Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

So erhalten Urlauber Hilfe vom Konsulat

Bei einem Unfall oder Diebstahl kann aus dem schönen Urlaub ein Alptraum werden. Ohne Pass oder Geld in einem fremden Land sind Touristen in einer Notlage. Deutsche Auslandsvertretungen können hier weiterhelfen - allerdings nur in bestimmten Fällen.



Deutsches Generalkonsulat  in Barcelona
Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Barcelona in Spanien: Deutsche Reisende im Ausland können konsularische Hilfe in Anspruch nehmen - doch die Grenzen sind eng gesteckt.   Foto: Jens Kalaene/dpa-tmn

Für viele Reisende ist es ein Horrorszenario: Man befindet sich im Urlaub in Thailand oder den USA - und jemand klaut den Pass! Man steht ohne Ausweis da und darf das Land nicht mehr verlassen.

Wenn im Ausland etwas schiefgeht, können die deutschen Auslandsvertretungen sogenannte konsularische Hilfe leisten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) geschieht das jedes Jahr in rund 65.000 bis 70.000 Fällen.

Vor allem in touristisch beliebten Zielen haben die Botschaften und Konsulate viel zu tun. Das AA erklärt auf seiner Webseite: «Die Vertretungen können und dürfen die innerdeutschen Behörden nicht ersetzen; sie sind auch keine Filialen deutscher Reisebüros oder deutscher Banken.»

In welchem Rahmen die Mitarbeiter vor Ort tatsächlich helfen dürfen, ist im Konsulargesetz geregelt. Internationales Recht und die Gesetze des jeweiligen Staates sind ebenfalls zu beachten. Konsularische Hilfe könne man als «Hilfe zur Selbsthilfe» verstehen, ordnet der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover ein.

Wenn ein Reisender seinen Pass verliert oder dieser gestohlen wurde, kann die deutsche Auslandsvertretung ein Ersatzdokument ausstellen. Damit wird Reisenden die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht. Die Vertretungen können laut Konsulargesetz jedoch keinen Ersatz für Führerscheine oder Personalausweise ausstellen.

Wenn Reisende nach einem Diebstahl mittellos ohne Geld dastehen, können Botschaften und Konsulate ebenso helfen. Die Mitarbeiter vermitteln dann Kontaktmöglichkeiten nach Hause. Die Ortskenntnisse der Vertretungen helfen auch dabei, den Reisenden Mittel und Wege zu schnellen Überweisungen aufzuzeigen, damit sie wieder an Geld kommen. In Ländern, in denen dies nicht möglich ist, darf Geld von der sogenannten Legationskasse des Bundes an die Auslandsvertretung überwiesen werden, was ein bis zwei Tage dauert.

Wer jetzt darauf hofft, dass eine Botschaft Hotelschulden, Bußgelder oder einen Krankenhausbesuch bezahlt, der irrt. Wer seine Reise wegen Geldverlust nicht mehr fortsetzen kann, darf ebenfalls nicht auf Hilfe hoffen: Die deutschen Botschaften und Konsulate können die Weiterreise nicht finanzieren und nur in Ausnahmefällen finanzielle Hilfe leisten. Wichtig: Das Geld müssen Urlauber in jedem Fall zurückzahlen. Auch im Krankheitsfall dürfen nur Kontakte zu Fachpersonal vermittelt werden, aber keine Zahlungen fließen.

Werden Reisende im Ausland festgenommen oder in ein Gerichtsverfahren verwickelt, dürfen die Auslandsvertretungen per Gesetz ebenfalls nur in bestimmtem Maße helfen. Sie können zum Beispiel nicht in laufende Gerichtsverfahren eingreifen oder ausländischen Behörden Weisungen erteilen. Was allerdings möglich ist: den Betroffenen Anwälte oder Übersetzer vor Ort vermitteln. Auch dürfen die Mitarbeiter Angehörige verständigen und die Inhaftierten besuchen. Für sie als Anwalt tätig zu werden oder sie vor Gericht zu vertreten, ist nicht erlaubt.

Bei Vermisstenfällen können Konsularbeamte die örtliche Polizei einschalten und die Angehörigen dabei beraten, welche weiteren Möglichkeiten es gibt, nach den Personen zu suchen. Die Kosten von Such- und Rettungsaktionen werden aber nicht übernommen.

Im Katastrophenfall oder bei Unruhen im Reiseland helfen die Auslandsvertretungen bei der Ausreise aus den betroffenen Gebieten. Botschaften organisierten regelmäßig Evakuierungen, so Degott. «Die Botschaften konsultieren hierzu die Krisenvorsorgeliste, in die sich Reisende eintragen können und kontaktieren Reisende in der Region.» Diese würden dann beispielsweise gesammelt und mit Bussen in sichere Gebiete gebracht. Bei einer Evakuierung müssen Individualreisende entscheiden, ob sie teilnehmen wollen oder nicht - die Maßnahme ist freiwillig und muss selbst bezahlt werden.

Wer mit einem Reiseveranstalter unterwegs ist, bekommt auch ohne konsularische Hilfe Unterstützung in Notfällen. Bei Naturkatastrophen und Aufständen ist der Veranstalter in der Pflicht, den Reisenden zurück nach Deutschland zu bringen - ohne Mehrkosten.

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auswärtiges Amt Diebstahl Geld Konsulate Polizei Reisende Urlauber
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Abzocke am Flughafen vermeiden

19.07.2018

Wie Urlauber die Abzocke am Flughafen vermeiden

Der Ärger im Urlaub kann schon früh beginnen - auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel. An vielen Flughäfen lauern betrügerische Taxifahrer, die den ahnungslosen Reisenden dreist abzocken. Dabei ist es relativ einfach, den B... » mehr

Reisepass

24.05.2018

Welche Reisedokumente brauche ich für welches Land?

Reicht ein Personalausweis oder brauche ich einen Reisepass? Und wie sieht es mit einem Visum aus? Gibt es die Einreiseerlaubnis am Flughafen oder muss ich sie vorher beantragen? Ein Überblick. » mehr

Touristen

09.01.2018

Wie Reisende in Kuba nicht in die Falle tappen

Warum kauft jemand eine «echte» Rolex in Bangkok auf der Straße? Weshalb prüfen viele Urlauber ihre Rechnung nicht? Wer reingelegt wird, ist oft selbst schuld. Auf Kuba sind viele Tricks zwar besonders charmant - doch am... » mehr

Safe im Hotelzimmer

12.07.2018

Schutz vor Diebstahl im Hotel

Ferienzeit ist Einbruchzeit - das gilt auch im Urlaub im Hotel. Diebstahl aus dem Zimmer ist zwar selten, kommt aber immer wieder vor. Eine Versicherung schützt oft nicht. Was können Reisende tun? » mehr

Mit dem Kamel durch die Wüste

17.08.2017

Warum Urlauber das Abenteuer suchen

Je exotischer, desto besser: Das ist wohl das Motto von Abenteuerreisenden. Statt am Strand in der Sonne zu entspannen, begeben sich manche Urlauber lieber auf anstrengende Expeditionen in unbekannte Länder - aber warum? » mehr

Tschad

12.07.2018

Was Reisen in Krisengebiete ausmacht

Afghanistan statt Adria? Viele Menschen legen sich in den Ferien an den Strand oder gehen wandern. Doch manchen reicht das nicht: Um ein Abenteuer zu erleben oder auch aus Neugier reisen sie sogar in Krisengebiete. Wenn ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".