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Game-Test: So spielt sich «Mass Effect: Andromeda»

Eine Weltreise ist nichts dagegen: In «Mass Effect: Andromeda» lassen Videospieler die Milchstraße hinter sich und brechen in die ferne Andromeda-Galaxie auf. Dort wartet aber leider keine bahnbrechende Entdeckung, sondern nur eine Enttäuschung.



Action auf neuem Planeten
«Mass Effect: Andromeda» lädt zum Entdecken zahlreicher Planeten und Kulturen ein. Foto: Electronic Arts   » zu den Bildern

Einmal als Raumschiff-Kapitän Abenteuer auf fernen Planeten erleben und mit Aliens verhandeln. Mit dieser Idee, einer spannenden Geschichte und liebenswerten Charakteren, wurde «Mass Effect» von Bioware und Electronic Arts zu einer der populärsten Spieleserien der letzten Zeit.

Fünf Jahre nach dem Ende der Trilogie erscheint nun mit «Mass Effect: Andromeda» der Auftakt zu einem neuen Kapitel. Doch statt die Handlung der ersten drei Teile einfach fortzusetzen, macht «Andromeda» einen radikalen Schnitt.

Denn Spieler verkörpern in «Mass Effect: Andromeda» Nachwuchs-Weltraumforscher, die mit der Andromeda-Initiative in die gleichnamige Galaxie aufbrechen. Mehr als die 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde kann man sich von seinen Vorgängern kaum distanzieren. Das Problem ist nur, dass «Andromeda» aus diesem starken Fundament viel zu wenig macht.

Zu Beginn des Spiels haben es Hauptfigur Sara oder Scott Ryder gerade nach Andromeda geschafft. Angekommen ist ihr Schiff zwar, sonst hat aber kaum etwas geklappt: Auf der vorausgeschickten Raumstation herrscht das Chaos, große Teile der Expeditionsflotte sind spurlos verschwunden. Und schlimmer noch: Die versprochenen Paradies-Planeten zur Besiedlung sind lebensfeindliche Felsbrocken.

Was sehr spannend klingt, ist im Spiel aber nur eine verwirrende Abfolge schwach inszenierter Actionszenen und Dialoge. Die Entwickler von Bioware drücken am Anfang ordentlich aufs Gas. Das ist theoretisch löblich, praktisch gerät «Andromeda» bei so viel Hektik mächtig ins Stolpern.

Ist dieser Fehlstart einmal überstanden, wird das Spiel zum Glück besser: Nach den ersten paar Missionen bekommt Ryder ein eigenes Raumschiff nebst Besatzung. Fortan darf man auf eigene Faust durchs Universum reisen, fremde Planeten suchen und ihre Geheimnisse ergründen. Das war schon in den ersten «Mass Effect»-Spielen toll und hat auch hier wenig von seinem Reiz verloren.

Schnell zeigt sich jedoch, wie sehr «Andromeda» in Struktur, Technik und vielen Details den Vorgängern und anderen Rollenspielen von Bioware ähnelt. Zum Beispiel der Fantasy-Serie «Dragon Age». Dass Bioware diesen Design-Baukasten noch immer benutzt, hat einen simplen Grund: Er funktioniert. Die Mischung aus Erkundung, Dialogszenen und Action macht auch in «Andromeda» Spaß, genau wie das Enthüllen großer Geheimnisse und das Streiten oder Flirten mit der Crew.

Allerdings stellt sich in «Andromeda» viel zu schnell Routine und sogar Langeweile ein. Was vor allem daran liegt, dass es von allem einfach zu viel gibt. Zu viel Weltraumschrott zum Sammeln, zu viele Checklisten-Missionen wie «Sammle zehn Pflanzenarten» und zu viele lange Gespräche, in denen jeder einzelne Charakter jede einzelne seiner Meinungen zu jedem einzelnen Thema ausbreiten darf.

Darunter sind zwar auch Highlights: Missionen mit einer überraschenden Wendung, tiefgründige oder witzige Dialoge, interessante Charaktere. Auch optisch ist die Andromeda-Galaxie mit Wüsten- und Eisplaneten, retro-futuristischen Raumstationen und Ruinen unter Neonlicht sehr abwechslungsreich und beeindruckend. Aber unterm Strich ist die Qualität der Missionen und Dialoge nicht hoch genug, um den gewaltigen Umfang von «Andromeda» zu rechtfertigen.

Klar besser als die Vorgänger ist das Spiel nur in den Actionszenen. Die Feuergefechte mit bösen Aliens und anderen Feinden sind bunt, nicht übertrieben brutal, abwechslungsreich und sehr dynamisch. Was vor allem daran liegt, dass man per Raketenrucksack kreuz und quer durch die Level springt und schwebt. Diese Qualität überträgt sich auch auf den großen und sehr guten kooperativen Mehrspieler-Modus.

Anderswo lässt das neue «Mass Effect» die Vorgänger leider nicht hinter sich: Die verschachtelten, langsamen und überladenen Menüs waren schon in Teil 1 bis 3 eine Zumutung, bei den Animationen der Charaktere gibt es viele Ungenauigkeiten und Schönheitsfehler.

Das wäre zu verschmerzen, wenn «Mass Effect: Andromeda» einlösen würde, was der Titel verspricht. Doch statt der Expedition ins große Unbekannte gibt es hier nur das gleiche Spiel, die gleichen Geschichten und die gleichen Probleme wie früher - nur nicht in der gleichen Qualität. «Mass Effect: Andromeda» ist ab 16 Jahren freigegeben, kostet rund 60 Euro und erscheint am 23. März für Playstation 4, Xbox One und den PC.

Veröffentlicht am:
22. 03. 2017
10:20 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 03. 2017
10:20 Uhr



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