Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Maas will Reisewarnung aufheben

Lange Zeit war Außenminister Maas skeptisch, was den Sommerurlaub im Ausland angeht. Jetzt gibt er seine Zurückhaltung auf. Der Urlaub am Mittelmeer soll irgendwie ermöglicht werden. Nur eins steht jetzt schon fest: Er wird ganz anders als bisher.



Bundesaußenminister Heiko Maas
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) strebt eine EU weite Öffnung der Grenzen für Touristen noch vor Sommerbeginn an.   Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Chancen auf Urlaub am Mittelmeer steigen: Bundesaußenminister Heiko Maas verständigte sich am Montag mit seinen Kollegen aus zehn der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen darauf, auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen bis zum Sommerbeginn hinzuarbeiten.

Bei einer Videokonferenz ging es darum, wie dafür die wegen der Corona-Pandemie angeordneten Grenzkontrollen und Quarantäneregeln aufgehoben werden können und die notwendige Hygiene an den Urlaubsorten gewährleistet werden kann.

Maas kündigte nach dem Treffen an, die noch bis zum 14. Juni weltweit geltende Reisewarnung für deutsche Touristen zunächst nur für die Europäische Union aufheben und durch individuelle Reisehinweise für die einzelnen Länder ersetzen zu wollen. Darin soll dann auf die unterschiedlichen Risiken aufmerksam gemacht werden. Auch über eine Aufhebung der Reisewarnung für einzelne Länder außerhalb der EU wird im Auswärtigen Amt bereits nachgedacht.

«Wir wollen Schritt für Schritt in die Normalisierung zurück», sagte Maas. Er betonte aber auch, dass der Sommerurlaub nicht so werden wird wie vor der Corona-Krise. «Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass es eine schnelle Rückkehr zu Business as usual geben kann.»

An der Videokonferenz nahmen Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien teil. Frankreich und die Schweiz fehlten, weil sie am Mittwoch bei einer weiteren Videokonferenz auf Einladung Maas' mit den Nachbarländern Deutschlands dabei sind. Österreich entschied sich als einziges Nachbarland, an beiden Konferenzen teilzunehmen.

Drei Zutaten für den Start in den Auslandsurlaub

Deutschland und Urlaubsländer haben noch ein Stück Arbeit vor sich, bevor der Startschuss für den Urlaub gegeben werden kann. Dafür sind drei Schritte nötig:

- Zunächst einmal müssen die Grenzen geöffnet werden. Für seine Nachbarländer will Deutschland das bis zum 15. Juni umsetzen - nur bei Tschechien und Polen ist unklar, wann es da zu einer Einigung kommen kann.

- Dann muss die in vielen Ländern noch geltende zweiwöchige Quarantänepflicht für einreisende Ausländer aufgehoben werden. Denn selbst bei «All inclusive» und 24-Stunden-Zimmerservice macht Urlaub im Hotelzimmer keinen Spaß.

- Wenn das geregelt ist, soll ab dem 15. Juni auch die weltweite Reisewarnung fallen. «Wir können nicht dauerhaft eine Reisewarnung für die ganze Welt aufrechterhalten», sagte Maas. In den Reisehinweisen sollen dann möglichst viele Einzelheiten zu den Reiseländern stehen. Wie sind die Hygienevorschriften? Wie ist die Infektionslage? Ist man als Urlauber überhaupt willkommen? Besteht die Gefahr, dass man nicht mehr zurückkommt? Das Auswärtige Amt legt damit die Urlaubsentscheidung wieder ganz in die Hände der Reisenden. Bisher ist die Reisewarnung noch der unmissverständliche Ratschlag: Bleibt zu Hause in Deutschland!

Gratwanderung mit dem Virus

Das klingt nach einem plausiblen Plan. Das große Problem: Die Unberechenbarkeit des Virus, die sehr unterschiedliche Betroffenheit der einzelnen Länder und voneinander abweichende Gegenmaßnahmen.

«Wir können nicht die Einreise von Ausländern erlauben, während wir die spanische Bevölkerung noch einer Ausgehsperre unterziehen», mahnt der spanische Verkehrsminister José Luis Ábalos. Spanien hat zwar bereits mit einer schrittweisen und vorsichtigen Lockerung der Kontaktsperre begonnen. Die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez will aber den seit Mitte März und noch bis zum 23. Mai geltenden Notstand um einen weiteren Monat bis Ende Juni verlängern.

Der griechische Außenminister Nikos Dendias schlägt da ganz andere Töne an. «Die Bewegungsfreiheit wird innerhalb des Landes wiederhergestellt, unsere Hotels bereiten sich auf ihre Wiedereröffnung vor, unsere Strände sind wieder zugänglich und archäologische Stätten öffnen wieder für die Öffentlichkeit», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die positiven Stimmen zum grenzüberschreitenden Urlaub überwiegen inzwischen klar - auch in den stark betroffenen Ländern. Ausgerechnet Italien - der Corona-Hotspot der ersten Wochen in Europa - setzt sich an die Spitze der Bewegung und will die Grenzen für Touristen schon am 3. Juni öffnen. Die Wiederbelebung des Tourismus spielt für die notleidende Wirtschaft des Landes eine herausragende Rolle.

«Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen»

Aus dem Inland bekommt Maas aber auch Gegenwind. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der auf Inlandstouristen in den Hotels und Gaststätten im eigenen Land hofft, trat am Montag auf die Euphoriebremse. «Ich glaube nicht wie Heiko Maas, dass es so leicht ist, dass wir heute schon Pläne vorgeben können, dass wir in einem Monat schon wieder in Italien oder in Spanien sind oder in Frankreich», sagte der CSU-Chef. Man bewege sich weiter auf sehr dünnem Eis.

Söder forderte stattdessen eine finanzielle Förderung von Urlaub in Deutschland. Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit - er sei da relativ offen. Söder plädierte aber für eine Förderung «vor allem für diejenigen, die nicht so viel Geld haben und sich so etwas nicht so leisten können».

Der Wettbewerb um die Urlauber hat also längst begonnen - auch wenn Maas ihn eigentlich verhindern will. «Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen», mahnt er.

Urlaub der besonderen Art

Bei allen Unsicherheiten, die es für den Sommerurlaub im Ausland noch gibt, eins steht jetzt schon fest: Der Urlaub wird anders, als er vor der Corona-Krise war. In den Urlaubsländern wird schon heftig darüber diskutiert, wie die Einhaltung von Abstandsregeln am Strand organisiert werden kann. «Jetzt geht es nur noch darum zu organisieren, dass sich der Urlaub wie Urlaub anfühlt», sagt Maas. Das wird wahrscheinlich die schwerste Aufgabe.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 05. 2020
17:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auswärtiges Amt Außenminister Bayerische Ministerpräsidenten Bereich Hotels Bundesaußenminister Europäische Union Griechische Außenminister Heiko Maas Markus Söder Reiseländer Reisewarnungen Spanische Bevölkerung Verkehrsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Auswärtiges Amt

26.05.2020

Bundesregierung will Reisewarnung für 31 Länder aufheben

Noch vier Wochen bis zum Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern: Die Bundesregierung arbeitet an Regeln für den Neustart des Tourismus über europäische Grenzen hinweg. Die Reiseländer sollen Schutzmaßnahmen ... » mehr

Leerer Strand von Es Molinar

20.04.2020

Der Sommerurlaub steht auf der Kippe

Gerade erst hat das Coronavirus den Osterurlaub über den Haufen geworfen. Jetzt gerät auch der Sommerurlaub in Gefahr - vor allem für diejenigen, die ins Ausland wollen. » mehr

Strand in Griechenland

18.05.2020

Griechenland wirbt um deutsche Sommergäste

Noch ist unklar, wann die Reisebeschränkungen für deutsche Urlauber gelockert werden. Doch Griechenland stellt sich bereits auf einen Tourismusstart in diesem Sommer ein und hofft, dass dann auch die Gäste aus Deutschlan... » mehr

Aufhebung der Reisewarnung

vor 2 Stunden

Was bedeutet die Lockerung der Reisewarnung für Urlauber?

Die Reisewarnung ist der schärfste Appell des Auswärtigen Amtes - Mitte Juni soll sie nun für 29 Länder aufgehoben werden. Was heißt das für Urlauber? Eine Einordnung. » mehr

Kontrollen an der Grenze zu Belgien

13.05.2020

Kontrollen an deustchen Grenzen werden gelockert

Die temporären Grenzkontrollen werden jetzt zurückgefahren. Es werden aber noch etliche Wochen vergehen, bis wieder der Normalzustand erreicht ist. Für Urlaubsreisen gibt es noch kein Startsignal. » mehr

Rückholaktion

17.03.2020

Rückholaktion für im Ausland festsitzende Deutsche gestartet

Tausende deutsche Touristen sitzen wegen der Corona-Krise im Ausland fest. Außenminister Maas verspricht nun schnelle Hilfe. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 05. 2020
17:42 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.