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Drahtlos laden kann nicht jeder

Drahtlos laden klingt gut. Kein Wunder: Schließlich reicht eine Kontaktfläche. Lästiges Hantieren mit dem Ladekabel entfällt. Doch wie praktikabel und nachhaltig ist die Technologie wirklich?



Ladepad
Einfach auflegen: Ladepads funktionieren denkbar simpel.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Das Smartphone ohne Kabelsalat aufladen? Ist mittlerweile möglich. Auch Kopfhörer, Smartwatches und andere elektronische Geräte können heutzutage steckerlos mit Energie versorgt werden - dem Elektromagnetismus sei Dank.

«Induktives Laden ist vereinfacht gesagt der berührungslose Transfer von elektrischer Energie mittels elektromagnetischer Felder», erklärt Ralf Petri vom Elektrotechnik-Verband VDE. Dabei würden zwei Spulen genutzt. Einmal im Ladegerät, das ein elektromagnetisches Feld erzeugt, und einmal im Empfängergerät, das dieses Feld zurück in Strom wandelt. «Prominentestes Beispiel sind sicherlich die elektrische Zahnbürste im Bad und aktuelle Smartphones.»

Im Induktions-Alltag spiele vor allem der Qi-Standard eine Rolle, sagt Sebastian Klöß vom IT-Branchenverband Bitkom. «Gerade mit diesem kommen Endnutzer in Kontakt.» Hinter Qi, dem chinesischen Wort für Lebensenergie, stehe das Wireless Power Consortium (WPC), an dem sich etwa zahlreiche Smartphone-Hersteller beteiligen.

«Vor allem hochpreisige High-End-Smartphones sind für induktives Laden vorbereitet», erklärt Robin Brand vom Fachmagazin «c't». Aber verlassen kann man sich darauf nicht. Im Zweifel helfe vor dem Kauf ein Blick in das Datenblatt.

«Aber auch ältere Modelle, die das kabellose Laden von sich aus noch nicht unterstützen, lassen sich mit entsprechenden Ladeschalen fit fürs induktive Laden machen», erläutert Klöß. Er weist auf einen wichtigen Punkt hin: «Induktives Laden dauert etwas länger als das Laden per Kabel.» Beim Kauf einer Drahtlos-Ladematte oder -Ladeschale sollte man deshalb darauf achten, ob sie schnelles Laden unterstützt, also einen höheren Ladestrom abgibt.

Robin Brand erklärt, warum: Quälend lang könne sich das drahtlose Laden mit einer 5-Watt-Station hinziehen. Einigermaßen schnell ließen sich Akkus dagegen mit 15-Watt-Ladegeräten befüllen. Aber Vorsicht: «Einfach das "schnellere" Ladegerät zu kaufen, bringt nichts, wenn sich das Gerät nur auf langsames Drahtlosladen versteht.» Das Schnellladegerät sollte also vom Smartphone-Hersteller kommen oder explizit fürs eigene Gerät freigegeben sein.

Und wird beim Drahtlosladen Strom verschwendet? «Der Wirkungsgrad von induktivem Laden ist etwas geringer als beim Laden per Kabel», erklärt Sebastin Klöß. Es entstehe ein gewisser Energieverlust, der allerdings immer weiter minimiert werde.

Weil Smartphones ohnehin nicht viel Strom benötigen, beziffert Robin Brand die Kosten des Mehrbedarfs für das drahtlose Laden eines Telefons auf zwei bis drei Euro im Jahr. Sonst gebe es keine Unterschiede: «Im Leerlauf nehmen die meisten von uns getesteten Ladestationen ähnlich wenig Strom auf wie Netzteile, aber selbst die schlechten verpulvern keine vier Euro im Jahr.»

Auf der anderen Seite sieht Robin Brand im kabellosen Laden sogar Nachhaltigkeits-Vorteile: «Da beim Laden kein Kabel mehr in die Ladebuchse gesteckt werden muss, verschleißt der Anschluss des Smartphones auch nicht.» Das Gerät muss also im Zweifel seltener repariert werden und steht länger im Dienst seines Besitzers.

Ein weiterer Vorteil in diesem Kontext: Mit derselben Ladestation können sowohl Android- als auch iOS-Geräte drahtlos geladen werden. Und das ist noch nicht alles. «Ob Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten oder Computermäuse: Es gibt mittlerweile etliche Geräte, die sich drahtlos laden lassen» sagt Brand.

«Auf universellen kabellosen Ladematten, die beispielsweise den Qi-Standard unterstützen, können aber in der Regel nur Smartphones und Tablets geladen werden, außerdem einige Ladehüllen von True-Wirelss-Kopfhörern», schränkt Klöß ein. Für die meisten anderen Geräte würden andere, individuelle Ladestandards verwendet.

Im Handel finden sich auch Ladematten und Ladestationen, auf denen gleichzeitig mehrere Geräte geladen werden können - beispielsweise mehrere Smartphones oder ein Smartphone und eine Ladeschale für Kopfhörer. «Wer solch ein Gerät möchte, sollte bei der Auswahl auf die Bezeichnung Dual Charger achten», rät Klöß. Manche dieser Modelle hätten auch eine Fläche zum Laden von Smartwatches.

Info-Kasten: Drahtlos-Ladegeräte meist ohne Netzteil

Wer ein Ladepad oder eine Ladestation kaufen möchte, sollte sich vergewissern, dass er auch ein Gerät besitzt, das drahtlos geladen werden kann - und muss wissen, dass er oft noch ein Netzteil dazu benötigt. «Das Netzteil selbst fehlt häufig, wer eines braucht, sollte auf den Lieferumfang achten», erklärt Robin Brand vom Fachmagazin «c't». Doch da neuen Smartphones immer noch fast ausnahmslos Netzteile und Ladekabel beiliegen, dürften die meisten Haushalte gut versorgt sein.

Veröffentlicht am:
07. 05. 2020
04:24 Uhr

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dpa

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07. 05. 2020
04:24 Uhr



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