Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Städte schränken Airbnb und Co. immer mehr ein

Privatunterkünfte von Airbnb und Co. sind bei Urlaubern beliebt. Und bei vielen Hotels und Anwohnern in Großstädten verhasst. Der Vorwurf: Ferienwohnungen für Touristen treiben die Mietpreise in die Höhe. Viele Metropolen haben reagiert. Was Reisende wissen müssen.



Städte schieben Airbnb einen Riegel vor
Beliebte Touristenstädte in Europa leiden darunter, dass viele Wohnungen an Urlauber statt an Einheimische vermietet werden - und schieben vermehrt einen Riegel vor.    Foto: Christin Klose

Das große Versprechen von Airbnb lautet: Urlaub machen wie ein Einheimischer, günstiger und persönlicher als in einem Hotel. Das spricht viele Reisende an.

Heute finden Gäste bei Airbnb noch immer kleine charmante Privatunterkünfte, doch die Angebote haben sich zunehmend professionalisiert. Große gewerbliche Anbieter sind vertreten, und längst nicht alle Inserate sind günstig. Airbnb will in Zukunft sogar bewusst auf Luxus setzen, etwa mit «Airbnb Plus».

Airbnb ist ein großer, aber nicht der einzige Vermittler von privaten Ferienunterkünften - und die werden in vielen Städten zunehmend zum Problem. Nicht nur Hoteliers protestieren, auch die Anwohner. Denn die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen treibt die Mietpreise in die Höhe. Daher haben viele besonders beliebte Touristenstädte mittlerweile Einschränkungen für Airbnb, Wimdu und Co. durchgesetzt. Es geht vor allem um die Vermietung ganzer Wohnungen, einzelne Gästezimmer sind weniger das Problem.

Hier eine Übersicht mit bedeutenden Beispielen:

- Berlin: Die deutsche Hauptstadt hat im Februar 2018 die Regeln für die sogenannte Zweckentfremdung von Wohnraum verschärft. Einer Sprecherin der Stadt zufolge ist das Ziel, Wohnraum vor Missbrauch zu schützen. Wer eine ganze Wohnung anbieten will, muss das vorher der Stadt melden und sich die Vermietung genehmigen lassen. Gastgeber bekommen dann eine Registrierungsnummer, die sie bei ihren Inseraten angeben müssen. Kontrollen sollen so leichter werden. Für Reisende hat das auch einen Vorteil: Sie können schnell feststellen, ob eine Unterkunft legal oder illegal vermietet wird.

- Amsterdam: Die niederländische Stadt greift künftig noch härter gegen die Zweckentfremdung von Wohnungen durch als bisher. Ab 2019 darf eine Wohnung nur noch an höchstens 30 Tagen im Jahr an Touristen vermietet werden. Das derzeitige Limit sind 60 Tage. Zwischen 2013 und 2017 war die Zahl der Touristenwohnungen von 4500 auf 22 000 gestiegen. Die Stadt will den Druck auf einige besonders betroffene Stadtviertel durch die strenge Regelung verringern. Amsterdam ist eine der beliebtesten Metropolen Europas.

- London: Im Großraum der britischen Weltstadt gibt es ebenfalls Regeln zur Kurzzeitvermietung ganzer Wohnungen. Mehr als 90 Tage dürfen es pro Kalenderjahr nicht sein. Eine Vermietung über einen längeren Zeitraum ist nur möglich, wenn sich die Gastgeber eine Genehmigung dafür besorgen. Auf Airbnb gibt es zudem automatische Begrenzungen für Gastgeber, die dabei helfen sollen, die Regeln durchzusetzen. Sind die 90 Tage voll, ist der Kalender des Gastgebers blockiert. Neue Buchungen sind dann nicht mehr möglich.

- Paris: Paris hat am 1. Januar 2018 ein Limit von 120 Tagen pro Jahr für die Vermietung gesamter Wohnungen eingeführt. Das betrifft die zentralen Innenstadtbezirke 1. bis 4. Arrondissement. Wenn die Tage abgelaufen sind, wird der Kalender des Gastgebers blockiert. Die Wohnung kann nicht mehr über die Plattform vermietet werden.

Seit Dezember 2017 müssen sich Gastgeber bei der Stadt anmelden, sie erhalten eine Registrierungsnummer. Doch viele Anbieter halten sich nicht daran. Paris wirft Airbnb vor, die Regeln für die kurzzeitige Vermietung möblierter Wohnräume an Touristen nicht einzuhalten. In fünf Jahren habe Paris 20 000 Mietwohnungen verloren, die meisten davon seien in Ferienwohnungen umgewandelt worden, so die Stadt. Wer bei der Buchung sichergehen will, kann die Anzeige nach der Nummer prüfen oder direkt beim Gastgeber danach fragen.

- Palma de Mallorca: In der Inselhauptstadt ist die Lage angespannt. In Palma sind die Mieten innerhalb von fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen, auch wegen Plattformen wie Airbnb. Palma geht deshalb nun streng gegen Kurzzeitvermietungen vor. Im Stadtgebiet dürfen ganze Wohnungen gar nicht mehr an Touristen vermietet werden. Auch für Einfamilienhäuser gibt es nun Regeln: In Palma dürfen diese nur noch vermietet werden, wenn sie nicht auf geschütztem ländlichem Boden, oder wenn sie in Flughafennähe oder in Gewerbegebieten stehen.

- New York: Auch am Big Apple gibt es Regeln für die zeitweise Vermietung von Wohnungen an Urlauber. In Mehrfamilienhäusern dürfen Wohnungen laut Gesetz nicht für einen Zeitraum von mehr als 30 Tagen vermietet werden, wenn der Gastgeber nicht anwesend ist. Außerdem sollen solche Vermietungen dem Zweck einer dauerhaften Bewohnung dienen. Das widerspricht der Nutzung durch Touristen. Wohnt der Gastgeber jedoch in der Wohnung, gibt es keine Einschränkungen.

In einem solchen Fall kann es jedoch sein, dass Zonierungs-Regeln oder Hausordnungen die Untervermietung dennoch verbieten. Auch hier ist es am besten, beim Gastgeber nachzufragen. Bei Airbnb gibt es in New York zusätzlich die Regel «Ein Gastgeber, ein Zuhause». Das heißt, dass ein Gastgeber auf der Plattform nur eine Unterkunft anbieten darf. Dies betrifft hauptsächlich Privatvermieter.

Es ist davon auszugehen, dass die Regeln der Städte oft noch nicht eingehalten werden, siehe Paris. Doch was droht Urlaubern, wenn sie unwissentlich in einer illegal vermieteten Privatunterkunft landen?

Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover erklärt, dass es vorrangig die Aufgabe der Gastgeber sei, sich um die Einhaltung der Vorschriften zu kümmern. Konsequenzen für Reisende - also etwa die Räumung - hält er für wenig wahrscheinlich. Allerdings könne man dies nicht völlig ausschließen. In einem solchen Fall können Reisende jedoch Ansprüche gegenüber dem Gastgeber geltend machen. Wer sichergehen will, sollte sich laut Degott vorab beim Gastgeber erkundigen, ob er eine Lizenz zur Vermietung hat.

Veröffentlicht am:
31. 07. 2018
04:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Großstädte Hass Illegalität Mietpreise Reisende Senat von Berlin Touristen Urlauber Vermietung Wohnbereiche Wohnungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Reges Treiben am Skogafoss

10.10.2019

Wie Island den Tourismus bändigt

Island ist für manche Naturliebhaber das schönste Land der Erde. Die Zahl der Touristen hat sich in nur acht Jahren fast verfünffacht. Droht der Insel die Überfüllung? Die Isländer haben einen Plan. » mehr

Dorfplatz von Aguas Caliente

08.08.2019

Von wegen Zauber der Inka: Massentourismus in Machu Picchu

Machu Picchu hat ein Problem mit den Besuchermassen. Sogar ein neuer Flughafen soll in der Nähe entstehen. Der Status als Welterbe ist bedroht. Wie viel Magie versprüht die Inkastadt noch? » mehr

Seelöwen in San Francisco

17.01.2020

Seelöwen begeistern seit 30 Jahren Gäste in San Francisco

Das laute Bellen hört man schon von Weitem, dann der Gestank: Die Seelöwen am Pier 39 locken jedes Jahr Millionen Schaulustige an, nun schon seit 30 Jahren. Das Jubiläum wird groß gefeiert. » mehr

Paul Degott

31.12.2019

Wie sicher ist die Pauschalreise?

Die Thomas-Cook-Pleite war ein Schlag ins Gesicht vieler Urlauber: Die Reise abgesagt, das Geld erstmal weg. Dabei galten Pauschalreisen stets als sicher. Stimmt das noch zum Start ins Reisejahr 2020? » mehr

Rotweinflaschen vom Weingut Neferis

16.01.2020

Tunesien lockt neue Urlauber - mit einer Weinstraße

Tunesien gilt als Inbegriff für Pauschalurlaub in abgeschirmten Hotels. Das muslimische Land will aber schon lange eine andere Art von Tourismus. Ausgerechnet Wein soll jetzt dabei helfen. » mehr

Buschbrände in Australien

10.01.2020

Down Under baut trotz Feuers auf Tourismus

Verbrannte Erde und Menschen auf der Flucht: Die aktuellen Bilder aus Australien taugen nicht so Recht als Werbung für ein Urlaubsziel. Kommen die Touristen dennoch? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
31. 07. 2018
04:37 Uhr



^