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Messe gelesen?

Zu teuer, zu altmodisch: Immer mehr Hersteller bleiben der IAA fern. Was gäbe es auch noch groß zu zeigen?



  Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Vielleicht parken sie ja noch ein wenig um. In Frankfurt auf den Ständen. Denn die Auto-Schau schlechthin, die dort unter dem Namen IAA vom 12. bis 22. September stattfindet, hat – mit Ausnahme der Ölkrise vielleicht – ausschließlich bessere Tage erlebt. Gewinnwarnungen bei Daimler, erste Pleiten in der Zulieferer-Branche, am Horizont die CO2-Steuer, und die Autofahrer verunsichert wie selten. Da gerät das gute alte Geschäftsmodell schwer ins Schleudern.

Zumal die Stimmung offenbar nachhaltig dreht. Das politische Berlin gibt sich eilfertig grün, und statt um Leistung und Beschleunigung kreist sich die öffentliche Debatte um Feinstaub und Fahrverbote. Nach Jahrzehnten des Nichtstuns oder vorsätzlicher Blindheit gegenüber allem, was mit Autoabgasen zu tun hat, will eine gefühlte Zwei-Drittel-Mehrheit des Bundestages dem Verbrennungsmotor den Ansaugtrakt zudrücken.

Die einen fordern Quoten, andere höhere Steuern und noch andere den Zwangsumstieg. So oder so huldigen sie von führender Stelle dem Elektroauto. Und alle Ideen haben gemeinsam, dass man sich am Ende als durchschnittlich Verdienender irgendwas mit Kolben nicht mehr wird leisten können. Zeit also, was mit Akku auf die Drehteller zu schieben.

Manche aber wollen nicht umparken. Schon gar nicht im Kopf. Denn am liebsten ziehen Hersteller ihre Tücher noch immer von den dicken Dingern. Gerne in Gestalt von Geländewagen oder solchen, die wenigstens ganz danach aussehen. Und wenn die Politik nach E-Autos ruft? Kommen eben protzige E-Autos.

Erst war rund um den Strom die Zeit so bleiern wie alte Akkus, jetzt plötzlich gibt’s Leistung satt im dreistelligen Bereich, sogar in Dimensionen über 1000 PS wird schon gedacht. Hauptsache gewaltig. Was das mit nachhaltiger Mobilität zu tun haben soll? Vermutlich wissen sie das noch nicht einmal in den Chefetagen ganz genau. Die stille Hoffnung: In China, Russland und sonstwo auf der Welt werden sie schon kaufen.

Dabei stehen die Autobauer längst nicht mehr untereinander in Konkurrenz, sondern weitaus stärker mit Google, Apple und sogar kleinen Start-up-Unternehmen. Weil die Zukunft nicht dem Auto gehört, sondern der Mobilität. Und weil die Vision nicht fern ist, dass die einen vernetzen und verdienen, während die anderen für kleines Geld nur mehr Bleche biegen und Achsen schweißen.

Womöglich hat also nicht nur das Gefährt, wie wir es kennen, ausgedient, sondern auch die überkommene Show dazu. Immer mehr Hersteller scheren aus aus der Reihe derer, die alle zwei Jahre auf der IAA ein fast schon verzweifeltes Hochamt zelebrieren. An die zwei Dutzend Marken werden dieses Mal in Frankfurt fehlen.

Die FCA-Gruppe mit Fiat, Chrysler, Alfa, Jeep und Abarth hat ebenso abgesagt wie die Franzosen mit Peugeot, Citroen und DS. Opel allein wird für den PSA-Konzern das Logo hochhalten. Daneben fehlen mit Kia, Suzuki, Subaru, Mitsubishi, Mazda, Nissan, Infiniti, Toyota und Lexus die meisten Asiaten – gerade mal Hyundai und Honda werden da sein. Obendrein glänzen Renault, Dacia, Volvo, Chevrolet, Cadillac allein durch Abwesenheit, aber auch Luxus-Karossler wie Aston Martin und Rolls Royce. Und ja: Der Strom-Anbieter Tesla schert sich nach Lage der Dinge kein bisschen um Frankfurt.

Was klein und von den Konkurrenten eher belächelt begann, verfestigt sich zum Trend. Man kann der IAA fernbleiben, ohne geächtet zu werden. Wirklich enthüllt wird dort ohnehin kaum mehr. Derlei geschieht längst spektakulärer und mit größerer Resonanz. Und weil sich das Auto immer mehr einem rasenden Computer angleicht, dienen immer öfter auch Elektronik-Messen wie die in Las Vegas als Fahrzeug-Kulisse.

Manche Hersteller rechnen auch einfach genauer. Um die 200 Euro kostet ein Quadratmeter Ausstellungsfläche. Für 50 Meter im Geviert kommt da schnell eine halbe Million zusammen. Da ist aber noch kein Messe-Stand hingestellt, keine Hostess hat gelächelt, keine Putzfee poliert, kein Häppchen ist serviert und nicht mal ein Karton Kugelschreiber werbend ans Publikum gebracht.

BMW will laut "Bild"-Zeitung nur mehr ein Viertel der üblichen 25 Millionen Euro ausgeben und statt 11 000 bloß noch 3000 Quadratmeter anmieten. Die Summen, die Mercedes stets in den allzweijährlichen Auftritt in der umgebauten Festhalle investierte, will man womöglich gar nicht wissen. Aber auch hier soll es, wie man hört, bescheidener werden.

Was wächst, ist hingegen der allgemeine Unmut. Diverse Gruppierungen haben Protest angekündigt, die Deutsche Umwelthilfe meutert sowieso – aber erstmals demonstriert auch die "Fridays for Future"-Bewegung. Der veranstaltende Verband der Automobilindustrie jedenfalls sucht schon nach Auswegen. Neben Herstellern und Zulieferern, so VDA-Präsident Bernhard Mattes, sollen verstärkt IT- und Technologieunternehmen teilnehmen.

Klingt tatsächlich, als sei die Messe langsam gelesen.

 

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
31. 08. 2019
18:00 Uhr

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