Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Cloud-Gaming will den teuren Spiele-PC ersetzen

Spielen bald alle nur noch per Stream? Anbieter virtueller Gaming-PCs und Streamingdienstleister arbeiten gerade hart am Ende des klassischen Gaming-PCs daheim. Das muss nicht mal eine schlechte Sache sein - aus gleich mehreren Gründen.



Cloud-Gaming-Dienst Shadow
Der Cloud-Gaming-Dienst Shadow unterstützt viele Plattformen - darunter auch Smartphones.   Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn » zu den Bildern

Der Wind weht sanft durch die Waldhänge Montanas, in der Ferne hetzt ein Berglöwe seiner Beute nach. Aber eigentlich ist der Spieler gerade auf der Flucht vor einem schaufelschwingenden Wahnsinnigen: Willkommen in «Far Cry 5», einem der technisch anspruchsvolleren Spiele dieses Jahres.

Für volle Details ist ein leistungsstarker Spiele-PC Pflicht. Aber im Business-Bereich der Videospielemesse Gamescom (Besuchertage: 22. bis 25. August) läuft «Far Cry 5» in ansehnlicher Grafikpracht auf einem unscheinbaren Notebook für 200 Euro. Wie kann das sein?

«Wir haben in einem Elektronikmarkt nach dem günstigsten Modell gefragt», sagt Emmanuel Freund, Gründer des französischen Unternehmens Blade. Mit dem Billigrechner will Freund vor allem eines zeigen: In naher Zukunft wird es egal sein, welchen Computer oder welche Konsole jemand hat, es werden auch die neuesten und anspruchsvollsten Spiele darauf laufen. Denn Blade vermietet virtuelle Computer. Das geht so: Man schließt ein Abo ab, lädt eine App herunter und legt los. Bei jeder Anmeldung wird im Rechenzentrum ein virtueller Computer zusammengestellt.

«Ziel ist, dass Nutzer kein eigenes Gerät mehr brauchen», sagt Freund. Denn Zugang zu Shadow, so der Name des Dienstes, gibt es vom Notebook, Mac, Smartphone, Tablet oder von einer Zugangsbox aus. Auf dem virtuellen Rechner können Nutzer installieren und spielen, was sie wollen. Alle anspruchsvollen Arbeiten erledigt das Rechenzentrum, Spieler streamen auf ihre Geräte nur noch das bewegte Bild.

«Cloud Gaming ist der nächste Schritt», sagt Felix Falk, Geschäftsführer beim Branchenverband Game. Er sieht solche Angebote als niedrigschwellige Lösung auch für Gelegenheitsspieler. Jeder könne so unabhängig von der Hardware seine Wunschtitel spielen. Statt einer einzelnen großen Investition in einen teuren Gaming-PC alle paar Jahre würden viele künftig monatlich zahlen, sagt er voraus. Dafür erhalten sie Zugang zu Spiele-Bibliotheken, wie es jetzt schon bei Video-Streamingdiensten üblich ist. Der Vorteil: eine hohe Verfügbarkeit von Spielen und alle Spielstände auf allen Geräten.

Doch noch gibt es Hindernisse. Schaut man in Deutschland auf den Breitbandausbau, ist Cloud Gaming zwar ein schöner Gedanke. Für eine Massennutzung ist das Netz aber längst nicht bereit. Trotzdem sieht auch Prof. Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn die Spiele-Zukunft zum Teil im Rechenzentrum. «Was wir heute von Amazon-Prime, Netflix oder dem Apple-TV kennen, werden wir auch bei Spielen sehen», sagt er. «Das geht aber nur, wenn der Breitbandausbau wie geplant vorangeht.»

Bandbreite ist das entscheidende Kriterium für den Erfolg von Cloud Gaming. 10 Megabit pro Sekunde (MBit/s) braucht es laut Emmanuel Freund mindestens für ruckelfreies Spielen in HD-Auflösung, für Full-HD sind es schon 25 bis 50 MBit/s, und wer in 4K spielen will, braucht eine Internetleitung jenseits der 50 MBit/s. Bandbreiten, die in etlichen Teilen Deutschlands noch längst nicht Standard sind.

Neben Blades Shadow-Dienst gibt es noch weitere Cloud-Gaming- oder Streaming-Angebote für Games. Etwa Playstation Now, den Xbox Gamepass oder Origin Access. Auch Grafikkartenriese Nvida etabliert mit Geforce Now eine Streamingplattform. Anders als Blade richten sich die US-Amerikaner stärker auf den reinen Spiele-Service aus. Spieler können hier auf einen festen Katalog mit mehr als 200 Spielen zugreifen oder eigene Spiele von anderen Dienstleistern verknüpfen, erklärt Sridhar Ramaswamy von Nvidia. Aktuell ist der Dienst in einer offenen Testphase bis zum Ende des Jahres. Wie es dann weitergeht und was Geforce Now einmal kosten wird, verrät Nvidia noch nicht.

Bei Blade ist man da schon etwas weiter. Rund 30 Euro im Monat, also 360 Euro im Jahr, verlangen die Franzosen für den Cloud-Computer. Rechnet man das auf die Laufzeit eines Gaming-Computers inklusive neuer Austauschhardware hoch, unterscheiden sich die Preise am Ende nicht groß. Dennoch kann sich Cloud-Gaming für den Spieler lohnen. Denn so hat er immer aktuelle Hardware zur Verfügung. «Ich glaube, dass Spieler bereit sind, dafür zu bezahlen», sagt Jörg Müller-Lietzkow. Er rechnet damit, dass sich die Angebote bei Monatspreisen von 15 bis 20 Euro einpendeln werden.

Veröffentlicht am:
22. 08. 2018
15:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Computer Gamescom Hardware Notebooks Nvidia Rechenzentren Universität Paderborn
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Google-Dienst Stadia

20.08.2019

Wie spielen wir in Zukunft?

Playstation 5 und die nächste Xbox: 2020 soll es neue Konsolen geben. Doch vorher startet mit Google Stadia eine ganz andere Art von Gaming-Dienst. Rosige Aussichten für Spieler - oder mehr Chaos? » mehr

Geforce RTX 2080 Ti

21.08.2018

Nvidia zeigt Gamer-Grafikkarten der Turing-Serie

Geforce RTX 2080 und 2080 Ti - das sind die beiden neuen Grafikkarten, die Nvidia mit zur Gamescom gebracht hat. Mit ihrer Hilfe sollen Gamer geeignete Videospiele in 4K-Qualität genießen. » mehr

Switch Lite

27.08.2019

Für wen ist Nintendos neue Konsole?

Eine Switch, die nicht switcht: Nintendos neue Switch Lite kommt ohne TV-Verbindung oder abnehmbare Controller. Wer sollte sich diese Konsole also zulegen? » mehr

«Superhot»

19.08.2019

«Superhot» und «Ori» kommen auf die Switch

Besitzer der Nintendo Switch haben zurzeit ein Luxusproblem - denn die Flut der neuen Titel reißt nicht ab. Besitzer anderer Konsolen dürften einen Großteil der Spiele aber schon kennen. » mehr

Strix Scar II von Republic of Gamers

05.06.2018

Asus bringt spezialisierte Gaming-Notebooks

Gaming-Notebooks, ein Smartphone und extrem schnelles WLAN. Asus zeigt auf der Messe Computext die Ideen seiner Marke Republic of Gamers für das vernetzte Spielen. » mehr

«Angry Birds AR: Isle of Pigs»

17.06.2019

Angry Birds durchbrechen Grenze zum realen Raum

Die Angry Birds gehören mit zu den Urvätern der mobilen Spiele. Mit dem kostenlosen «Angry Birds AR: Isle of Pigs» schickt Entwickler Rovio seine Vögel in die Augmented Reality. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 08. 2018
15:03 Uhr



^