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Google wird’s wissen

Wann wurde Mozart geboren? Und wie funktioniert noch gleich die Fotosynthese? Binnen Sekunden ist die Antwort im Internet gefunden.Einen Todesstoß gibt das World Wide Webdem gedruckten Wort aber nicht. Im Gegenteil: On- und offline ergänzen sich mittlerweile sehr gut.



 

Mandy Walter sitzt mit ihrem Sohn Jonas am Schreibtisch in seinem Zimmer. Der Achtklässler besucht eine Realschule in Suhl und soll einen Vortrag ausarbeiten. "Johann Wolfgang von Goethe" ist das Thema. "Google doch erst mal", sagt der Teenager fast selbstverständlich zu seiner Mutter. Gesagt, getan. Innerhalb weniger Sekunden erscheint eine Liste mit Suchtreffern auf dem PC-Bildschirm. Zuerst klicken die beiden auf den Wikipedia-Eintrag, der ganz oben auf der Trefferliste erscheint, und finden blitzschnell ausführliche Informationen zu Goethe. In Schwerpunkte gegliedert, vom Leben bis hin zu bekannten Werken einwandfrei ausgearbeitet. Kopieren, einfügen – das wäre Jonas am liebsten. Dann hätte er die lästige Aufgabe hinter sich und Zeit für seine Kumpels.

Seine Mutter schüttelt nur mit dem Kopf. "Zu meiner Schulzeit haben wir solche Informationen noch in unseren Schulbüchern nachgeschlagen oder sind in die Bibliothek gegangen und haben dort recherchiert. Heutzutage macht das leider kaum einer mehr. Es gibt ja Doktor Google", sagt die 35-Jährige. In ein Buch zu schauen, wenn sich Fragen stellen, hat nicht nur bei Mandy Walter zum Alltag gehört, sondern bei nahezu allen heute über 30-Jährigen. Zwangsläufig, denn das Internet wurde erst mit der Jahrtausendwende rege genutzt. Wer zuvor in den Neunzigerjahren die Schulbank gedrückt hat, kam mit dem World Wide Web noch kaum in Berührung.

Heute, in Zeiten von Smartphones, Netbooks und Tablets, die ein Gros tagtäglich rund um die Uhr bei sich trägt, ist das Nutzen des Internets auf der Suche nach Antworten schon zur Gewohnheit geworden. Noch einfacher wird es mit ausgeklügelten Software- und Sprachassistenzsystemen wie "Siri" oder "Alexa", die Apple und Amazon auf den Markt gebracht haben. Auf Befehl schalten sie nicht nur die Musik im Wohnzimmer an, binnen Sekunden recherchieren und nennen sie auch die Einwohnerzahl Berlins oder das Geburtsjahr Shakespeares. Woher diese Informationen stammen und wie fundiert sie sind, wird selten hinterfragt – was zählt ist, dass sie schnell und unkompliziert parat gestellt werden.

Ein wesentlicher Vorteil der Internet-Recherche. Nicht umsonst zählt beispielsweise Google über drei Milliarden Suchanfragen am Tag. Das bedeutet, dass etwa 35000-mal pro Sekunde Schlagworte oder ganze Fragestellungen über den Internetdienst eingegeben werden. Am häufigsten wurden im vergangenen Jahr übrigens Informationen zur EM 2016, gefolgt von solchen zu "Pokémon Go", "Brexit", "Olympia" und "Dschungelcamp" nachgefragt. Aktuelle Themen, die zu diesem Zeitpunkt wohl kaum in einem Sach- oder Fachbuch zu finden waren. Zu denen viele jedoch etwas wissen wollten. Dazu dienen Google oder dessen weit in der Nutzergunst zurückliegende Konkurrenten AOL, Yahoo und Co. zweifelsohne sehr gut.

Sollen es jedoch fundierte Informationen sein, etwa für Facharbeiten, stoßen Suchende im Internet oft schnell an Grenzen. Was bleibt, ist meist bloß das wilde Klicken durch die verschiedensten Beiträge in der Suchergebnis-Liste; durch Foren, in denen andere Nutzer Antworten auf Fragen vermuten. Wer in solchen Fällen allein auf das Internet baut, wird meist nur mit Halbwissen versorgt, auch wenn Glückstreffer nicht ausgeschlossen sind. Fortgesetzt wird die Suche dann häufig offline.

Dennoch zeichnet sich der Trend ab, dass Sachbücher zumindest in Bibliotheken immer weniger nachgefragt werden; ganz im Gegensatz zur Belletristik. "Die Ausleihzahlen bei Sachbüchern sind im Vergleich zu den Vorjahren gesunken", weiß Maiken Hagemeister vom Deutschen Bibliotheksverband (DBV) zu berichten. Waren es 2006 noch 69,8 Millionen Sachbücher, die laut Deutscher Bibliotheksstatistik in öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen wurden, sind es aktuell noch etwa 53,35 Millionen Exemplare. Ein Rückgang um rund 24 Prozent. Wobei angemerkt werden muss, dass die Teilnahme der Bibliotheken an der Statistik freiwillig ist.

Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass kaum mehr einer in die Bibliothek geht. Wie die Expertin vom DBV erklärt, habe sich vor allem die Art der Nutzung geändert. Die Bibliothek werde mittlerweile gerne und häufig aufgesucht, um in Ruhe zu arbeiten, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und sich auszutauschen. Maiken Hagemeister ergänzt: "Nicht zu vergessen sind Veranstaltungen, wie etwa Lesungen, die sehr nachgefragt sind."

Hinzu kommt, dass sich Bibliotheken heute selber rege des Internets bedienen – etwa um ihren Nutzern Bücher oder auch Zeitschriften digitalisiert zur Verfügung zu stellen. "Heute muss man nicht mehr zwingend in eine Bibliothek gehen, um in ein Buch zu schauen. Es gibt schließlich die Onleihe, die sehr stark nachgefragt ist und fundierte Informationen über das Internet bietet", sagt Maiken Hagemeister. Auf gleichnamiger Internet-Plattform verleihen Bibliotheken elektronische Medien an ihre Nutzer. 20,2 Millionen E-Medien wurden laut Bibliotheksverband allein im vergangenen Jahr ausgeliehen. Darunter Bücher, Magazine und Musik. 3075 Bibliotheken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien bieten ihre digitalen Medien über die "Onleihe" der divibib GmbH an. Unter ihnen auch 31 Thüringer Bibliotheken, die im "ThueBIbNet" verbunden sind.

Und auch Fachverlage gehen seit Jahren neue, nämlich crossmediale Wege: "Ob Fachmedien durch das Internet überflüssig werden? Das Gegenteil ist der Fall: In einer Welt, in der Fakten und Behauptungen zunehmend verschwimmen, steigt der Bedarf an qualifizierten und kuratierten Fachinformationen. Als Fachmedienhäuser begleiten wir unsere Leser und Nutzer crossmedial. Es geht längst nicht mehr um die eine Zeitschrift oder das eine Buch, sondern darum, verlässliche Informationen bereitzustellen. Und das tun wir mit unseren Experten heute auf allen Kanälen und in allen Formaten", sagt Stefan Rühling, Sprecher der Deutschen Fachpresse.

Das Neben- beziehungsweise Miteinander von Gedrucktem und Digitalem setzt sich auch mehr und mehr im wissenschaftlichen Bereich durch. Die Staats- und Landesbibliothek Dresden ist beispielsweise fleißig dabei, Bestände aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken sowie bedeutsames Schriftgut aus weiteren Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen zu digitalisieren. Um es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und langfristig zu erhalten. Auch Universitäten und Fachhochschulen laden Publikationen und Teile wissenschaftlicher Ausarbeitungen auf ihre Server, um sie ihren Studierenden für Recherchen schnell und unkompliziert zur Verfügung zu stellen. Das neue Urheber-Wissensgesellschaftsgesetz unterstützt dies.

Doch kauft oder leiht sich dann künftig überhaupt noch jemand ein Buch aus Papier? Natürlich! Vor allem für die Generation, die noch mit dem klassischen Buch als Recherchequelle aufgewachsen ist, ist das Blättern von Seiten kein lästiges Übel. So schaut beispielsweise der Journalist Volker Pöhl aus Meiningen lieber in seine 30-bändige Ausgabe des Brockhaus. Für die 19. Auflage in Leder und Goldschnitt habe er fast 6000 DM bezahlt – "eine meiner größten Investitionen nach der Wende", sagt der Freies Wort-Lokalleiter.

Auch wer fachlich oder gar wissenschaftlich fundiertes Wissen sucht, muss ob aller Digitalisierungsbemühungen noch auf das gute alte Buch zurückgreifen. Denn Verlage bieten Zeitschriften und andere Publikationen zwar häufig, jedoch lange nicht in jedem Fall auch in einer Online-Variante an. So ist und bleibt der Griff zum Gedruckten auch in Zukunft unumgänglich. Und was passiert, wenn die Leitung defekt oder der Datenfluss gestört sind und das Internet einmal nicht genutzt werden kann? Dann stehen zum Glück noch die Brockhaus-Bände, "Wer ist wer?" oder der Duden in manch einem Bücherregal. So wie auch bei Mandy Walter aus Suhl. Wenn das Internet mal streikt und wieder ein Vortrag ausgearbeitet werden muss, braucht ihr Sohn jedenfalls nicht zu verzweifeln.

 
Der Suchmaschinen-Marktführer Google
Die Internet-Suchmaschine Google ist Statistiken zufolge bei weltweiten Suchanfragen Marktführer und gilt als die am häufigsten besuchte Website der Welt. In Europa hat Google einen Marktanteil von über 90 Prozent und steht damit auch nur theoretisch in Konkurrenz mit Suchmaschinen wie "Bing", "Yahoo", "AOL", "Ask.com" oder Yandex. Google bearbeitet pro Tag mehr als drei Milliarden Suchanfragen und hat mit Stand April 2017 knapp 3,36 Milliarden registrierte Nutzer (Google +).

Wer schreibt eigentlich Wikipedia-Einträge?
Einträge in der Online-Enzyklopädie verfassen kann prinzipiell jeder. Wikipedia stellt jedoch einen wissenschaftlichen Anspruch an die Artikel und fordert deshalb neben Belegen durch Quellen auch eine neutrale und sachliche Schreibe. Um einen Artikel zu verfassen, muss sich der Nutzer registrieren. Nach dem Hochladen des Beitrages wird dieser durch verschiedene "Wikipedianer", also bereits erfahrene Autoren, geprüft und kommentiert, damit ihn der Autor gegebenenfalls überarbeiten kann. Geschieht dies dann nicht, wird der Eintrag im internen Bereich gelöscht und erscheint nicht online.

Wissenschaftliche Suchmaschinen im Internet
Google Scholar Im Gegensatz zur allgemeinen Suche im Internet wird bei Google Scholar nach wissenschaftlichen Dokumenten gesucht. Auch nach Autoren, Veröffentlichungsmedien und -datum kann über Google Scholar recherchiert werden. scholar.google.de/
Metager Metager ist eine Metasuchmaschine der Universität
Hannover. Bei der Suche bezieht sie mehrere wissenschaftliche Suchmaschinen ein. Auch ohne spezifizierte Einstellungen werden Ergebnisse wissenschaftlicher Fundstellen bevorzugt. www.metager.de
Forschungsportal Auf Servern öffentlich finanzierter, deutscher Forschungseinrichtungen sucht "Forschungsportal". Die Suchmaschine des Bundesministeriums für Bildung und Forschung kann beispielsweise auch Dissertationen in dem Bestand der Deutschen Bibliothek finden. www.forschungsportal.net

Open Knowledge Foundation Deutschland
Der Gesellschaft Wissen ohne Beschränkungen bereitzustellen, ist das Ziel der sogenannten Open Science, der öffentlichen Wissenschaft. Die 2011 gegründete Open Knowledge Foundation Deutschland setzt sich dafür ein, Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Alle Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses sollen über das Internet offen zugänglich und nachnutzbar gemacht werden. Auch die Staats- und Landesbibliothek Dresden unterstützt diese Idee.

Urheber-Wissensgesellschaftsgesetz
Ziel des ab 2018 in Kraft tretenden Gesetzes ist es, bestimmte zeitgemäße Nutzungsmöglichkeiten der digitalen Welt zu ermöglichen. Es geht dabei darum, einen Mindestzugang sicherzustellen. Hochschullehrer können mit dem Gesetz Auszüge aus Werken unkompliziert und rechtssicher in einen elektronischen Semesterapparat einstellen. Wissenschaftler können künftig große Mengen an Texten mit entsprechender Software analysieren, ohne zuvor jeden einzelnen Autor oder Verlag um Erlaubnis zu bitten. Bibliotheken können Kopien von wissenschaftlichen Artikeln auf Einzelbestellung digital versenden.

 
Autor
Jennifer Brüsch

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Veröffentlicht am:
22. 09. 2017
10:45 Uhr

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Jennifer Brüsch

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22. 09. 2017
10:45 Uhr



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