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Die Teenager-Welt von TikTok

Facebook ist nicht mehr angesagt. Kinder nutzen Youtube für Videos, Instagram für Fotos und WhatsApp für Nachrichten. In jüngster Zeit findet sich häufig noch eine weitere App auf den Smartphones der Mädchen und Jungen: TikTok.



Mobile App TikTok
Ein Mädchen hält ihr Smartphone in den Händen, auf dem sie in der Kurzvideo-App TikTok das Profil von @lorengray geöffnet hat.   Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Früher tanzten junge Mädchen gerne vor dem Spiegel und sangen dabei mit der Haarbürste in der Hand ihre liebsten Lieder. Heute tanzen sie vor ihren Smartphones, die Kamera auf sich gerichtet. Während damals vielleicht die beste Freundin daneben saß und kichernd zuschaute, sieht nun potenziell die ganze Welt zu.

Was bei Millionen von Menschen in Deutschland diese kleinen Videos aufnimmt, ist die App TikTok. «Wir sind die führende Plattform für mobile Kurzvideos», sagte Managerin Charlott Buchholz auf einer TikTok-Veranstaltung in Berlin. Insgesamt wurde das Programm weltweit mehr als eine Milliarde Mal heruntergeladen.

Zahlen für Deutschland veröffentlicht das chinesische Unternehmen Bytedance, zu dem TikTok gehört, nicht. Aber eine Präsentation, die das amerikanische Online-Fachmagazin Digiday in die Hand bekam, sprach jüngst von 5,5 Millionen monatlich aktiven TikTokern in Deutschland. Demnach verbrachten die Nutzerinnen und Nutzer - der Großteil ist weiblich - dort im Schnitt täglich 50 Minuten.

Über TikTok berühmt

Einige der Stars in der Welt der Mini-Hochkant-Videos sind aus der Musikwelt oder von anderen Plattformen bekannt, etwa der Popsänger Lukas Rieger oder die Youtuber Julien Bam und Rezo. Andere wie die 17-Jährige Dalia Mya aus Berlin sind über TikTok berühmt geworden. «Da kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen», schildert sie den Reiz. Jeden Tag gebe es in der Datenbank neue Lieder und Videos, auf die sie mit eigenen Videos reagieren könne. Oft verbreiten sich diese Ideen dann wie ein Lauffeuer.

Mehr als drei Millionen Menschen folgen Dalia Mya auf TikTok - und sehen so, wie sie buntes Farbpulver in die Luft wirft, wie sie im Bikini im Pool herumplantscht oder wie sie in einem Mini-Sketch auf eine Schulnote reagiert. Zu Beginn hätten viele Videos daraus bestanden, einfach die Lippen zu bekannten Liedern zu bewegen, sagt sie. «Nun ist es mehr Comedy, mehr coolere Videos.»

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer, schätzt Dalia Mya, sind etwas jünger als sie, also 14 oder 15 Jahre alt. Jugendschutz-Initiativen sprechen von einer ähnlichen oder sogar noch jüngeren Nutzergruppe. Die zwölfjährige Holly, die auch auf TikTok unterwegs ist, erzählt von einer Erfahrung: «Es gibt so eine 30-Jährige, die nennt sich auf TikTok «Frau Mutter», und als ich sie sah, dachte ich: Sie ist zu alt, um auf TikTok zu sein. Bitte geh! Das wirkt nur gezwungen.»

Wer die App zum Anschauen nutzt, wird nicht nach dem Alter gefragt

Erlaubt ist TikTok eigentlich erst ab 13 Jahren, und bis 18 Jahren nur mit Einverständnis der Eltern. Doch wer die App nur zum Anschauen nutzt, wird gar nicht nach dem Alter gefragt. Und wer sich anmeldet, um selbst Videos zu veröffentlichen, muss zwar ein Alter angeben - aber das wird nicht überprüft. Holly ist auf TikTok 2003 geboren. Sie habe dort noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, sagt sie. Aber das liege wohl auch daran, dass sie auf TikTok nicht so bekannt sei.

Von der Foto-App Instagram weiß Holly, was passieren kann: Dass etwa Männer ihr unerwünschte Nachrichten schreiben. Denn wie auch Instagram hat TikTok alle Möglichkeiten sozialer Medien, man kann also jemandem eine private Nachricht senden, Herzchen verteilen oder unter einem Video einen Kommentar hinterlassen. Das lässt sich zwar über die Kontoeinstellungen einschränken. Aber zu Beginn steht ein Konto immer auf öffentlich.

Appell an die Eltern

Deswegen appelliert Deborah Woldemichael von der EU-Initiative klicksafe.de an die Eltern: «Wenn sie die Nutzung erlauben, dann sollten sie diese begleiten, und ihre Kinder unterstützen, wenn es Probleme gibt.» Zum Beispiel sollten Eltern die Kontoeinstellungen zusammen mit den Kindern durchgehen und auch regelmäßig überprüfen. Und nachhorchen: «Wem folgt mein Kind? Gibt es Stress über TikTok?»

Bytedance selbst betonte gerade verstärkt, dass sie sich um den Schutz der Jugend kümmern. In Berlin wurde dafür Anfang des Jahres ein Moderationsteam gegründet, das 24 Stunden am Tag fragliche Inhalte betrachtet. Außerdem kann jeder Nutzer blöde Kommentare, Videos oder Profile melden. Und dann gibt es noch eine Technologie, die unpassende Inhalte erkennen soll. Daraufhin seien aus Versehen auch einige Videos von TikTok-Müttern mit ihren Kindern gesperrt worden, erzählt TikTok-Pressesprecherin Gudrun Herrmann. «So eine Technologie ist mäßig schlau.»

Bei TikTok Einstellungen anpassen

TikTok-Nutzer sollten die Einstellungen mit Blick auf den Datenschutz anpassen. So sollte das Profil auf privat gestellt werden, erklärt die die Initiative «Schau hin!». Posts sind dann nur für jene Personen zu sehen, die einem folgen. Empfehlenswert sei auch die Option, dass nur befreundete Nutzer Nachrichten schicken oder Kommentare abgeben dürfen. Das schützt vor einer unerwünschten Kontaktaufnahme durch Fremde.

In der App lassen sich außerdem virtuelle Geschenke machen - die sogenannten «Gift Points» kosten jedoch bares Geld. Die Experten empfehlen Eltern, dass ihre Kinder Downloads und Käufe nur auslösen dürfen, wenn das vorher abgesprochen wurde.

Die App ist ab 13 Jahren freigegeben, unter 18-Jährige brauchen laut den Geschäftsbedingungen eine Erlaubnis der Eltern. Doch «Schau hin!» zufolge findet eine wirkliche Altersprüfung nicht statt.

Veröffentlicht am:
20. 11. 2019
10:13 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
20. 11. 2019
10:13 Uhr



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