Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Was tun, wenn der Reiseanbieter mein Geld nicht auszahlt?

Eigentlich ist die Sache klar: Streicht der Reiseanbieter den Urlaub oder Flug, gibt es das Geld zurück. Doch momentan wartet so mancher Urlauber vergeblich auf die Rückzahlung - und kann nicht viel tun.



Flughäfen leer, Reisen abgesagt
Corona hat viele Urlaubspläne zunichte gemacht.   Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn

Eigentlich gibt es eine Geld-zurück-Pflicht: Wenn der Reiseveranstalter den Urlaub absagt, muss er die Kosten erstatten. Das gleiche gilt für Airlines und ihre Flugtickets. Im Zuge der Corona-Krise werden manche Verbraucher aber hängen gelassen.

Ja, es gebe einige Fälle, bei denen Verbraucher auf die Erstattung ihres Reisepreises warten, berichtet Thomas Bradler, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. «Mancher Reiseanbieter spielt wohl ein bisschen auf Zeit, weil die Gutschein-Lösung noch im Raum steht.» Nach den Wünschen von Bundesregierung und Reisebranche sollen Veranstalter und Airlines Gutscheine statt Rückzahlungen anbieten dürfen - auch gegen den Wunsch des Kunden. Die Entscheidung liegt aber in Brüssel bei der EU-Kommission und steht noch aus.

Die Rechtslage ist eindeutig

Die Unsicherheit nutzen manche Reiseanbieter offenbar aus: «Manche verweigern die Rückzahlung auch mit Verweis auf die Gutschein-Lösung, so als wäre diese schon Gesetz», sagt Bradler und stellt klar: «Das ist aber nicht der Fall.» Die fragliche Praxis betreffe sowohl Veranstalter als auch Fluggesellschaften. Allerdings gebe es auch viele Fälle, in denen das Geld tatsächlich ausgezahlt werde.

Der Rückzahlungsanspruch ist laut dem Juristen rechtlich klar festgelegt: Das Geld muss bei Pauschalreisen binnen 14 Tagen nach Absage der Reise zurückgezahlt werden. Bei individuell gebuchten Flugreisen mit EU-Bezug beträgt die Frist sieben Tage ab Zahlungsaufforderung, wie Bradler erläutert.

Was Verbraucher tun können

«Erst einmal sollte man sich überlegen, ob man das Geld direkt zurück haben möchte oder sich aus Solidarität dazu bereit erklärt, es beim Veranstalter zu belassen, damit keine Insolvenz droht», gibt Bradler zu bedenken. Das hieße, einen Gutschein zu akzeptieren, der meist noch bis Ende 2021 flexibel für neue Reisen genutzt werden kann.

Doch nicht jeder Urlauber kann und will das. Wenn die Rückzahlung auf sich warten lässt, können sich Verbraucher in einem zweiten Schritt schriftlich an den Anbieter wenden und das Geld unter Fristsetzung zurückzufordern, so der Verbraucherschützer. Diese Frist sollte bei mindestens sieben Tagen liegen.

Im Zweifel nachgeben?

Wenn der Veranstalter oder die Airline dann nicht reagieren, wird es schwierig. Wer seinen Anspruch mithilfe eines Anwalts durchsetzen möchte, sollte im Hinterkopf haben, dass die Gutscheinlösung doch noch Gesetz werden könnte - auch rückwirkend, betont Bradler. «Dann bleibe ich womöglich auf meinen Kosten sitzen.»

Die Reisebranche betreibe massive Lobbyarbeit für die Gutschein-Lösung, sagt Bradler. Seine Empfehlung lautet in der aktuellen Situation: «Ich würde dazu raten, abzuwarten, wenn man nicht extrem auf das Geld angewiesen ist.»

Wann die EU-Kommission eine Entscheidung fallen wird, ist derzeit offen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vor einigen Tagen gesagt, dass die Menschen europaweit rein rechtlich die Wahl hätten, ob sie das Geld oder einen Gutschein wollten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 04. 2020
13:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Europäische Kommission Flugreisen Kunden Pauschalreisen Präsidenteninnen under Präsidenten der Europäischen Kommission Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Reiseveranstalter Rückzahlungsanspruch Urlauber Ursula von der Leyen Verbraucherschützer Wirtschaftsbranche Reisen und Tourismus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Reisekatalog

15.05.2020

Reisegutschein zügig in neue Buchung umwandeln

Als wegen Corona viele Reisen abgesagt wurden, haben viele Veranstalter Gutscheine verteilt. Wer einen solchen angenommen hat, sollte möglichst bald neue Urlaubspläne schmieden. » mehr

Reisewebseite

16.04.2020

Was wird in diesem Jahr aus meinem Urlaub?

Können wir in diesem Jahr noch reisen? Und wenn ja, wann und wie? Derzeit ist noch vieles ungewiss. Ein Überblick mit allem, was wir derzeit wissen - und was noch nicht. » mehr

Tourismusbranche

16.09.2020

Krise von «epischen Dimensionen» im Tourismus

Das Katastrophenjahr 2020 hat die Reisebranche nahezu abgeschrieben. Jetzt geht es ums Überleben in der Corona-Krise und das kommende Jahr. Welche Chancen haben Reisebüros und Veranstalter noch? » mehr

Gutschein für abgesagte Reise

02.04.2020

Gutscheine statt Rückzahlung: Was das für Reisende bedeutet

Unzählige Urlauber wollen gerade Geld für abgesagte Reisen zurückhaben. Das könnte Airlines und Veranstalter in den Ruin treiben. Die Bundesregierung hat einen Vorschlag, der beiden Seiten helfen soll. » mehr

Koffer packen für den Urlaub

25.08.2020

Veranstalter zeigen sich bei Umbuchungen kulant

Es dürfte eine Mischung aus Vorfreude und Sorge sein: Wer jetzt einen Urlaub bucht, fragt sich, ob dieser dann in einigen Wochen oder Monaten auch stattfinden kann. Die Reiseveranstalter reagieren. » mehr

Geplatzte Pauschalreise

27.05.2020

Pauschalreisende sollen Gutscheine zurückgeben können

Wer wegen der Corona-Krise eine Pauschalreise nicht antreten kann, soll Geld zurückbekommen - oder einen Gutschein. Wie das für Verbraucher laufen könnte, steht in einem aktuellen Gesetzentwurf. Nun ist der Bundestag am ... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 04. 2020
13:12 Uhr



^