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Warum die Preise bei Norwegian Cruise Line gestiegen sind

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten wächst und wächst - und damit steigen auch die Preise. Bei Norwegian Cruise Line (NCL) waren es 50 Prozent in zwei Jahren. Über die Gründe spricht der Europa-Chef im Interview und erklärt, warum die Reederei 2019 keine Fahrten ab Hamburg bietet.



Kevin Bubolz
Kevin Bubolz ist Vice President und Managing Director für NCL Europe.   Foto: Norwegian Cruise Line

Hochwertigere Lebensmittel, renovierte Schiffe und viele Neubauten: Norwegian Cruise Line sieht sich immer stärker als Premium-Reederei. In Kombination mit einer weltweit starken Nachfrage führt das auch zu deutlich steigenden Preisen.

Im Interview erklärt Kevin Bubolz, der neue Europa-Chef der Reederei, die Hintergründe dieser Entwicklung.

Was sind derzeit bei Kunden von Norwegian Cruise Line aus Deutschland die beliebtesten Fahrtgebiete?

Bubolz: Über alle Reedereien betrachtet fahren die Deutschen ja zu rund 75 Prozent in Europa. Bei uns sind über 50 Prozent der Deutschen außerhalb Europas unterwegs. Sehr stark waren im vergangenen Jahr Asien und Australien. Innerhalb Europas sind weiterhin Nordeuropa-Fahrten besonders populär.

Wie sieht es mit der Buchungslage aus Deutschland aus?

Bubolz: Wir sind zufrieden. Es gibt weiterhin Umsatzwachstum, das ist aber zu einem Teil auch durch die gestiegenen Preise entstanden, aufgrund der gestiegenen weltweiten Nachfrage. Bedingt dadurch, wachsen wir aktuell beim Umsatz stärker als bei den Passagierzahlen. Wir stabilisieren uns gerade in dieser neuen Welt, wo die Preise weiter gestiegen sind, wo wir jetzt aber auch ins Produkt investiert haben. Wir sind jetzt deutlich hochwertiger als noch vor drei Jahren. Wir investieren zum Beispiel deutlich mehr in den Einkauf von Lebensmitteln, wir haben alle Schiffe teils von Grund auf renoviert und konnten uns unter anderem durch diese Investitionen erfolgreich im Premiumsegment positionieren.

Wie hoch war das Preiswachstum?

Bubolz: Wir hatten in den vergangenen Jahren ein Wachstum von rund 50 Prozent. Da spielt natürlich die Einführung von Premium All Inclusive eine große Rolle. Damit sind viele essenzielle Komponenten einer Kreuzfahrt bereits im Reisepreis inbegriffen, wie beispielsweise viele Getränke sowie alle Trinkgelder. Der Preisanstieg ist vor allem aber auch der starken weltweiten Nachfrage geschuldet.

Ist das für den deutschen Markt ein Problem? Bei anderen Reedereien ist der Preisanstieg ja nicht so stark.

Bubolz: Das ist erklärungsbedürftig, gerade wenn uns Leute von noch vor drei Jahren kennen, als wir noch deutlich günstiger unterwegs waren. Da ist die Frage, warum soll ich denn jetzt plötzlich so viel mehr bezahlen? Unser Hauptargument ist Premium All Inclusive, und viele unserer Gäste schätzen das Produkt und entscheiden sich unter anderem deswegen bewusst für uns. Es gibt natürlich trotzdem Leute, die sagen, Reederei XY ist billiger, und entscheiden sich dann gegen uns. Andere Reedereien sind aber eben nur in einem Land oder einer Region aktiv und können den Gästen auch nicht unsere internationale Routenvielfalt bieten. Dadurch können sie aber auch etwas preisaggressiver sein. Wir wollen jedoch mit unserem Produkt bewusst die Gäste ansprechen, die Premium-Qualität schätzen und bereit sind, dafür auch etwas mehr auszugeben. In den kommenden Jahren wollen wir aber natürlich auch wieder ein Passagierwachstum erreichen in Deutschland und sehen hier auch schon sehr positive Tendenzen.

Wo sehen Sie da die Stellschrauben?

Bubolz: Wir müssen vor allem an unserer Markenbotschaft arbeiten, vielleicht etwas klarer kommunizieren, was die Vorzüge sind, was uns abgrenzt von anderen. Was aber jetzt schon feststeht: Wir müssen wieder stärker die typischen Tugenden in den Vordergrund stellen. Zum Beispiel in Sachen Essen: Da wird mir regelmäßig gesagt, dass wir deutlich besser sind als die Wettbewerber. Oder auch die Servicequalität. Und: Norwegian Cruise Line ist ein internationales Produkt. Ich persönlich mag das viel lieber, das ist einfach schön, wenn sich die Nationalitäten an Bord mischen. Und so geht es auch den deutschen Gäste an Bord unserer Schiffe: Sie wollen bei ihren Reisen andere Kulturen und Menschen kennenlernen und eben nicht auf einem Schiff sein, das voll mit Deutschen ist.

Aber viele Deutsche wollen ja genau das - ein Schiff, auf dem sie zum Beispiel Deutsch sprechen können.

Bubolz: Das kann durchaus auf einen Großteil zutreffen. Wenn man sich den deutschen Kreuzfahrtmarkt anschaut, sind rund drei Viertel auf deutschen Schiffen unterwegs. Der Markt für uns ist aber groß genug. Wir bieten auf unseren Schiffen einen deutschsprachigen Gästeservice an für die, die Hilfestellung benötigen. Trotzdem sind unsere Schiffe international geprägt. Deshalb wollen wir auch nicht, dass die Leute mit falschen Vorstellungen an Bord kommen. Dafür brauchen wir auch gute Reisebüros, die gut beraten. Wenn die Gäste aber mit der richtigen Einstellung an Bord kommen, lassen wir sie auf keinen Fall allein. Es sind immer mehrere deutschsprachige Leute an Bord, und man bekommt beispielsweise Speisekarten und das tägliche Bordprogramm auf Deutsch.

Mit wie vielen Schiffen sind Sie derzeit in Europa vertreten?

Bubolz: Wir haben 2018 und 2019 im Sommer fünf Schiffe in Europa, im Winter eins. Da fehlt uns nach wie vor das östliche Mittelmeer. Wir haben jetzt mit unserer Schwestermarke Regent Seven Seas mal angefangen zu schauen, wie die Akzeptanz ist, und bieten da einige Stopps in Kusadasi. Die Fahrten verkaufen sich gut, insofern könnte ich mir vorstellen, dass die Türkei irgendwann wieder ins Programm zurückkehrt.

2019 wird kein Norwegian-Cruise-Line-Schiff mehr ab Hamburg fahren. Dann ist Warnemünde der einzige deutsche Hafen. Warum?

Bubolz: Das lag hauptsächlich an der internationalen Anbindung. Ein Schiff in Hamburg hat für uns nicht die Hauptzielsetzung, vor allem Passagiere aus Deutschland anzulocken, sondern das Schiff wird vor allem von internationalen Passagieren gefüllt. Und da ist der Flughafen London mit seinen zahlreichen Verbindungen einfach besser angebunden als der in Hamburg - leider, aus unserer Sicht. Für uns bedeutet ein Schiff in Hamburg mehr Sichtbarkeit im Markt. Letztlich haben wir jedoch im Unternehmen leider zu wenige Schiffe gemessen an der globalen Nachfrage. Aber mal sehen, was noch kommt. Wenn die nächsten Schiffe jetzt kommen, werden wir vielleicht auch ein sechstes oder siebtes Schiff in Europa haben.

ZUR PERSON: Kevin Bubolz ist seit Frühjahr 2018 Vice President und Managing Director für NCL Europe. Damit ist er im Wesentlichen verantwortlich für Kontinentaleuropa und Skandinavien.

Veröffentlicht am:
04. 06. 2018
10:27 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 06. 2018
10:27 Uhr



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