Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Die Sprachassistenten sind überall

Auf der CES gibt es kaum ein Gerät ohne Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz. 2018 soll das Gespräch mit der Technik zur Normalität werden. Nach einem bescheidenen Start für die digitalen Helfer könnte es dieses Mal wirklich klappen.



«Hey Google»
Sprechen statt tippen: Sprachassistenten wie Googles Assistant etablieren sich allmählich als ein weiterer Weg, technische Geräte zu bedienen.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Leuchtreklamen so hoch wie ein Wohnblock, dazu alle fünf Minuten ein Zug der Einschienenbahn mit großem «Hey Google»-Schriftzug, der entlang der Casino-Meile «The Strip» in Las Vegas fährt.

Wer die Elektronikmesse CES (noch bis 12. Januar) besucht, kommt um das Thema Sprachassistenten nicht herum. Rein optisch ist der Google Assistant überall.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Amazons Alexa schleicht sich ohne große Werbung in immer mehr Geräte ein. Alexa in Lautsprechern, Alexa im Auto, Alexa in Notebooks, im Badezimmerspiegel, Rauchmelder, Ofen oder Kühlschrank. Der Handelsriese drängt mit Macht in den Markt der Sprachassistenten, sagt Analyst Brian Blau vom Marktforscher Gartner.

Immer mehr Partner werden Teil des wachsenden Ökosystems von Geräten, die per Sprache gesteuert werden können, aber auch mit anderen Geräten zusammenarbeiten, Dienstleistungen über das Internet anstoßen oder Einkäufe über Amazons Plattform erledigen können. Gegenüber Google und Apple hat Amazon hier noch Nachholbedarf, sagt Blau. Die Konkurrenten haben ja ihre Smartphones in den meisten Hosentaschen.

«Digitale Assistenten sind ein großes Thema dieses Jahr», sagt auch Smarthome-Experte Robert Spanheimer vom IT-Verband Bitkom. Nach den zum Teil enttäuschten großen Erwartungen aus der Anfangszeit von Siri und Co. werden die Systeme in diesem Jahr deutlich besser funktionieren und mehr Nutzen liefern, sagt er voraus.

Zum Beispiel beim Sprachverständnis: «Die intuitive Kommunikation wird immer weiter verbessert», sagt Spanheimer. Die Assistenten werden weniger nur auf starre Kommandos hören, sondern mit Hilfe von Spracherkennung und künstlicher Intelligenz auch lockerer formulierte Befehle verstehen. Durch bessere Sammlung und Auswertung von Daten werden auch die Empfehlungen der Assistenten besser, etwa zu Flügen, Fernsehsendungen oder auch Shopping-Angeboten.

Neben Google und Amazon gibt es weitere Wettbewerber. Samsung etwa zeigt, was ab diesem Jahr mit Smartphone, Fernseher und Lautsprechern möglich sein soll. Der hauseigene Assistent Bixby erkennt auf die Frage «Wer ist das?» etwa Schauspieler in einem Film und zeigt nach dem Kommando «Was hat sie an?» passende Shoppingangebote.

«Bis 2020 soll Bixby in nahezu allen Geräten von Samsung stecken», sagt ein Mitarbeiter am Stand. Deutsche Nutzer müssen auf das smarte Upgrade für Samsunggeräte allerdings noch warten - Bixby spricht noch kein Deutsch. Das soll sich aber im Laufe des Jahres ändern, verspricht Samsung, ohne einen Zeitplan zu nennen.

Etwas weniger sieht man von Microsofts Assistentin Cortana. Ein paar vernetzte Lautsprecher hier, ein smartes Thermostat da. Aber auch Microsoft rüstet auf. Gemeinsam mit Qualcomm haben die Redmonder eine Chipplattform entwickelt, mit der Gerätehersteller Cortana in ihre Entwicklungen integrieren können. In Las Vegas lässt sich so schon per Sprachkommando das Licht einschalten oder die Heizung aufdrehen.

Die Sprachsteuerung, da sind sich die Experten sicher, wird sich ganz normal neben bisherigen Wegen zum Steuern von Technik etablieren. Damit das schneller geht, ist der Einstiegspreis vieler Geräte sehr niedrig. «Vernetzte Lautsprecher gibt es schon ab 29 US-Dollar», sagt Brian Blau. «Sie machen die so billig, um sie in jedes Haus zu bekommen.» Robert Spanheimer sieht die Lautsprecher ebenfalls als Einfallstor für die Sprachsteuerung - auch in Haushalte, die bislang eher skeptisch waren. «Bei Lautsprechern dürfte es bald Standard sein, dass sich ein Assistent aktivieren lässt.»

Wichtigste Frage angesichts all der neuen vernetzten, smarten und sprechenden Geräte: Welches System wählt man denn jetzt? Spanheimer sieht Parallelen zum Aufkommen des Smartphones. Auch hier gab es anfangs mehr Konkurrenz, am Ende setzten sich Googles Android und Apples iOS durch. «Sieger war am Ende der mit den besten Apps.» So dürfte es auch bei den Sprachassistenten sein. «Wir werden einen Wettbewerb erleben, bei dem sich die Dienstanbieter auf die zwei bis drei größten Assistenten festlegen werden.»

Veröffentlicht am:
12. 01. 2018
09:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Android (Betriebssystem) Apple Assistenten CES Google Intelligenz Künstliche Intelligenz Lautsprecher Microsoft Samsung Group Smartphones Spracherkennung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
«Pokémon Go»

25.09.2018

«Augmented Reality» kommt aufs Smartphone

Als Google vor einigen Jahren mit seiner digitalen Brille scheiterte, war das ein Rückschlag für die Vision der «erweiterten Realität». Doch jetzt erobert mit Hologrammen und Hinweisen überlagerte Realität das Smartphone... » mehr

Elektronikmesse IFA

31.08.2018

Intelligente Hausgeräte auf der IFA

Selbst den Toaster wird es noch erwischen: Hausgeräte sind vernetzt - und werden «intelligent». Das Smart Home ist nicht neu, aber die Hersteller arbeiten an neuen Service-Angeboten. Sprachassistenten und Künstliche Inte... » mehr

IFA 2017

28.08.2018

Lautsprecher mit Ohren als Türöffner für Amazon und Google

Der Lautsprecher hört zu: Die sprechenden Assistenten von Amazon und Google breiten sich zur anstehenden IFA auch in teurer Hifi-Technik aus. Ob es ein bleibender Trend wird, muss sich aber noch zeigen - auch angesichts ... » mehr

Google Pixel 3

15.10.2018

Google Pixel 3 und Pixel 3 XL im Test

Bei Smartphone-Käufern, die das Android-Betriebssystem in Reinkultur haben möchten, sind die Pixel-Handys von Google populär. Nun kommen zwei Varianten der dritten Pixel-Generation auf den Markt, die noch mehr künstliche... » mehr

Entwicklerkonferenz Google I/O

18.05.2017

Google baut den allwissenden und allgegenwärtigen Computer

Die Maschinen werden immer schlauer. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O präsentiert der Internet-Konzern eine Vision von einer allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz, die das Leben der Anwender erleichtern soll. Da... » mehr

Digitale Assistenten

24.08.2017

Smarte Lautsprecher lernen bessere Töne

Bei den ersten smarten Lautsprechern spielte die Audioqualität nur eine Nebenrolle. Inzwischen geht es viel mehr darum, die Hilfe digitaler Assistenten mit Hifi-Sound zu verbinden. Apple setzt darauf - aber auch Samsung ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 01. 2018
09:52 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".