Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Hunderttausende Elektrogeräte aus dem Verkehr gezogen

Rauchmelder mit Videoüberwachung, brennende Ladegeräte, störende Radiowecker - jedes Jahr nimmt die Bundesnetzagentur Ramsch-Produkte und verbotene Artikel vom Markt. Ein Kampf gegen Windmühlen.



Glühbirne
Auch Glühbirnen können so mit Technik ausgestattet werden, dass sie zu einem unerlaubten Überwachungsgerät umfunktioniert werden.   Foto: Ina Fassbender

Die Sorge um ihr Kind treibt manche Eltern zu extremen Maßnahmen. Da wird etwa eine Uhr erstanden, die anzeigt, wo die Kleinen gerade sind und mit der Gespräche abgehört werden können. Oder eine Puppe, mit deren Videoaugen sich das Kinderzimmer überwachen lässt.

Aber auch für misstrauische Vermieter böte sich etwas an: Rauchmelder mit eingebauter Videoüberwachung. All diese Dinge lassen sich problemlos im Internet bestellen. Doch in Deutschland sind sie verboten. Sie aus dem Verkehr zu ziehen, ist Aufgabe der Bundesnetzagentur. Und nicht nur solche Produkte.

Welche Produkte nimmt die Bundesnetzagentur vom Markt?

Billige Handyladegeräte, die überhitzen, oder deren Kontakte nicht ausreichend isoliert sind. Radiowecker, deren Signal den Flugfunk am Flughafen stört, oder Kopfhörer, mit denen sich der Polizeifunk abhören lässt. 90 Mitarbeiter der Behörde stöbern solchen Produkten nach, nehmen sie aus dem Verkehr und prüfen, wer sie in Umlauf gebracht hat. Sie machen Stichproben im Einzelhandel, laufen über Produktmessen, Trödelmärkte, besuchen kleine Handyläden.

460.000 unsichere Elektrogeräte hat die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr vom Markt genommen - ein Bruchteil dessen, was an verbotenen Geräten insgesamt auf dem Markt ist. «Das ist natürlich ein Kampf gegen Windmühlen», sagt Uwe Saalmann, der diesen Job schon viele Jahre macht. «Vor allem der Onlinehandel stellt uns vor massive Herausforderungen.»

Die Zahlen schwanken jedes Jahr und sind wenig aussagekräftig. 2016 waren es mehr als doppelt so viele Geräte wie im Jahr darauf. Mal wurde ein Container mit Tausenden verbotenen Importen mehr entdeckt, mal einer weniger. Und der Aufwand ist riesig.

Wie geht die Behörde vor?

Für jedes vom Markt genommene Gerät wird überprüft, wo es herkommt, wer es bestellt hat, wer der sogenannte Inverkehrbringer ist. «Wir gucken uns die gesamte Lieferkette an», sagt Saalmann. Einzelne Funksteckdosen werden im Messlabor überprüft, viele von ihnen beginnen zu brennen. Doch allein der dafür nötige Schriftwechsel dauert Wochen - und die Billigteile werden millionenfach produziert und importiert.

«Inverkehrbringer» ist derjenige, der die Ware bestellt - entweder für sich selbst, oder zum Weiterverkauf. «Der Besitz solcher Produkte ist verboten», sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Doch welche Konsequenzen drohen, ist immer unterschiedlich. «Da gehen wir mit Augenmaß vor», sagt Saalmann. Häufig ist es für den Käufer schon teuer genug, wenn die Bundesnetzagentur die Billig-Smartwatch einzieht.

Augenmaß lassen die Marktwächter selbst bei großen Handelsketten walten, wenn sich in deren Regalen verbotene Ramsch-Produkte finden. «Von Mutwilligkeit kann dabei in der Regel keine Rede sein», sagt Saalmann. Häufig handele es sich um Produkte, die für Sonderaktionen einmalig bestellt worden seien und bei denen in der Hektik nicht genau hingesehen werde. Dennoch: «Bei vielen Händlern wissen wir schon vorher, dass wir auf jeden Fall was finden werden», sagt er. «Da sind wir schon alte Bekannte.»

Wie erkennt man gefährlichen Ramsch?

Um gefährlichen Ramsch von Qualitätsprodukten zu unterscheiden, hilft ein genauer Blick auf die Kennzeichnung. Die Bundesnetzagentur rät, auf das CE-Kennzeichen zu achten. Es ist eine Erklärung des Herstellers, dass ein Gerät den in Europa gültigen Normen entspricht und nicht etwa überhitzt oder den Funkverkehr sowie den TV-Empfang stört. Eine Garantie ist das allerdings nicht, sagt Sprecher Fiete Wulff, eher ein Warnsignal. Fehlt es nämlich, sollte man die Finger von einem Produkt lassen. Weitere Hinweise sind Siegel wie «Geprüfte Sicherheit» (GS) oder eine brauchbare Anleitung in deutscher Sprache.

Wulff rät außerdem, Geräte vor dem Kauf möglichst gut in Augenschein zu nehmen. Wie ist die Verarbeitung, liegen vielleicht Kontakte frei? Sind Stecker locker oder von geringer Qualität? Im Zweifel sollten Verbraucher fragwürdige Elektronikgeräte besser nicht kaufen.

Anders verhält es sich mit sogenannten verbotenen sendefähigen Einrichtungen. Das können etwa Rauchmelder, Stifte oder Puppen mit eingebauten Kameras und Sendern zur drahtlosen Übertragung sein. Ihr Besitz und Betrieb ist laut Bundesnetzagentur verboten. Besitzer sollten sie unschädlich machen und der Agentur einen Vernichtungsnachweis schicken. In der Regel geht die Behörde allerdings nicht gegen einzelne Käufer vor.

Veröffentlicht am:
24. 08. 2018
17:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesnetzagentur Elektrogeräte Ladegeräte Polizeifunk Video-Überwachung Wirtschaftlicher Markt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ferngesteuertes Auto

21.04.2020

Worauf es bei ferngesteuerten Autos ankommt

Ferngesteuerte Autos gehören zu den Spielzeug-Klassikern. Oft entwickelt sich daraus ein echtes Hobby. Einsteigern stellt sich aber immer die Frage: Verbrenner oder E-Motor? » mehr

Bundesnetzagentur

10.01.2019

Netzagentur zieht Millionen Produkte aus dem Verkehr

Ob Bluetooth-Lautsprecher, Smartwatches oder drahtlose Kopfhörer - bei Technikprodukten aus Fernost lässt sich so manches Schnäppchen machen. Allerdings landen immer mehr solcher Artikel wegen Sicherheitsmängeln auf dem ... » mehr

Notebook gerät in Brand

29.01.2020

Der richtige Umgang mit Lithium-Akkus

Von den Lithium-Akkus in ihren Geräten nehmen Nutzerinnen und Nutzer oft keine Notiz - es sei denn, sie sind leer. Ein Fehler: Denn von den Batterien geht eine latente Brandgefahr aus. » mehr

Funkkopfhörer

04.01.2018

Polizei hörbar - Netzagentur nimmt Funkkopfhörer vom Markt

Eigentlich soll man mit ihnen kabellos Musik hören. Doch offenbar ist es bei vielen Funkkopfhörern auch kein Problem, dem Polizeifunk zu lauschen. Nun schreitet die Bundesnetzagentur ein. » mehr

LTE-Sendemasten

19.05.2020

Die 4. Mobilfunkgeneration ist lange noch nicht obsolet

Schon vor zehn Jahren wurde der «Datenturbo» im Mobilfunk versprochen. Damals endete die Versteigerung der Frequenzen für die neuen LTE-Netze. Mit der 4. Mobilfunkgeneration wurde das Fundament für ganz neue Dienste gele... » mehr

Das neue iPhone 11 im Praxistest

02.10.2019

Das neue iPhone 11 im Praxistest

In der Einladung zum Launch der neuen iPhones hieß es «By innovation only». Nun sind iPhone 11 und iPhone 11 Pro in den Läden. Wie viel Innovation in den Modellen steckt, zeigt ein Praxistest. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 08. 2018
17:12 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.