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Im Reich von lang lang

Im Augenblick schwelgt Volkswagen im Geist des Käfers: Es läuft und läuft und läuft. Chef-Wechsel? Konzern-Umbau? Affen-Versuche, Software-Betrug? Milliarden-Strafen? War - gestern? Ach, in einer anderen Zeit. Hier und heute freut man sich an Absatzrekorden. Und was man so hört aus Wolfsburg, wird morgen noch besser.



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Das hat viel mit dem Reich der Mitte zu tun. Jeder zweite neue VW fährt inzwischen dort, weshalb die Mitte für VW eine goldene ist. Und der Absatz dürfte weiter steigen. Während der Neuwagen-Käufer in Europa um die 50 Jahre zählt, ist er in China gerade 30. Ein Markt schier unvorstellbaren Ausmaßes. Und die Parteiführung öffnet ihn gerade weiter. Da wundert es nicht, dass seine erste Auslandsreise den neuen Konzern-Chef Herbert Diess nach Peking führt. Am Eröffnungstag der Auto-Show ist die Volksrepublik für die Oberen von Volkswagen noch mehr als sonst das Land des Lächelns. Es gilt Wagen fürs Volk zu verkaufen.

Und das lechzt nach Gehobenem. In nur fünf Jahren seit 2012 hat sich China gewandelt: vom reinen Limousinen-Markt zur Heimat des Sports Utility Vehicle. Nach aktuellen Prognosen dürfte bald jeder zweite Neuwagen in China ein SUV sein. Auch wenn Cityflitzer angesichts von Platznot und Verkehrsinfarkt die klügere Lösung wären – das Reich der Mitte ist eben auch das Reich von lang lang. Wer auf sich hält, lässt fahren. Oder zeigt wenigstens per Radstand und umbautem Raum, dass er seine Zeit im Stau erhaben abzusitzen gedenkt.

Kein Wunder, dass fast alle Hersteller vorrangig Gefährte offerieren, die beinahe eine eigene Postleitzahl beanspruchen. Weil offenbar schon der Bentley Mulsanne im Verdacht der Kürze steht, hat die VW-Tochter extra eine EWB-Version mit verlängertem Radstand im Fernost-Angebot. Serienmäßig gerade noch bestehen können Konzern-Schwergewichte wie Bentley Bentayga, Lamborghini Urus, Audi A8L, VW Touareg und das Concept-Car Porsche Mission-E Cross Tourismo. Lediglich mit dem Skoda-SUV Kamiq darf‘s ein bisschen kleiner sein – und erschwinglicher.

Für Traditionalisten hat Diess aber auch maßgeschneiderte Limousinen im Messe-Gepäck. Neben der Arteon-Kopie "CC" gibt es den neuen "Lavida". Der fernöstliche VW-Bestseller auf Jetta-Basis wurde um 6,5 Zentimeter gestreckt und mit einer modifizierten Klimaanlage für den Fond ausgestattet.

Selbstverständlich steht auch der I.D. Vizzion auf dem Drehteller. So groß wie ein Passat, aber mit dem Platz eines Phaetons. Mit ihm sollen bis 2020 autonomes Fahren und E-Mobilität zusammenfließen. China ist schließlich nicht nur das Absatzgebiet schlechthin. Es ist auch der am schnellsten wachsende Markt für Elektroautos. Und so ist es nicht übertrieben, wenn der dortige VW-Markenchef Stephan Wöllenstein von der Schwelle zu einer neuen Zeit spricht.

In China ist eben alles größer, eindrucksvoller. Der Drang in die Städte, die Staus, der Smog. Und auch der Druck der Regierung. Um 3,5 Millionen Verbrenner auf den Markt bringen zu dürfen, muss man als Hersteller ab 2019 bereits zehn Prozent als Credits in Form von E-Mobilen sammeln. Und jedes Jahr werden es zwei Prozent mehr. Plug-In-Hybride zählen doppelt, reine Akku-Autos vierfach, solche mit mehr als 250 Kilometern Reichweite fünffach. Noch in diesem Jahr kommt daher eine Plug-In-Version des Tiguan, dazu ein Batterie-Bora. Ab 2020 startet dann auch in der Volksrepublik die elektrische I.D.-Familie.

Wer am Geschäft teilhaben will, darf aber nicht einfach nur liefern. Er muss gemeinsame Sache mit den Chinesen machen und vor Ort bauen. Zumindest noch bis 2022. VW pflegt diese Joint-Venture länger als jeder Mitbewerber. Vor mehr als 30 Jahren rollte in Shanghai der erste Santana vom Band. Seither hat die Marke mit ihren Partnern SAIC und FAW mehr als 27 Millionen Autos verkauft – 3,2 Millionen allein 2017. Mit 13 Prozent Marktanteil ist VW mit Abstand führend.

Und hat umgedacht: Weil derartige Riesenmärkte von Wolfsburg aus kaum mehr klug zu steuern ist, übertrug der Konzern Verantwortungen an Regionen. Die Volkswagen Group China ist damit für das gesamte Geschäft selbst verantwortlich – bis hin zu Entscheidungen über die Modell-palette.

Mehr als 20 Autos sind das derzeit, darunter eine Vielzahl speziell entwickelter Fahrzeuge wie der Teramont, der Phideon oder der Lamando. Heute produziert Volkswagen an 19 Standorten im ganzen Land. Und dort wird man gut zu tun bekommen. Bis 2020 will VW die Kollektion vollständig erneuern und erweitern. Konkret heißt das: 38 Modelle – allein ein Dutzend davon sind SUV. Der Touareg ist erst der Anfang…

 

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
27. 04. 2018
11:00 Uhr

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