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Android Go im Test: Was taugt das Einsteiger-Android?

Android Go wagt den Spagat und bringt aktuellste Android-Versionen auf ausgewählte Spar-Smartphones. Damit das gelingt, sind allerdings einige schmerzhafte Abstriche nötig. Ein Alltagstest.



Abgespeckte Version
Sparprogramm: Statt der vollwertigen Google-App gibt es mit Android Go eine deutlich abgespeckte Version.   Foto: Robert Günther » zu den Bildern

Ein komplettes Smartphones mit Android 8 für 99 Euro? Normalerweise bekommt man in dieser Preisklasse dunkle Displays mit Krümelauflösung, Ruckelprozessoren, und nach wenigen Wochen ist das Bildschirmglas verkratzt.

Und an Sicherheits-Updates für das - ohnehin veraltete - Betriebssystem braucht man eigentlich keine Gedanken verschwenden. Nicht so bei Android Go - zumindest ein wenig.

Das Konzept: Aktuellstes Android mit nahezu allen Funktionen für Einsteiger-Geräte mit Hardware am unterem Ende des Leistungsspektrums. Und das ohne Abzüge bei der Sicherheit. Aktuell bekommt man Android Go zum Beispiel mit dem Alcatel 1X, dem Wiko Jerry 3 oder dem Nokia 1 für jeweils um die 100 Euro.

Beim ersten Kontakt mit Android Go auf dem Nokia 1 fällt zunächst kaum ein Unterschied auf. Android Go ist Android 8.1 mit nahezu allen Features und der gleichen modernen Benutzeroberfläche. Es braucht aber weniger Speicher. Nach dem ersten Start sind auf dem Nokia noch gut 5 von 8 Gigabyte (GB) Speicher frei. Außerdem begnügt sich Android Go mit 1 GB Arbeitsspeicher.

Dafür macht Android Go das Beste aus begrenzten Ressourcen und setzt dabei radikal auf Web-Technologie. Statt das große Rad auf dem Smartphone zu drehen, lagert das Betriebssystem viel Arbeit ins Netz aus. Die Haupt-Apps wie Maps Go, Assistant Go oder Google Go sind im Vergleich zu ihren «normalen» Android-Versionen geradezu gertenschlank. Maps Go bringt rund 200 Kilobyte auf die Waage, auf einem vergleichbaren Androiden sind es gut 80 Megabyte.

Wer auf dem Nokia 1 Google Maps aufruft, nutzt faktisch einfach die Web-Ausgabe des Dienstes - mit einigen Einschränkungen. Go-Nutzer können nicht in Echtzeit navigieren, ihren Standort in Echtzeit teilen und leider auch keine Karteninhalte offline speichern. Auch die Google-App ist nur eine Light-Version des «echten» Google Feeds.

Überraschend: Das Android für langsame Smartphones bietet auch eine Go-Version des Google Assistant. Dieser entpuppt sich aber als fast unbrauchbar, weil er (noch) kein Deutsch kann. Stellt man die Telefonsprache auf Englisch, hört er erst nach Knopfdruck auf Kommandos. Welche davon er im Gegensatz zur Vollversion beherrscht, bleibt unklar. Schlimmer noch: nach dem Befehl, GMail zu öffnen, landet man bei einer beliebigen Mail-App im Play Store. Immerhin die üblichen Fragen und Web-Recherchen beherrscht Assistant Go gut.

Und noch einige Dinge fehlen. Zum Beispiel der Split-Screen-Modus für simultanen Betrieb von zwei Apps. Auch Daydream VR funktioniert erwartungsgemäß nicht, ebenso wie die Anbindung von Smartwatches, außerdem fehlen die meisten Google-Apps. Damit der beschränkte Speicherplatz von Android-Go-Geräten gut ausgenutzt wird, ist mit Files Go ein guter Speichermanager installiert. Einmal eingerichtet, behält er den Überblick und hilft beim Ordnung halten.

Das ganze Go-Konzept wirkt bislang allerdings recht konfus. Denn auf dem Go-Gerät lassen sich auch alle regulären Android-Apps installieren - so auch Google Maps. Spaß macht das aber nicht. Neben dem knappen Speicher bringen die meisten normalen Apps das System regelmäßig an die Grenze. Frisches App-Futter suchen Go-Nutzer also lieber in der neuen Rubrik «Angesagte Apps für Android Go-Edition» im Play Store. Hier sind neben einigen Spielchen auch Pinterest, Opera Mini, der Facebook Messenger Lite oder Instagram verfügbar.

Fazit: Lohnt sich Android Go? Für das aktuelle Betriebssystem definitiv. Go-Nutzer müssen im Gegensatz zu vielen anderen Android-Nutzern nicht ewig oder vergeblich auf Updates und Schutz vor Sicherheitslücken warten. Hier gibt es für kleinstes Geld ein modernes Android ohne High-End-Funktionen. Die Kombination mit schwachbrüstigen Smartphones ist aber kritisch. Man kann dem Nokia 1 das dunkle Krümeldisplay und die nur unter Optimalbedingungen akzeptable Kamera nicht vorwerfen - mehr ist für diesen Preis nicht drin. Es schlägt sich seinen Möglichkeiten entsprechend gut.

Statt sich ein Android-Go-Gerät zu kaufen, lohnt - wenn das Budget vorhanden ist - der Blick in die Preisklasse von 150 bis 250 Euro. Hier gibt es mittlerweile solide Alltagsqualität, halbwegs aktuelles Android 7 und teils sogar schon Android 8 ohne die beschriebenen Funktionseinbußen. Und wenn es wirklich ein Android Go wie das Nokia 1 sein muss: Ja, auch das funktioniert - meistens sogar ganz gut, manchmal aber nur mit Schmerzen. Selten hat sich der Umstieg auf ein Mittelklasse-Gerät nach einem Test so gut angefühlt.

Veröffentlicht am:
17. 05. 2018
04:29 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2018
04:29 Uhr



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