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Lust am leichten Laster

Beim neuen Crafter hat VW viel gefragt und dann gebaut. Das zahlt sich auch für die Kunden aus.



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Praktisch muss so ein Teil sein, robust und zuverlässig. Heißt ja nicht ohne Grund Nutzfahrzeug. Emotionen sind da eher kein Kriterium. Und von einem Wohnmobil mal abgesehen, sitzt wohl kaum einer zum Vergnügen in einem Kastenwagen. So glaubte man lange. Aber nur nützlich war gestern. Heute müssen Transporter mehr können als nur Pakete, Werkzeug, Lasten oder Menschen zu bewegen.

Haben sie sich bei VW auch gedacht. Aber was genau sollte zählen beim neuen Crafter? Die einen hätten es gerne wendiger, die anderen länger und mit mehr Zuladung. Weil die einen Gemüse in die Innenstadt bringen und die anderen Putzmörtel auf die Baustelle. Und wer lange Strecken am Stück fährt, hat ganz sicher andere Wünsche als einer, der andauernd raus muss aus dem Wagen und wieder rein.

Darum haben sie vor dem Bauen einfach mal gefragt. Nicht so sehr bei denen, die man so gerne "Experten" nennt, sondern genau bei denen, die den Nützling später mal bewegen sollen. Schließlich wissen gerade die verdammt gut, was man wirklich braucht – und worauf man gut und gerne verzichten kann.

Und so sind beim Crafter aller guten Dinge drei: Es gibt Kasten, Kombi und Pritsche; drei Längen (5,99, 6,84 und 7,40 Meter), drei Dachhöhen (2,35, 2,60 und 2,80 Meter), drei Diesel-Motoren (102, 140 und 177 PS) und mit Front-, Heck- und Allradantrieb drei Konzepte. Macht alles in allem 69 mögliche Kombinationen. Wegen der Feinstaub-Debatte wichtiger denn je: Noch im Laufe des Jahres kommt eine Akku-Version mit einem 136 PS starken E-Motor und einer Reichweite von 200 Kilometern bei maximal Tempo 80.

Es fährt sich schick im neuen Crafter. Nicht nur, weil er mit dem Markengesicht fast schon aussieht wie ein Tiguan, sondern weil der Sitz zig-fach verstellbar ist, auf Wunsch mitschwingt oder den Rücken massiert. Vorbei die Zeiten, in denen ein Transporter zwanghaft unbequem, laut und spartanisch sein musste. Schließlich macht seinen Job am
besten, wer sich am Arbeitsplatz wohlfühlt.

Das moderne Cockpit erinnert mit voller Absicht an den T6. Dazu gibt es des bequemeren Einstiegs wegen ein unten abgeflachtes Lenkrad – vor allem aber jede Menge Raum für Handy, Paketscanner, Laptop, Wasserflaschen, Kaffeebecher, Zollstock, Taschenlampe, Handschuhe und all die anderen Dinge, die man den Arbeitstag über eben so braucht. Auch an USB- und 12-Volt-Steckdosen herrscht kein Mangel.

Die Motoren, allesamt Zwei-Liter-Diesel mit SCR-Kat, machen ihren Job unaufgeregt und nur wenig hörbar. Für den innerstädtischen Lieferdienst tut’s sicherlich der schwächste, hat man Schweres oder Eiliges im Kreuz, darf’s gerne auch etwas stärker sein. Die Kraft sortiert sich von Hand über sechs Gänge oder – höchst entspannend – automatisch in acht Stufen.

Die Federung ist zweckmäßig straff und erfreulich wankstabil. Damit alles im Lot bleibt, haben sie in Hannover fünf verschiedene Hinterachsen konstruiert. Je nach Antrieb, Ladung und Einsatz. Am Ende sorgen die Fahrwerke schon fast für Pkw-Gefühl. Da macht dann sogar ein leichter Laster Lust.

Möglich wird das auch, weil – erstmals in einem Transporter – die Servolenkung elektromechanisch arbeitet. Damit hält der Crafter auf Wunsch ein Gespann stabil, findet in und aus Parklücken, und falls es mal stürmisch wird, hilft bei Kasten und Kombi der serienmäßige Seitenwind-Assistent. Ebenfalls im Angebot: Abstands-Tempomat, Rückfahrkamera und Sensoren, die warnen, bevor man sich hässliche Dellen in die lange Flanke fährt.

Trotz aller Technik ist der Crafter aber auch ein Arbeitstier. Mit Frontantrieb steckt er in der längsten Version 18,4 Kubikmeter Fracht weg. Das entspricht sechs Euro-Paletten oder neun Roll-Containern – bei maximal vier Tonnen Zuladung. So viel darf auch der Allrad verfrachten. Heckgetrieben packt er sogar bis zu 5,5 Tonnen. Und ein Anhänger bis 3,5 Tonnen darf auch noch ran. Interessant für Werkstattfahrzeuge und andere Schwerarbeiter: Mit dem optionalen Nebenabtrieb lassen sich am Getriebe bis zu 40 Kilowatt Leistung abnehmen.

Gute Nachricht für alle Kurierfahrer und Paketboten: Der Einstieg in den Laderaum ist zehn Zentimeter niedriger als beim Vorgänger - und die Schiebetüren laufen schneller. Serienmäßiger Clou: Fahrerkabine und Laderaum lassen sich per Funk getrennt öffnen und schließen.

Apropos Vorgänger: Der Einstiegspreis für das Basismodell mit 102 PS, mittlerem Radstand und Hochdach liegt mit 35 475 Euro (knapp 30 000 Euro netto) rund 2000 Euro günstiger.

Wie es aussieht, hat VW mit dem kleinen Laster Großes vor.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
09. 03. 2017
16:45 Uhr

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09. 03. 2017
16:45 Uhr



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