Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Samsung facht Systemstreit bei TV-Technik an

Dass neue Fernseher eine 4K-Auflösung beherrschen, ist quasi schon selbstverständlich. Doch bei den Displays gibt es jenseits der Auflösung große technische Unterschiede. Marktführer Samsung mischt nun mit einer verbesserten LED-Technologie die Branche auf.



Samsung Quantum-Dot-Technologie
Gebogenes Display mit scharfem Bild: Der CH711-5 von Samsung arbeitet mit Quantum-Dot-Technologie. Foto: Samsung   » zu den Bildern

Wenn bei Samsung nur das Geschäft mit Fernsehgeräten zählen würde, könnte der südkoreanische Konzern mit dem Jahr 2016 äußerst zufrieden sein. Mit seinen Fernsehern verwies Marktführer Samsung bereits im elften Jahr hintereinander die Konkurrenten LG, Sony und Panasonic auf die Plätze.

Allerdings beeinträchtigte das Debakel mit dem brandgefährlichen Smartphone Galaxy Note 7 nicht nur die Mobilfunksparte von Samsung. Es warf auch einen Schatten auf das traditionelle Kerngeschäft mit TV-Geräten, das auf der Elektronikmesse CES (5. bis 8. Januar) in Las Vegas im Fokus steht.

«Wenn einer von uns ein Problem hat, dann haben wir alle ein Problem», bringt Samsung-Manager Kai Hillebrandt es auf den Punkt. «Wir ziehen aber auch an einem Strang.» Vorrangig sei es darum gegangen, den Note-7-Käufern eine Lösung zum Umtausch anzubieten. Parallel dazu versuchte der Konzern, die Ursachen der Fertigungsprobleme ausfindig zu machen, damit sich so ein Debakel nicht wiederholen kann.

Bei der Samsung-Pressekonferenz auf der CES hielt sich der Präsident von Samsung Electronics America, Tim Baxter, nicht mehr lange mit dem Note 7 auf. Er stellte nach einer kurzen Bemerkung die neuen Fernseher in den Mittelpunkt, mit denen Samsung einen Systemstreit anfacht. Hier stehen sich die Technologien «QLED» und «OLED» gegenüber.

Die neuen «QLED»-Spitzenmodelle von Samsung arbeiten mit einer Neuauflage der «Quantum Dots». Das sind Nano-Kristalle aus Halbleiter-Materialen. Sie sind photoaktiv, das heißt, sie absorbieren Licht und geben es wieder ab. Je nach der Größe seines Kerns gibt ein «Quantum Dot» spezifische Farben ab. Die neue Generation, die Samsung auf der CES vorgestellt hat, kann die Partikel nun präziser ansteuern. Das TV-Gerät bietet dadurch bessere Kontraste und ein tieferes Schwarz. Außerdem spielt es kaum noch eine Rolle, aus welchem Blickwinkel man auf den Fernseher schaut.

Den Namen «QLED» kann man getrost als einen Frontal-Angriff auf den Samsung-Konkurrenten LG verstehen, der bei seinen TV-Spitzenmodellen auf die bislang überlegene OLED-Technologie setzt. DasS «QLED» und «OLED» zum Verwechseln ähnlich klingt, könnte beabsichtig sein. Das Kürzel OLED steht für «Organic Light Emitting Diode», das ist eine Leuchtdiode aus organischen, halbleitenden Polymeren. Bildschirme kommen ohne eine Hintergrundbeleuchtung aus, wodurch die Geräte extrem dünn sein können.

Da bei OLED keine Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz kommt, kann im Bild ein tiefes Schwarz abgebildet werden, besser als bei den LED-Schirmen. Bei herkömmlichen LED-Fernseher bleicht außerdem von der Seite betrachtet die Bilddarstellung etwas aus. Bei einem OLED-Fernseher dagegen sieht das Bild auch von der Seite so aus wie von vorn. Der Vorsprung von OLED schrumpft gegenüber dem verbesserten QLED-System allerdings erheblich. In manchen Bereichen sieht sich sogar das QLED-Lager vorn, etwa bei der Darstellung in einer hellen Umgebung.

Der südkoreanische Samsung-Konkurrent LG ist eine Milliardenwette auf OLED eingegangen. Die Konzerntochter LG Displays kündigte im vergangenen Sommer an, umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro in eine OLED-Fabrik zu investieren. LG ist derzeit der einzige Hersteller von OLED-Panels für Fernseher. Andere Anbieter von OLED-Geräten wie Panasonic, Philips oder Sony haben keine eigenen Fabriken, sondern verbauen ebenfalls LG-Panels.

Wie der Systemstreit QLED vs OLED ausgehen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es LG gelingen wird, den Preis für die bislang sehr teuren Displays spürbar zu senken. Das Samsung-Management hatte sich vor Jahren von OLED verabschiedet, weil man keine Perspektive sah, die Technologie massentauglich zu machen.

Für den Erfolg der neuen Generation der hochauflösenden Flachbildschirme spielt aber nicht alleine die Display-Technologie eine Rolle. In den abgedunkelten Showräumen der Elektronikmärkte werden die Testbilder der unterschiedlichen Systeme ohnehin ziemlich ähnlich aussehen. Und viele potentielle Käufer fühlen sich von den Branchenabkürzungen wie OLED, QLED, HDR oder Fachbegriffen wie DCI-P3-Farbraum hoffnungslos überfordert.

Damit kommen andere Fragen beim Fernseherkauf ins Spiel: Wie sieht das Gerät im Wohnzimmer aus? Wie dünn ist der Fernseher? Wie leicht kann man ihn an der Wand befestigen? Funktioniert die Sprachbedienung wie versprochen? Wie leicht kann man einen Streamingdienst wie Maxdome, Netflix oder Amazon Prime ansteuern? Und vor allem: Wie viel kostet der ganze Spaß?

Dass die Verbraucher in Deutschland dabei die Lust auf die Neuanschaffung eines Fernsehers verlieren, zeichnet sich nicht ab. Auch der Boom der Mobilgeräte hat nichts am Trend geändert: Die Konsumenten ersetzen im Schnitt nach sechs bis acht Jahren ihre TV-Geräte. Und da es in der Branche in den Jahren 2009 bis 2011 besonders gut gelaufen ist, rechnet nicht nur Samsung auch für 2017 mit einem guten Geschäft.

Veröffentlicht am:
05. 01. 2017
12:31 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon CES Displays Fernsehgeräte Marktführer Panasonic Corporation Philips GmbH Samsung Electronics Samsung Group Sony
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
T5-True-Wireless-Ohrhörer von Klipsch

05.09.2019

Das sind die Trends der Elektronikmesse IFA

Letzter Messestopp vor dem Weihnachtsgeschäft: Die IFA in Berlin bringt zahllose Neuheiten vom Riesen-Fernseher bis zum Mini-Kopfhörer - und setzt nun auch auf E-Mobilität. » mehr

Samsungs «The Serif»

05.09.2019

Die Fernseh-Trends der IFA

Der Fernseher ist längst kein reiner Empfänger von TV-Sendern mehr - sondern ein Knotenpunkt für unzählige Kanäle. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Hersteller und Kunden. Ein Ausblick. » mehr

4K-Auflösung

11.01.2018

Standard-Wirren in der Unterhaltungselektronik

4K, UHD, HDR, HDR10+, Dolby Vision: Beim Kauf eines neuen Fernsehers werden Verbraucher mit vielen Kürzeln und Fachbegriffen konfrontiert, die denen sie oft wenig anfangen können. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. » mehr

QLED Ambient Mode

30.08.2018

8K und Zappen per Sprache - Fernsehtrends der IFA

Mehr Kontrast, vor allem aber mehr Pixel: Nach 4K ist 8K der neue Fernsehtrend. Bis er sich im Wohnzimmer durchsetzt, wird es wohl noch dauern. Aktuell kommen auf TV-Geräte-Käufer stattdessen bessere Bilddarstellung und ... » mehr

Sonys 8K-TV-Gerät ZG9

08.01.2019

Dezent, smart und teuer - Die TV-Trends der CES

Ob Fernseher von der Rolle oder aus Klötzchen: Auf der CES in Las Vegas überbieten sich die Hersteller mit spektakulären neuen Geräten. Die Innovationen für den Massenmarkt liegen aber eher im Detail. » mehr

«Slowfie»-Funktion

02.10.2019

Das neue iPhone 11 im Praxistest

In der Einladung zum Launch der neuen iPhones hieß es «By innovation only». Nun sind iPhone 11 und iPhone 11 Pro in den Läden. Wie viel Innovation in den Modellen steckt, zeigt ein Praxistest. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 01. 2017
12:31 Uhr



^