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Strom-Rechnung

E-Autos bieten viel, sind aber zu teuer. Doch auch der technische Fortschritt lässt viele Käufer zögern.



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Es sind elektrisierende Zeiten. Bei fast allen Herstellern. Eben erst in Genf, wo sich die Auto-Branche mit Plug-Ins und Hybriden auf das Modelljahr einstimmt. Und mit dem Jaguar I-Pace wurde erstmals ein E-Mobil "Auto des Jahres". Das klingt nach "Strom aufwärts" und Aufbruch Richtung Klimaschutz.

Und es gibt genügend Kunden, die nach vernünftigen E-Autos suchen. Sollte man jedenfalls meinen. Batterie-Mobile, mit denen man den Alltag gut meistern kann – und die halbwegs normal verdienende Menschen noch ordern können, ohne gleich den Bausparvertrag kündigen zu müssen.

Die Wirklichkeit jedoch ist für die Umwelt weniger spannend. Denn eine andere Kurve zeigt wesentlich steiler nach oben: die der verkauften Sports Utility Vehicles. Da mögen alle noch so offiziell davon reden, dass Ressourcen geschont und Autos deshalb kleiner und sparsamer werden müssten – am liebsten ziehen sie bei den Herstellern die Tücher noch immer von den dicken Dingern.

Warum? Weil die Leute es so wollen. Gerade beim Autokauf sitzt das Geld derzeit locker wie selten. Nahezu alle Hersteller weisen Statistiken aus, wonach die Kundschaft eher zu top-ausgestatteten und damit hochpreisigen Modellen tendiert. Und so finden sich auch bei Gefährten mit Stecker vorrangig solche, denen man die Federbeine langgezogen hat – -groß, schwer und Leistung satt. Offenbar gilt: Wenn schon Akku, dann wenigstens mit Bums. Und so findet auch batteriebetrieben eines ganz sicher nicht statt: eine Wettfahrt ins Öko-Grüne.

Nicht ohne Grund fordern Fachleute, endlich Effizienz-Standards für E-Mobile einzuführen. Momentan, so das Argument, fehle für die Hersteller jeglicher Anreiz, sparsame Stromer zu konstruieren. Im Gegenteil: Die Politik duldet, dass die Autobauer gerade bei Plug-In-Hybriden mit völlig realitätsfernen Verbrauchswerten werben – gemessen im Labor mit randvoll geladener Batterie.

Wundern muss das alles nicht. Nach 130 Jahren mit Verbrennungsmotoren soll der Automobilbau sich jetzt bitte ganz schnell dahin entwickeln, wo er 1888 begonnen hat: Richtung Elektroantrieb. Das ist nicht Technikern eingefallen, sondern der Politik. Klimaziele in Gefahr? Feinstaub-Alarm? Fahrverbote? Also Tod dem Diesel und möglichst schnell her mit attraktiven Akku-Autos. Kein Auspuff – kein Problem.

Dabei haben Scharen von Psychologen längst untersucht, warum Menschen sich für ein E-Auto entscheiden – oder eben nicht. Die Antwort: Kauf und Besitz müssen einfach verlockend sein. In Norwegen zum Beispiel ist es die Aussicht auf immense Förderung, in London die freie Fahrt in die City, in China die einzige Chance, überhaupt ein Auto zulassen zu können.

Doch hierzulande ist es eben nicht sexy, ein E-Auto zu fahren. Oder cool. Oder irgendwas sonst Schönes. Schon weil die Infrastruktur nicht stimmt, dazu all das Kleinklein um Ladezeiten, Strompreise und Öko-Bilanz – und weil man für weniger Geld einen deutlich besseren Verbrenner bekäme.

Womöglich steht sich das Akku-Auto mit seiner rasanten Entwicklung selbst im Weg. Ständige Fortschritte bei der Zelltechnik, immer höhere Reichweiten – es ist ähnlich wie in den Anfangszeiten von Laptops oder Smartphones: Wer heute kauft, hat morgen schon was von vorgestern. Veraltet und vor allem unverkäuflich. Wer nur halbwegs klar im Kopf ist, wartet da lieber.

Und so funktioniert massenhafter Umstieg letztlich nur auf zweierlei Art: Entweder mit Anreizen – das hat die große Koalition schon mal fürchterlich an die Wand gefahren. Oder per Gesetz und festem Termin – doch dazu will sich das Kabinett Merkel IV nicht durchringen.

Dabei würde ein solches Szenario Verlässlichkeit schaffen. Für Hersteller, Stromnetz-Betreiber, Politik – und selbstverständlich die Bürger. Wer heute weiß, dass ab 2030 kein Verbrenner mehr vom Band läuft, kann sich darauf einstellen, ohne – wie etwa beim Diesel – massive Wertverluste erleiden zu müssen.

So oder so täuscht der fehlende Auspuff leider darüber hinweg, dass Gefährte mit Batterie eben nur dann umweltfreundlich unterwegs sind, wenn sie mit Strom aus Sonne oder Wind fahren. Aktuell aber stammen in Deutschland immer noch 40 Prozent dessen, was die Steckdosen verlässt, aus verfeuerter Kohle. Vornehmlich brauner. Und entscheidend grüner wird Strom in Deutschland auf absehbare Zeit nicht, weil der Zuwachs an erneuerbarer Energie vor allem den Rückgang an Atomstrom ausgleicht.

Es wäre höchste Zeit, Mobilität zur Chefsache zu erklären ...

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
14:43 Uhr

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