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Der App Store wird 10 Jahre alt

Als Apple das erste iPhone 2007 vorstellte, hatte Steve Jobs noch persönlich entschieden, welche Anwendungen das Gerät haben sollte. Ein Jahr später konnten die Anwender selbst in einem App-Store stöbern. Das war der Startschuss für eine ganz neue Branche.



Apple - App Store
Mit dem Start des App Stores vor zehn Jahren, konnten iPhone-Nutzer selbst bestimmen, welche Software auf ihr Gerät kam.   Foto: Ritchie B. Tongo

Dass das iPhone dem Mobilfunk-Geschäft eine neue Richtung vorgab, ist unumstritten. Vergessen wird oft, dass die Revolution erst mit dem Start des App Store richtig losging - der Plattform, über die jeder Entwickler seine Programme auf das Telefon bringen konnte.

Ein Jahrzehnt später sind App-Stores zum bevorzugten Vertriebsweg für Software und zu einem Milliardengeschäft geworden. In seinem ersten Jahr hatte das iPhone nur eine Handvoll von nicht änderbaren Apple-Apps an Bord - und alle anderen Anbieter konnten nur Web-Apps, die eigentlich im Browser liefen, auf das Gerät bringen. Das änderte sich am 10. Juli 2008, als der App Store an den Start ging. Heute erinnert man sich kaum daran, wie das Geschäft in der Ära vor dem iPhone lief: Meist entschied der Mobilfunk-Anbieter, wessen Anwendungen auf das Gerät kommen. Und auch wenn Programme installiert werden konnten, war es ein umständliches Verfahren. Apples Plattform durchbrach diesen Engpass: Im Prinzip konnte jeder seine Software auf das iPhone bringen, sofern seine App durch die Sicherheitsprüfung kam, keine Pornografie enthielt und nicht versuchte, Nutzerdaten zu klauen.

Das Geschäftsmodell: Bei kostenpflichtigen Apps behielt Apple 30 Prozent ein - um den App-Store-Betrieb zu finanzieren, wie Konzernchef Steve Jobs bei der Vorstellung erklärte. An Software-Entwickler wurden inzwischen über 100 Milliarden Dollar ausgeschüttet. Das heißt, dass auch in die Apple-Kassen über 40 Milliarden Dollar geflossen sind.

Der erste Schwung der iPhone-Apps war von Spielereien geprägt: Es gab Anwendungen, die Furzgeräusche machten, Luftpolster-Folie imitierten oder den Bildschirm in ein Bierglas verwandelten, in dem der Schaum hin und her schwappte. Inzwischen gibt es eine App für nahezu alles - und die Masse von mehr als zwei Millionen Anwendungen allein in der Apple-Plattform bringt neue Probleme. Viele Programme verstauben irgendwo tief im App-Store-Keller. Als solche «Zombie»-Apps, die für Verbraucher praktisch unsichtbar sind, wenn man nicht gezielt danach sucht, betrachtet das Analyseunternehmen Adjust aktuell 96 Prozent aller Anwendungen. Apple steuert mit einer Umgestaltung des App Store gegen: Tag für Tag werden mehr verschiedene Programme in einzelnen Rubriken vorgestellt. Die populäre Spiele-Kategorie wurde abgetrennt, um allen anderen Apps mehr Platz zu bieten.

Apples 30-Prozent-Gebühr sorgte immer wieder für Kontroversen - insbesondere weil sie auch für In-App-Käufe gilt. Das heißt also, wenn ein Streaming-Musikdienst die kostenpflichtige Version in seiner iPhone-App verkauft, muss er den Erlös mit Apple teilen.

Marktführer Spotify sah darin unfairen Wettbewerb - schließlich kostet Apple Music auch 9,99 Euro im Monat - und beschwerte sich bei der EU-Kommission. Zunächst verkaufte Spotify die Abos auf dem iPhone einfach teurer - für 12,99 Euro, inzwischen kann man sie in der App gar nicht mehr abschließen. Googles YouTube entschied sich für sein neues Premium-Abo für das 12,99-Euro-Modell. Die «Financial Times» verzichtete wegen der Gebühr zeitweise sogar ganz auf eine iPhone-App, kehrte jedoch inzwischen in den App Store zurück. Seit 2016 behält Apple nach einem vollen Jahr Abo-Service immerhin nur noch 15 Prozent ein.

Auf dem Mac führte Apple ebenfalls einen App Store ein, das Geschäft gestaltet sich jedoch schwieriger. Zum einen ist es auf den Computern - im Gegensatz zum iPhone - nicht der einzige Weg, Software auf das Gerät zu bekommen. Zum anderen sind die Entwickler häufiger unglücklich nicht nur mit der 30-Prozent-Abgabe, sondern auch mit Funktions-Einschränkungen, die Apple im Mac App Store auferlegt. Der Konzern will mit einem ähnlichen Redesign wie auf dem iPhone gegensteuern.

Jobs soll anfangs gegen die Öffnung des iPhones für Apps gewesen sein, unter anderem wegen Sicherheitsbedenken. Dass deswegen alle Anwendungen eine Kontrolle durchlaufen müssen, wurde zwar auch als Zensur kritisiert - half Apple aber, bis auf einige wenige Fälle verkappte Schadsoftware von der Plattform fernzuhalten. Beim Konkurrenzsystem Android gibt es zwar den von Google selbst betriebenen Play Store (der zum Marktstart im Oktober 2008 noch Android Market hieß) mit ähnlich strikter Sicherheit. Auf den Android-Smartphones können jedoch Anwendungen auch aus anderen Download-Plattformen installiert werden, was als Risikofaktor gilt.

Was sich in den zehn Jahren nicht verändert hat, ist, dass Apple-Kunden viel kauffreudiger als Nutzer von Android-Geräten sind, die im Smartphone-Markt dominieren. Nach Berechnungen der Analysefirma App Annie lag Google mit dem Play Store bei der Zahl der Downloads im vergangenen Jahr zwar mit 70 zu 30 Prozent vorn - aber zwei Drittel der Erlöse landeten bei Apple. Und App Annie sieht kein Ende des Wachstums: Allein im Jahr 2022 würden Verbraucher über 75 Milliarden Dollar in Apples App Store lassen, lautet die Prognose.

In einer Zeit, in der großen Tech-Konzernen vorgeworfen wird, zuwenig Steuern zu bezahlen, rückt Apple gern den Job-Effekt der App-Ökonomie in den Vordergrund. Nach Einschätzung des Konzerns unterstützt der App Store 262 000 Arbeitsplätze in Deutschland und 1,57 Millionen in ganz Europa. Apple zählt dabei Jobs, die direkt ins App-Geschäft eingebunden sind.

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

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dpa

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