, in der Kühle des Morgens steigt Dampf aus den Quellen. Stille liegt über den Holzstegen. Ungestört lässt sich die Natur genießen, zumindest für den Moment. Keine halbe Stunde später biegt der erste Reisebus auf den Parkplatz und öffnet die Tür.

Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
10:43 Uhr

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dpa

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23. 07. 2019
10:43 Uhr



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