Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Wie bewährt sich das neue Pauschalreiserecht?

Wer nur ein Hotel bucht, bekommt trotzdem Insolvenzschutz wie bei einer Pauschalreise: Das bieten einige große Veranstalter wegen des neuen Reiserechts. Eine unsaubere Lösung, bemängeln Experten. Mancher Anbieter hat wieder einen Rückzieher gemacht.



Online buchen
Wer bei einem Veranstalter nur das Hotel bucht, bekommt den Rundum-Schutz der Pauschalreise - diese Praxis setzen einige Veranstalter auch nach Inkrafttreten des neuen Reiserechts fort.   Foto: Jens Kalaene » zu den Bildern

Urlaubsbuchungen im Internet sind seit einiger Zeit besser abgesichert: Seit dem vergangenen Sommer gilt in Deutschland ein neues Pauschalreiserecht.

Wenn einzelne Leistungen wie Flug und Hotel zu einer Reise gebündelt werden, muss das Online-Portal eine Insolvenzabsicherung vorlegen. Das Gleiche gilt für den Verkauf in einem Reisebüro. «Tatsächlich ist der ausgeweitete Insolvenzschutz insgesamt ein Plus für Urlauber», sagt der Reiserechtsexperte Prof. Ernst Führich aus Kempten.

Was nach wie vor gilt

Wie schon vor der Gesetzesnovelle gilt: Pauschalreisen, also von einem Veranstalter geschnürte Reisepakete zum Beispiel aus Flug, Hotel und Mietwagen, sind gut abgesichert. Urlauber bekommen bei Insolvenz des Veranstalters ihr Geld zurück, können bei Mängeln den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen.

Ebenfalls unverändert geblieben ist die Situation für Urlauber, die sich ihre Reisebausteine individuell zusammenstellen, also zum Beispiel ein Hotel auf den Kanaren über ein Internetportal und einen Flug dazu auf einer Airline-Website buchen. Kommt es hier zu Problemen, muss jeder selbst schauen, wie er zu seinem Recht kommt. Wenn die Fluggesellschaft wie im Fall Germania pleite geht, bleiben Reisende meist auf ihren Kosten sitzen.

Was ist neu?

Neu ist eine dritte Kategorie: die verbundene Reiseleistung. Diese Rechtsform sorgt auf der Seite der Veranstalter und Reisebüros nach wie vor für Rechtsunsicherheit. Die verbundene Reiseleistung entsteht, wenn ein Reisebüro oder Online-Portal einem Urlauber als Vermittler ein individuelles Reisepaket aus einzelnen Leistungen wie Flug und Hotel verkauft - und zwar binnen eines Tages. Macht jeder der Bausteine mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises aus, entsteht auch hier eine Pauschalreise. Und für die muss gesetzlich ein Sicherungsschein ausgestellt werden.

Hotelbuchungen als Pauschalreisen?

Als das neue Gesetz eingeführt wurde, sind einige Reiseveranstalter über diese gesetzliche Pflicht hinausgegangen: Sie versichern einzelne Hotelbuchungen als Pauschalreisen. Das wurde zuvor schon so gemacht, wie Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg bestätigt. Nun passiere das auf freiwilliger Basis.

Der Urlauber soll einen Vorteil haben: Sein angezahltes Geld ist im Fall einer Insolvenz abgesichert - auch wenn er nur ein Hotel beim Veranstalter bucht. Für dieses Konstrukt sieht Führich jedoch keine rechtliche Grundlage. «Zweifel hat im letzten Jahr deshalb auch das Justizministerium angemeldet», sagt der Experte, der als Sachverständiger am Gesetzgebungsverfahren beteiligt war.

In der Praxis problematisch

Das Problem: Pauschalreisen müssen eigentlich aus mindestens zwei Leistungen bestehen. Manche Veranstalter bedienen sich deshalb eines Tricks: Tui und DER Touristik mit den Marken Dertour, ADAC Reisen, Jahn Reisen und ITS kombinieren die einzelne Hotelbuchung mit einem Servicepaket, bestehend aus telefonischem Notfall-Dienst, digitalen Reiseführer und SMS-Assistenten. «Gewillkürte Pauschalreise» nennt Führich das - und hält diese Praxis für problematisch. Wie solche Fälle vor Gericht im Fall einer Veranstalterinsolvenz beurteilt würden, könne derzeit niemand sagen, so der Experte.

Die Insolvenz eines riesigen Reisekonzerns ist jedoch eher ein theoretisches Risiko, wie Fischer-Volk betont. Problematischer kann das Konzept bei kleineren Veranstaltern sein. Hier ist die Frage: Ist die Einzelbuchung tatsächlich durch einen Versicherer geschützt? Im Zweifel dort anrufen, rät die Juristin.

Saubere Lösungen

Rechtlich sauberer lösen etwa Schauinsland-Reisen, Bentour, Olimar, VTours, Traveltrex und Snowtrex die Situation. Sie legen einer gebuchten Einzelleistung freiwillig einen Garantieschein dazu, der über eine Deckung außerhalb des Pauschalreiseschutzes verfügt.

Einige große Veranstalter haben eine Kehrtwende vollzogen. Sie sind von dem künstlichen Aufpeppen von Einzelbuchungen zu Pauschalreisen ausgestiegen - Thomas Cook mit seinen Marken Thomas Cook Signature und Neckermann Reisen im August 2018. Auch FTI vertreibt einzelne Hotelbuchungen wieder ohne Insolvenzschutz. Weitere Veranstalter könnten folgen. Und Alltours etwa hat die Praxis nie eingeführt.

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
10:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Alltours Flugreisen GmbH Bereich Hotels DER Touristik Hotelreservierungen Insolvenzen Pauschalreisen Reisebüros Reiserecht Thomas Cook AG Urlauber Webportale
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
S'Illot an der Ostküste Mallorcas

18.06.2019

Rabatte auf Mallorca, Sparen in Tunesien

Wer jetzt noch nicht gebucht hat, ist spät dran - die Sommerferien stehen kurz bevor. Für den spontanen Urlaub im Süden halten aber alle großen Veranstalter noch Angebote bereit. Ein Überblick. » mehr

Torsten Kirstges

02.07.2019

Welcher Reiseveranstalter passt zu mir?

Mit der Tui oder Thomas Cook kommen Urlauber in die halbe Welt. Doch wann ist ein kleiner Spezialveranstalter die bessere Wahl? » mehr

Nachhaltiges Fortbewegungsmittel Fahrrad

27.08.2019

Wie nachhaltig ist das Angebot großer Reiseveranstalter?

Reisen und Umweltschutz passen oft nicht gut zusammen. Jetzt reagieren auch die Veranstalter: Sie sind auf vielfältigen Wegen um Nachhaltigkeit bemüht. Doch das Engagement hat Grenzen. » mehr

Besserer Schutz

22.06.2018

Was das neue Reiserecht bringt

Ab 1. Juli gilt in Deutschland ein neues Pauschalreiserecht. Damit sollen Online-Buchungen besser abgesichert werden. Der Urlauber bekommt mehr Insolvenzschutz und Informationen. Große Veranstalter weiten ihren «Vollkask... » mehr

Ernst Führich

21.05.2018

Was das neue Reiserecht bringt

Ab 1. Juli gilt in Deutschland ein neues Pauschalreiserecht. Damit sollen Online-Buchungen besser abgesichert werden. Der Urlauber bekommt mehr Insolvenzschutz und Informationen. Und die Veranstalter weiten ihren «Vollka... » mehr

Chiara L. und Kevin H.

26.09.2019

Hotels machen Touristen nach Cook-Pleite Druck

Die Thomas-Cook-Pleite hat Hunderte Urlauber kalt erwischt. Über Nacht wurde der Flugverkehr eingestellt, viele strandeten an Airports. Nun erleben auch in den Hotels viele Touristen einen Alptraum. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
10:33 Uhr



^