Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Zur Kasse bitte: Sicheres Bezahlen im Netz

Viele Onlinehändler versuchen, Käufern gewisse Zahlarten durch günstigere Preise oder Gratis-Versand schmackhaft zu machen. Doch wer sich auf bestimmte Bezahlpfade locken lässt, steht am Ende vielleicht mit leeren Händen da - oder hat den Rabatt mit seinen Daten bezahlt.



Rechnung oder Lastschrift
Damit einem die Freude am Onlineshopping nicht vergeht, sollte man eine sichere Bezahlart wählen - etwa Rechnung oder Lastschrift. Foto: Christin Klose/dpa   Foto: dpa

Opfer von Warenbetrügern bezahlen meist per Vorkasse, erhalten die bestellten Produkte aber nie. Betrügern kann man aber schon mit dem Zahlungsweg das Wasser abgraben und sich gleichzeitig vor Querelen um Lieferzeiten oder das Produkt an sich wappnen.

Denn die gibt es auch bei seriösen Händlern. Die einfache Regel: niemals Vorkasse. «Beim Kauf auf Lastschrift kann ich das Geld zurückholen, wenn etwas nicht stimmt mit der Ware», erklärt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Oder: «Bei einer Rechnung bezahle ich nichts, wenn nichts kommt.»

Rechnung und Lastschrift sind hierzulande also aus guten Gründen die Favoriten beim Bezahlen im Netz. Auf sie gehen zusammen mehr als die Hälfte der Zahlungen in deutschen Online-Shops zurück: Der Anteil der Rechnung am gesamten E-Commerce-Umsatz liegt bei 30,5 Prozent, wie aus der Studie Online-Payment 2017 des EHI Retail Institutes hervorgeht. Bei der Lastschrift sind es 20,2 Prozent.

Die Bezahldienste führt Paypal an: Laut EHI-Studie werden 17,9 Prozent des E-Commerce-Umsatzes über diese Zahlart abgewickelt. Mit weitem Abstand folgen Sofort (vormals Sofortüberweisung, 2 Prozent Umsatz-Anteil) und Amazon Pay (1,1 Prozent). Es gibt noch weitere Anbieter, wie die von Banken und Sparkassen initiierten Zahldienste Giropay und Paydirekt. Sie haben aber eine so geringe Bedeutung, dass die Studie sie gemeinsam unter Sonstige (2,1 Prozent) führt.

Kreditkarten sind mit einem Umsatz-Anteil von 12,2 Prozent an den Onlinekäufen recht verbreitet - laut EHI vor allem dank geringer Gebühren. Aber: «Generell ist Kreditkarte auch ein Vorkasse-Kauf», stellt Tryba klar. Zudem gebe es zwar für Kreditkarten-Käufer Schutz in Bezug auf missbräuchliche Nutzung. «Missbrauch ist hier aber anders gemeint», so der Verbraucherschützer - etwa wenn mit einer gestohlenen Karte bezahlt oder die Unterschrift gefälscht wird. Beim Online-Shopping bestätige man ja, dass man genau diesem Händler Geld schicken möchte.

Es könne zwar sein, dass das kartenausgebende Institut weitergehende Garantien, etwa bei Nichtlieferung, gibt. «Das Ganze ist für den Verbraucher zu kompliziert», findet Tryba aber. Man muss die Kartenbedingungen schon genau studieren, um zu wissen, ob und wann man echte Reklamationsansprüche von Buchungen hat.

Der Anteil der klassischen Vorkasse per Überweisung durch den Käufer am E-Commerce-Umsatz liegt der EHI-Studie zufolge zwar nur bei 4 Prozent. Faktisch handelt es sich aber auch bei Giropay, Paydirekt oder Sofort um Vorkasse: Über den Bezahldienst loggt man sich bei seiner Bank ein und überweist direkt samt TAN-Eingabe.

Allerdings gibt es da noch den Käuferschutz als eine Art Geld-zurück-Garantie, den Amazon Pay, Paydirekt, Paypal oder Sofort anbieten, und der auch bei Direkt-Überweisungen das Käuferrisiko minimieren kann. Der Käuferschutz greift in der Regel, wenn Bestelltes nicht geliefert wurde, nicht der Produktbeschreibung entspricht, fehlerhaft oder defekt ist. Meist legen die Dienste aber Ausnahmen und Fristen fest. «Die stellen immer Bedingungen oder schließen etwas aus», erklärt Tryba. «Man muss sich das leider immer etwas genauer ansehen.»

Rechtlich bindend sind Käuferschutz-Entscheidungen von Bezahldiensten zwar nicht. Das hat der Bundesgerichtshof in Fällen entschieden, bei denen Paypal Streitigkeiten zugunsten von Käufern entschieden und ihnen den Kaufpreis zulasten der Händler zurückerstattet hatte (AZ: VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16t). In solchen Fällen könnten Verkäufer immer noch klagen, so der BGH. Gleichwohl bleibe der Käufer im Vorteil, da erst einmal der Verkäufer den Schwarzen Peter habe und klagen müsse.

Aber auch der Käuferschutz kann seinen Preis haben: Daten. Zum einen sind die Datenschutzerklärungen der Bezahldienste häufig unkonkret und unverständlich, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert, der sechs Anbieter untersucht hat. Zum anderen arbeiteten die Dienste oft nicht datensparsam. Teils würden die erhobenen Daten zu Marketingzwecken mit Dritten geteilt oder fließen laut vzbv in Nutzerprofile ein - etwa bei Amazon Pay und Paypal.

Fast jede Bezahlart kostet Gebühren, die meist der Händler übernimmt, und manchmal ganz oder teilweise an den Käufer weiterreicht. Der Gesetzgeber schreibt Online-Shops mindestens eine dem Kunden zumutbare Gratis-Zahlart vor. Dass Direkt-Überweisungen, bei denen man einem Dritten kurzzeitigen Zugriff auf sein Bankkonto gewähren und in den Abruf von Kontodaten einwilligen muss, nicht dazugehören, hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az.: 2-26 O 458/14).

Veröffentlicht am:
11. 01. 2018
04:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Bankeinzüge Bundesgerichtshof Daten und Datentechnik Händler Onlineshops Rabatte Verbraucherzentralen schmackhaft
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Michael Sittig

06.08.2019

Warum Sie bei Bezahldiensten genau hinschauen sollten

Wer einen Bezahldienst beim Einkaufen im Netz nutzt, erhält häufig automatisch einen Zusatzschutz. Doch kann man sich voll und ganz auf diese Käuferschutzprogramme verlassen oder gibt es Haken? » mehr

Phishing im Internet

03.10.2019

Das sind die Tricks der Phishing-Betrüger

Gefälschte Rechnungen, fingierte Anwaltsschreiben, angebliche Steuerrückzahlungen gegen Angabe der Kreditkartennummer: Phishing gibt es in vielfältiger Form. Wie erkennt man den Betrug? » mehr

Einfache Koppelung

05.11.2019

Apple Airpods Pro im Test

Mit seinen Airpods-Ohrhörern hat Apple drahtlose Ohrstöpsel salonfähig gemacht. Jetzt kommt die Weiterentwicklung: Die Airpods Pro können auch Umgebungsgeräusche ausschalten. » mehr

Das erste Protokoll

29.10.2019

Kommunikation über Grenzen hinweg - 50 Jahre Internet

«Mit SRI gesprochen - Von Host zu Host» - der Logbuch-Eintrag eines Informatik-Studenten an der UCLA vor 50 Jahren klingt wenig spektakulär. Tatsächlich markiert die Verbindung zwischen zwei Uni-Rechnern in Kalifornien d... » mehr

Simeon Gentscheff

02.10.2019

So kauft man sicher und günstig im Netz ein

Im Internet einkaufen ist bequem. Doch wie findet man den besten Preis, schützt sich vor Betrügern und bekommt das bestellte Produkt möglichst schnell in die Hände? Experten haben die Antworten. » mehr

Retourenvermarkter Avides

21.10.2019

Wiederverkauf verlängert Lebenszeit von Waren

Deutsche Onlinehändler werden von zurückgegebener Ware überschwemmt. Was tun mit den teuren Retouren? Ein Zauberwort heißt Reselling, und eine norddeutsche Firma macht es vor. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 01. 2018
04:07 Uhr



^