Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Lehrer besucht Heimatländer seiner Schüler

30 Schüler, 22 Nationen, 14 Länder und ein Lehrer - das sind die Zutaten für einen außergewöhnlichen Reisebericht des Hamburger Lehrers Jan Kammann. Er hat die Heimatländer seiner Schüler besucht. Von seinen Erlebnissen erzählt er in «Ein deutsches Klassenzimmer».



Jan Kammann
Jan Kammann, Lehrer für Englisch und Geographie, bereiste während eines Sabbatjahrs die Heimatländer seiner Schüler und schrieb ein Buch darüber.   Foto: Axel Heimken

Etwas über die Wurzeln derer lernen, denen man täglich etwas beibringt. Diesen Rollentausch hat Jan Kammann vollzogen. Er unterrichtet Englisch und Geographie in einer internationalen Vorbereitungsklasse an der Europaschule im Hamburger Stadtteil Hamm.

In seinem Klassenzimmer versammeln sich Schüler aus mehr als zwanzig Nationen - aus Lebenswelten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Eines Tages fasst der 39-Jährige einen Entschluss: Er will mehr über ihre Herkunft wissen und kennenlernen, was bis vor Kurzem ihre Heimat war. Nach der Reise hat er seine Erlebnisse in einem Buch verarbeitet, das nun erscheint.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Weltreise kam ihm auf einer Fahrt nach Bulgarien. Eine Schülerin von Kammann sei nach den Ferien immer wieder Tage zu spät zum Unterricht erschienen. Als Grund habe sie angegeben, dass die Busverbindung in die bulgarische Hauptstadt Sofia so schlecht sei. Kammann wollte das überprüfen und setzte sich in einen Bus von Hamburg nach Bulgarien. Wie er am eigenen Leib erfuhr, habe seine Schülerin die Wahrheit gesagt. «Aber ich bin nicht nur dorthin gefahren, um sie zu kontrollieren, sondern in erster Linie aus Abenteuerlust und weil sie mir immer so vorgeschwärmt hatte von ihrem Heimatland», sagt Kammann. Auch in diesem Punkt habe seine Schülerin Recht behalten. Die Idee zur Weltreise sei dann auf der Rückfahrt nach Hamburg entstanden.

Während sich seine Schüler auf den mittleren Abschluss vorbereiteten, nahm sich Kammann 2016 ein Sabbatjahr. Der gebürtige Bremer, der seit seinem Zivildienst in Hamburg lebt, zog los und bereiste 14 der Länder, aus denen seine Schüler stammen, im Gepäck jede Menge Tipps, Adressen und Reiseempfehlungen. Unter anderem hat er den Alltag in Kuba, Nicaragua, Kolumbien, Südkorea, Russland, im Kosovo, Iran und in Ghana erlebt. In seinem Reisebericht erzählt er vom Lehrersein heute, wie ihn sein Reisejahr verändert hat und von der Welt, in der er selbst ein Jahr lang zum Schüler wurde. Während seiner Reise, bei der er teilweise von seiner Partnerin begleitet worden ist, berichtete er von unterwegs auch online in einem Blog .

«In meinem Buch geht es sowohl um die Vielfalt in der Welt, als auch die Vielfalt, die ich in meiner Hamburger Schule jeden Tag erlebe», sagt Kammann. Es gehe aber auch darum, was die Deutschen von der Welt lernen könnten, wenn sie einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen. Viele Stationen und Begegnungen hätten seinen Blick auf die Welt verändert, bilanziert der Lehrer seine Erfahrungen.

Als Geograph habe ihn im Besonderen die vielfältige Beschaffenheit der Erde beeindruckt, vor allem Nicaragua mit seiner breiten Artenvielfalt und einer Vielzahl aktiver Vulkane. Besonders prägend sei für ihn auch die Begegnung mit Sister Mary verlaufen, die in Ghana Kindern in Not hilft. Mit ihr zusammen war er mehrere Tage unterwegs. «Das war mitunter ziemlich intensiv und setzt mir bis heute zu», sagt Kammann, der selbst in wenigen Wochen Vater wird.

Seit seiner Reise versuche er in seinem Alltag in der Schule noch mehr als zuvor, jede Wertung zu vermeiden. «Kulturen sind verschieden, aber nicht besser oder schlechter», sagt Kammann. Mittlerweile hat er wieder neue Schüler aus anderen Ländern in seine Klasse bekommen. Viele könne er nun in ihrer Muttersprache begrüßen und sie mit Kenntnissen aus ihrem Heimatland überraschen. Er bemühe sich, die jungen Menschen so zu behandeln, als wären sie ganz normale Schüler. Denn er habe durch seine Reise verstanden, dass es genau das ist, was sie wollen.

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
10:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Lehrerinnen und Lehrer Nationen Reiseberichte Schüler Weltreisen Zutaten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Die Qual der Wahl

02.07.2019

Welcher Reiseveranstalter passt zu mir?

Mit der Tui oder Thomas Cook kommen Urlauber in die halbe Welt. Doch wann ist ein kleiner Spezialveranstalter die bessere Wahl? » mehr

Sabelo Maku und Sheila

25.07.2019

Food-Safari durch Kapstadt

Jeder Mensch muss essen - überall auf der Welt. Wer die Küche eines Landes kennenlernt, kommt der Kultur und den Menschen nahe. Eine kulinarische Sightseeing-Tour durch Kapstadt. » mehr

Klettergärten bei Aida

13.08.2019

Wie man das passende Kreuzfahrtschiff findet

Kreuzfahrten sind beliebt. Doch jede Fahrt ist anders: Von Flusskreuzfahrt bis Hochsee, von Expedition bis Städtetour - das Angebot ist breit. Wie findet man sich da zurecht? » mehr

Matt Green in New York

13.12.2018

Ein Mann erkundet New York zu Fuß

In einer Metropole voller Getriebener versucht sich Matt Green am Gegenentwurf: Er läuft ganz New York zu Fuß ab, bis in die hinterste Ecke und zur letzten Brache. Anders als Pilger und Rekordläufer hat er kein höheres Z... » mehr

Rabatte für Frühbucher

27.09.2018

So viel Zeit bleibt Reisenden für Frühbucherangebote

Frühbucherpreise sind etwas für Leute, die schon zwölf Monate im Voraus ihren Jahresurlaub planen? Nicht unbedingt. Die großen Reiseveranstalter machen ganz verschiedene Angebote mit hohen Abschlägen - teilweise noch wen... » mehr

Türkei auf der ITB

07.03.2018

Traumstart ins Sommerreisegeschäft 2018

Die Türkei feiert ein Comeback, Griechenland ist gefragt - das Geschäft mit den schönsten Wochen des Jahres läuft auf Hochtouren. Der Boom hat aber auch Schattenseiten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
10:48 Uhr



^