Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Das Schutzgebiet Schwäbische Alb hat jetzt Ranger

Die Schwäbische Alb lockt immer mehr Touristen - doch nicht alle wissen sich zu benehmen. Im Biosphärengebiet achten nun zwei Ranger darauf, dass Wanderer die Naturschutzregeln einhalten.



Ranger im Biosphärenreservat
Daniel Schlemonat (l) und Steffen Schretzmann (M), beide Ranger im Biosphärenreservat Schwäbische Alb, geben Auskunft und sorgen für die Einhaltung der Naturschutzgesetze.   Foto: Sebastian Gollnow

Als Steffen Schretzmann und Daniel Schlemonat auf zwei Spaziergänger treffen, gibt es nichts zu monieren. Eine Frau und ein Mann laufen durch die Wacholderheide bei Gomadingen (Kreis Reutlingen).

Kein Problem an diesem Nachmittag. Es herrscht Handschuhwetter, Rauhreif hat Sträucher und Bäume eingepackt, vereinzelt funkeln Schneeflocken durch die Luft. Zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr könnte die Streckenwahl der Spaziergänger etwas störender ausfallen: etwa für Vögel, die dort ihre Eier ablegen. Außerdem lebten dort sehr viele Insektenarten, sagt Schretzmann.

Uracher Wasserfall ist Besuchermagnet

Schretzmann, 42, und Schlemonat, 32, arbeiten seit Oktober als Ranger im Biosphärengebiet Schwäbische Alb . Es umfasst 85.000 Hektar, Anteile aus drei Landkreisen, 29 Gemeinden, Wälder und Streuobstwiesen, Höhlen und Albtrauf. Ruhig geht es dort nicht immer zu. 2017 stieg die Zahl der Ankünfte von Touristen auf der gesamten Alb auf 2,5 Millionen, ein Zuwachs von mehr als 7 Prozent. Der Bad Uracher Wasserfall beispielsweise wirkt im Sommer magnetisch auf Besuchermassen. Batterien von Toiletten-Häuschen wurden auf den Parkplatz gekarrt, Bauern klagten, weil ihnen Leute die Äpfel von den Streuobstwiesen klauten.

An solchen Hotspots werden die Ranger an den Schönwetterwochenenden der Hauptsaison künftig präsent sein - und Besucher aufklären, warum ein Picknick mitten in der Orchideenwiese oder eine Mountainbike-Tour abseits ausgewiesener Wege schlechte Ideen sind. «Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, die beiden sind keine Sheriffs», sagt Geschäftsstellenleiter Achim Nagel. Außerdem sollen sie nicht nur auf die Einhaltung der Naturschutzgesetze pochen, sondern auch Auskunft geben - beispielsweise über den Namen eines bestimmten Felsen oder darüber, wo eine schmackhafte Einkehr zu erwarten ist.

10 Jahre Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Im Mai wird das Biosphärengebiet Schwäbische Alb zehn Jahre alt. 2008 wiesen das Land Baden-Württemberg und Partner aus Tourismus und Wirtschaft das Gebiet als Modellregion für nachhaltige Entwicklung aus. 2009 nahm es die Unesco als erstes im Südwesten in das Weltnetz der Biosphärenreservate auf. Ob sie die Auszeichnung entsprechend des vorgegebenen Turnus erneuert, entscheidet sich 2020. Seit Herbst läuft die Begutachtung.

«Ranger ist mein Traumberuf», schwärmt Schlemonat. Nach eigenem Bekunden hat er am liebsten den ganzen Tag Frischluft statt Zimmerwände vor der Nase. Davor hat der Forstwirtschaftsmeister Wälder für Kommunen betreut. Schretzmann ist Diplom-Forstwirt und hat unter anderem für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gearbeitet. Ihr neues Berufsbild der Landschaftshüter stammt aus den USA und hat dort eine weitaus längere Tradition. Laut Bundesverband Naturwacht war Harry Yount im Yellowstone-Nationalpark 1880 der erste.

Seine schwäbischen Nachfolger trotzen den rauen Winden auf der Alb in gewachsten Jacken und olivgrüner Outdoorbekleidung - wie ihre rund 500 Kollegen bundesweit. Mehr als 100 Biosphärenreservate, Nationalparks, Naturparks und Wildgebiete gibt es in Deutschland. Sie alle bündelt der Dachverband Europarc . Der Verein verantwortet auch, dass die Ranger zwischen Ostsee und Alpenrand ein einheitliches Bild abgeben und bei Lehrgängen eine einheitliche Ausbildung erfahren. Ein wenig Regionalidentität darf es dann aber schon sein. «Einen klassischen Rangerhut bekommen wir auch noch. Unserer soll an einen Schäferhut angelehnt sein», sagt Schretzmann.

Aufgaben der Alb-Ranger

Denn Aufgabe der beiden Alb-Ranger ist nicht nur, Regeln im Schutzgebiet aufzusagen. Einen Großteil ihrer Zeit nimmt Öffentlichkeitsarbeit in Anspruch. Schretzmann und Schlemonat repräsentieren ihren Arbeitgeber auf Messen, halten Vorträge, organisieren Infostände. In ihrem Tourtagebuch auf Facebook erzählen sie, wo sie Stieglitze beobachtet haben und welche Klamm auf der Alb der Fantasiewelt «Mittelerde» ihrer Ansicht nach am nächsten kommt. Die Ranger sollen dem abstrakten Label «Biosphärengebiet» ein Gesicht geben.

Auch den beiden Winter-Spaziergängern können die Ranger noch eine Botschaft mit auf den Weg geben. «Hochgehsprudelt» heißt nämlich die Rundtour, die sie entlanglaufen. Ob dieser Name jemanden am Glühweinstand eingefallen sei?, wundert sich die Frau. Ist er nicht. «Er weist auf die Quelle hin, die hier auf dem ehemaligen Vulkanschlot entspringt», erklärt ihr Schretzmann.

Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
17:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Biosphärenreservate Facebook Magnetismus Mountainbiketouren Naturschutzbund Deutschland Naturschutzgesetze Outdoor-Bekleidung Touristen UNESCO Wald und Waldgebiete Wanderer Wasserfälle Yellowstone-Nationalpark
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Traumhaft schön

30.03.2020

Wandern durch Värmland auf dem Fryksdalsleden

Der Fryksdalsleden in der schwedischen Region Värmland ist Jahrtausende alt und doch ganz neu: Auf der Wanderroute locken saftige Natur, uralte Kultstätten - und heimelige Unterkünfte. » mehr

Biosphärenpark Großes Walsertal

24.06.2020

Österreichs ursprüngliche Alpentäler

Die Alpen warten: Ab Mitte Juni wird Urlaub in Österreich wieder möglich sein - aber wohl abseits großer Menschenaufläufe. In diesen idyllischen Tälern entgehen Erholungssuchende den Massen. » mehr

Dummheiten im Urlaub

08.08.2019

Wenn Reisende ihren Verstand zuhause lassen

Die Füße in brodelnden Vulkangewässern, gewagte Ausflüge auf Gletscherzungen oder von Balkon zu Balkon springen? Manche Touristen lassen sich in den Ferien auf allzu gewagte Dinge ein. In den Urlaubsländern versucht man ... » mehr

Iguazú

05.11.2020

Iguazú vs. Victoriafälle: Welcher Wasserfall ist schöner? 

Welcher gigantische Wasserfall ist der schönste der Welt? Ins Rennen um den ersten Platz gehen die Victoriafälle in Afrika und Iguazú in Südamerika. Ein (subjektiver) Vergleich. » mehr

Wolf

20.03.2020

So begegnet man wilden Tieren

Wenn beim Wandern in Wald und Flur plötzlich Groß- oder Wildtiere den Weg kreuzen, kann einem das einen ganz schönen Schrecken versetzen. Doch Wegrennen ist nicht immer die beste Idee. Eine Verhaltens-Anleitung. » mehr

Elefanten-Schutz

25.11.2020

Thailand zwischen Elefanten-Shows und Elefanten-Schutz

Viele Elefanten in Thailand werden zur Bespaßung der Touristen eingesetzt. Sie tragen Ketten an den Füßen, werden geschlagen, erleiden furchtbare Qualen. Aber es gibt auch neue, tierfreundliche Ansätze. Eine Rolle spielt... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
17:23 Uhr



^