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Apple geht mit dem «iPhone X» ins Risiko

Die vergangenen Jahre hat Apple das iPhone jeweils nur moderat erneuert. Doch zum zehnjährigen Jubiläum des Megasellers soll vieles anders werden. Beobachter erwarten ein komplett überarbeitetes Spitzenmodell, das ohne den gewohnten Home-Button auskommen soll.



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Eigentlich wird das neue «iPhone X» erst am 12. September vorgestellt werden. Doch einige Details wurden nun schon bekannt.   Foto: Bodo Marks/dpa

Gut zehn Jahre nach dem Start der ersten iPhone-Generation wird von Apple wieder ein großer Wurf erwartet. Am Dienstag (12. September) soll ein Super-iPhone vorgestellt werden - mit einem Bildschirm, der praktisch die gesamte Frontseite ausfüllt und Gesichtserkennung.

Und die Neuerungen sollen ihren Preis haben: Es wird über einen Startpreis bei 1000 Dollar spekuliert, woraus bei den üblichen Apple-Preisen in der Top-Konfiguration locker noch 200 Dollar mehr werden können.

Ein Software-Leak bestätigte am Wochenende viele bisherige Erwartungen zum neuen iPhone die Gesichtserkennung, das große Display sowie wie gewohnt bessere Kameras und Chips. In der endgültigen Version des Mobil-Betriebssystems iOS 11 fand sich auch ein Name für das neue Gerät: «iPhone X». Zu den Überraschungen gehörten neue animierte Emoji, die in Nachrichten den Gesichtsausdruck des Nutzers annehmen können. Außerdem kann das neue iPhone den Nutzer wohl auch grundsätzlich im Blick behalten: So soll es nicht in den Ruhemodus schalten, solange man seine Augen darauf hat.

Als weitere Neuheiten erwartet werden von dem Event die dritte Generation der Apple Watch, die erstmals mit einem Mobilfunk-Anschluss unabhängiger vom iPhone werden soll, sowie ein neues Modell der Fernsehbox Apple TV mit 4K-Auflösung. Mit dem Event wird zudem das «Steve Jobs Theater» am gerade fertiggestellten riesigen neuen Hauptquartier eingeweiht. In diesen Wochen beziehen über 12 000 Mitarbeiter das riesige ringförmige Gebäude im neuen «Apple Park».

Das Aussehen der iPhones war seit Herbst 2014 weitgehend unverändert geblieben, obwohl jährlich das Innenleben und die Software erneuert wurden. Die Erwartung ist, dass ein aufsehenerregendes neues Modell die Verkäufe in Schwung bringen kann - viele Nutzer hätten ihre aktuellen iPhones länger behalten als zuvor.

Dabei rätseln Analysten und Reporter noch darüber, wie viele Geräte Apple zum Start - wahrscheinlich noch im September - auf den Markt bringen kann. Vermutlich werden es drei iPhone-Modelle sein: Die beiden verbesserten Varianten eines wahrscheinlichen iPhone 7S, das die aktuelle Form beibehält, dürften kein Problem sein. Beim brandneuen Modell rechnen zum Beispiel die Analysten von Citi Research aber damit, dass es erst im Oktober oder November in größeren Mengen verfügbar sein wird. Grund für die Verzögerung seien vor allem Probleme bei der Produktion der kontrastreicheren OLED-Displays, die das iPhone erstmals statt der üblichen LCD-Bildschirme bekommen werde. Das «Wall Street Journal» berichtete, die Schwierigkeiten hätten den Produktions-Fahrplan im Sommer um einen Monat zurückgeworfen.

Auslöser für die Probleme soll letztlich die Bildschirmgröße sein. Mit dem neuen flächendeckenden Design soll es zwar möglich sein, ein Display mit 5,8 Zoll Diagonale - mehr als bei den aktuellen Plus-Modellen - in ein Gehäuse zu packen, das nur leicht größer als beim Standard-iPhone ist. Doch der Verzicht auf einen Rahmen ober- und unterhalb des Bildschirms wirft Fragen auf: Was macht man mit dem Lautsprecher, der Selfie-Kamera und dem traditionellen runden Home-Button, den bisher alle iPhones hatten? Nach bisherigen Informationen finden Kamera und Lautsprecher in einer Aussparung am oberen Rand des Displays ihren Platz. Und ein virtueller Home-Knopf soll im Bildschirm selbst platziert werden.

Bleibt noch die Frage, wie gut die Gesichtserkennung «Face ID» den Fingerabdruck-Scanner ersetzen kann, der seit dem iPhone 5s von 2013 im Home-Button integriert ist. Er hat sich zu einem zentralen Element von Apples Sicherheits-Strategie entwickelt: Durch Auflegen des Fingers kann man nicht nur das iPhone oder eine Apple Watch entsperren, sondern auch Zahlungen über das Bezahlsystem Apple Pay freigeben - statt einer PIN-Eingabe. Dem Software-Leak zufolge soll auch das die Gesichtserkennung übernehmen. Derzeit nutzen aber auch Banking-Apps und andere sensible Programme die «Touch ID».

Erzrivale Samsung musste hämische Kommentare einstecken, nachdem Journalisten demonstriert hatten, wie leicht das Gesichtserkennungssystem mit Fotos oder Videos ausgetrickst werden kann. Bei Apple setzt Gerüchten zufolge eine weitere Kamera zur Tiefen-Messung oder ein Infrarot-Sensor ein, damit das System nicht so leicht ausgetrickst werden kann. Auf jeden Fall muss die Gesichtserkennung mindestens genauso schnell und ähnlich sicher funktionieren wie der bisherige Touch-ID-Scanner.

Samsung verlegte bei seinem Galaxy-Smartphone mit großem Bildschirm den Fingerabdruck-Scanner kurzerhand auf die Rückseite. Das stieß aber auch auf Kritik, weil die Anwender beim Entsperren des Smartphones immer wieder versehentlich die Kameralinse neben dem Fingerabdrucksensor verschmierten. Apple soll laut Medienberichten zunächst versucht haben, den Sensor direkt ins Display einzubetten. Das habe sich jedoch als zu große Herausforderung erwiesen und der Plan sei wieder aufgegeben worden.

Das neue Display soll auch ein Grund für den höheren Preis beim neuen iPhone sein. Der renommierte Branchenanalyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities schätzt, dass Apple 45 bis 55 Dollar für einen LCD-Bildschirm in den aktuellen iPhones ausgibt. Für die neuen komplexeren OLED-Displays verlange Hersteller Samsung aber bis zu 130 Dollar. Zugleich sieht der gut vernetzte Apple-Kenner John Gruber, der schon vor Monaten einen Preis-Rahmen von bis zu 1500 Dollar ein ein Spitzenmodell ins Gespräch brachte, darin auch einen Befreiungsschlag für Apple. Der Konzern könne neuere Technologien verwenden, wenn er nicht Dutzende Millionen Geräte fürs Weihnachtsgeschäft verfügbar machen müsse.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2017
14:20 Uhr

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11. 09. 2017
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