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Tempolimit: Aussitzen ist keine Haltung

Da mögen die Gegner noch so sehr schnauben vor Wut - ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist nur mehr eine Frage der Zeit.



 

Selbst falls die Politik sich weiter wegduckt und kein Bundestag je 130 verfügen sollte, mit jedem zusätzlichen Elektroauto werden wir uns diesem Wert nähern. Eher noch bleiben wir darunter. Man blicke nur auf all die teuren Teslas. Fast ausnahmslos auf der rechten Spur und nahe an zweistelligen Tacho-Werten. Dynamik kostet Distanz – alte Batteriefahrer-Weisheit . . .

Seit Jahrzehnten ist das Tempolimit eine Glaubensfrage. Und wie üblich spielt Vernunft da keine Rolle. Befürworter bemühen Umweltschutz, Verkehrssicherheit – und die Tatsache, dass der Rest Europas längst nicht mehr Vollgas fahren darf. Die Gegner kollektiver Einbremsung geben zu Protokoll, dass sich abseits der Autobahnen viel mehr Unfälle ereigneten, der Effekt fürs Klima bei hohem Zeitverlust bloß marginal sei – und überhaupt drohe dem Land ohne freie Fahrt der technologische Untergang.

Dabei sind alle vernünftigen Argumente bei den Tempolimitierern. Denn selbstverständlich stößt ein Auto bei flotter Fahrt mehr Abgase aus als bei langsamer, natürlich steigt mit der Schnelligkeit das Unfallrisiko – und dass es auf Landstraßen öfter kracht, könnte womöglich auch am dort herrschenden Gegenverkehr liegen.

Die Begrenzung freier Fahrt ist so logisch wie Tabakverzicht, Abstinenz, ausgewogene Ernährung und Sport in Maßen. Dass unvernünftige Menschen auch mal rauchen, zu fett essen, Alkohol trinken und auf der Couch lungern, taugt aber nicht als überzeugende Begründung dafür, dass man gelegentlich auch mal rasen dürfen müsse.

Denn während Raucher, Schlemmer, Säufer und Faulenzer in schlimmster Konsequenz bloß sich selbst zugrunde richten und allenfalls Kranken- und Sozialkassen schädigen, gefährden Raser stets auch andere an Leib und Leben. Da mag die Eigenwahrnehmung eine ganz andere sein – die Wenigsten derer, die die linke Spur für eine Tiefflug-Schneise halten, wären zu einer angemessenen Reaktion imstande, falls Unvorhergesehenes passiert.

Und genau darum ist Aussitzen keine Haltung. Selbst der ADAC ist wegen der gespaltenen Haltung seiner 21 Millionen Mitglieder vom kategorischen Nein abgerückt. Das ist zwar nicht mutig, aber ehrlicher als das Geeiere der SPD. Die hätte irgendwie gerne ein Tempolimit, lehnte aus Koalitionsräson aber gerade erst ab, weil der Vorstoß von den Grünen kam – nur um Tage später wissen zu lassen, 130 wäre eigentlich doch vernünftig . . .

Dabei hätte die SPD mit ihrer Umweltministerin Svenja Schulze nicht nur die stärkeren Argumente, sondern laut Umfragen sogar eine Mehrheit bei den Bürgern. Und was Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) denkt, ist ohnehin nachrangig. Der Mann stand schon bei der Ausländermaut mutterseelenallein auf der falschen Seite. Und noch nicht mal da hat er es gemerkt.

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
30. 01. 2020
16:00 Uhr

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30. 01. 2020
16:00 Uhr



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