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Wie die Bahn mehr Kunden anlocken will

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten werden die Fahrkarten teurer - diese Tradition könnte nun abbrechen. Bahnchef Lutz nennt dafür eine Voraussetzung. Und er sagt, warum es jetzt ICE mit Grünstreifen gibt.



Grün statt Rot
Für mehr politischen Rückhalt setzt die Bahn auf das Klima-Argument. Foto: Christophe Gateau   Foto: dpa

Grün wird jetzt Bahn-Farbe: Vorn und hinten bekommen

alle ICE einen grünen Streifen anstelle des gewohnten Rot. «Kein

Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn», begründete der

Vorstandsvorsitzende Richard Lutz am Dienstag in Berlin die

Lackauswahl .

Doch es gibt eine weitere Botschaft: Damit mehr Menschen

Bahn fahren, könnten im Fernverkehr die Fahrkartenpreise deutlich

sinken - sofern der Staat auf Mehrwertsteuer verzichtet. Darüber

berät das sogenannte Klimakabinett der Bundesregierung in der

nächsten Woche.

«Den finanziellen Vorteil würden wir mit günstigeren Fahrpreisen eins

zu eins an unsere Kunden weitergeben», versprach Lutz. Dafür, auch

bei Fahrten über 50 Kilometern den reduzierten nur noch den

reduzierte Satz von 7 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer zu verlangen,

gibt es ein recht breiten Konsens von den Grünen bis zur CSU.

Das Klima-Argument

Für mehr politischen Rückhalt setzt die Bahn seit Monaten voll auf

das Klima-Argument. «Bahnfahren ist aktiver Klimaschutz», warb Lutz

und zeigte auf einen grünen Stecker, der nun auf jeden ICE lackiert

wird. Der Fernverkehr fahre seit 2018 komplett mit Ökostrom.

Das heißt aber nur, dass die Bahn soviel Ökostrom einkauft wie sie

für den Fernverkehr braucht. In die Oberleitungen fließt der normale

Bahnstrommix, der 2018 noch zu 43 Prozent aus Kohle, Gas und

Atomkraft stammte. Auf vielen Nebenstrecken fahren außerdem noch

Dieselloks. 60 Prozent des Gleisnetzes ist elektrifiziert, darauf

fährt 90 Prozent des Verkehrs. Echte 100 Prozent Ökostrom soll es

2038 geben, eine klimaneutrale Bahn 2050.

In das Schiennetz investieren

«Die Eisenbahn soll das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts werden»,

sagte der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferleman. «Wir

wollen richtig in das Schiennetz investieren.» Im laufenden Geschäft

muss sie die Bahn aber besser werden, etwa bei der

Fahrzeugbereitstellung, wie der CDU-Politiker deutlich machte. «Da

ist noch Luft nach oben.» Verspätungen durch Baustellen dagegen seien

kaum zu vermeiden. Die Bahn sei auf einem sehr guten Weg.

Der Bundeskonzern hatte sich dazu eine neue Strategie verordnet. Sie

heißt «Starke Schiene» und zieht Schlussstrich unter frühere

internationale Expansionspläne. Alles, was die Bahn tut, soll sich

auf die Stärkung der Eisenbahn in Deutschland ausrichten.

Geplant sind etwa in Großstädten Fernzüge im 30-Minuten-Takt, WLAN

auch im Intercity und mehr Plätze in Pendlerzügen. Im Fernverkehr

soll sich die Zahl der Fahrgäste nahezu verdoppeln, in Regionalzügen

soll sie um die Hälfte zulegen. Dazu will die Bahn in Mitarbeiter,

neue Züge und Infrastruktur investieren.

Neue Gleise und Digitaltechnik

Die Kapazität des Schienennetzes soll durch neue Gleise und

Digitaltechnik um 30 Prozent steigen, die Zahl der Fernverkehrszüge

von rund 460 auf bis zu 600 wachsen. Bahnhöfe sollen mehr Platz

bieten und einfachere Übergänge zu Fahrrädern, Bussen und Mietwagen.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg für den hoch verschuldeten

Konzern. «Zukunft gibt es nicht zum Nulltarif», sagte Lutz. Politik

und Bahn müssten die Verkehrswende als gemeinsamen Kraftakt

verstehen. Die geplante Mehrwertsteuersenkung könne einen wertvollen

Beitrag leisten, die Fahrgastzahl im Fernverkehr zu erhöhen. Zudem

würden dann weitere neue Züge gekauft, damit die zusätzliche

Nachfrage auch bewältigt werden kann.

Fahrpreise senken

Die Bahn hatte zunächst auch erwogen, bei einer Steuersenkung einen

Teil des finanziellen Vorteils in die Angebotsverbesserung zu

stecken. Nun nannte Lutz es selbstverständlich, dass die Fahrpreise

im gleichen Maße gesenkt werden würden.

Fahrkarten in der zweiten Klasse von ICE und Intercity sind seit der

Jahrtausendwende um gut ein Viertel teurer geworden, wie das

Bundesverkehrsministerium kürzlich mitgeteilt hatte. Nullrunden hatte

es zuletzt 2015 und 2016 gegeben. Die Steigerung blieb insgesamt aber

leicht unter dem Anstieg des Verbraucherpreisindex, der seit dem Jahr

2000 etwa 30 Prozent betrug.

Im Nahverkehr macht die Bahn nur für etwa jede fünfte Kundenfahrt die

Preise selbst, bei den übrigen sind die regionalen Verkehrsverbünde

verantwortlich, die Länder und Kommunen vertreten. Im Nahverkehr

wurden Fahrkarten seit 2000 um etwa die Hälfte teurer.

Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
18:03 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
18:03 Uhr



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