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Erste Ausfahrt Vollgas

Klar ist das kein normaler Golf. Auch wenn es aus der Ferne beinahe so aussieht. Man müsste sich halt die dicken Backen wegdenken, den gewaltigen Luftauslass in der Motorhaube und den wuchtigen Heckflügel. Aber so sehen Autos nun mal aus, deren Geläuf üblicherweise nicht von Leitpfosten begrenzt ist, sondern von rot-weiß lackierten Curbs.



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Und vielleicht muss man so eine Rundenzeitmaschine einfach mal gefahren sein, um die Faszination zu ermessen. Auch wenn das Ambiente wenig einladend wirkt. Das Innere ausgeräumt, die Fahrgast-Zelle eine im Wortsinn. An die 40 Meter kunstvoll verschweißtes Stahlrohr, spartanische Sitzschale, Gurte, Feuerlöscher, Regler für die Bremsen-Balance. Komfort ist nun mal nicht die Kernkompetenz eines Siegerautos.

Und ein Siegerauto ist der Golf. Gebaut für die TCR. Eine noch junge Tourenwagen-Serie. Weltweit auf dem Vormarsch, mit klugem Reglement. Vier Türen, zwei Liter Hubraum, Frontantrieb. Den Rest regelt die "Balance of Performance". Zwei Rennen pro Wochenende: Wer im ersten siegt, muss zuladen oder Leistung drosseln. Das sorgt für Spannung. Aktuell gibt es ein gutes Dutzend nationale Serien plus einen weltweiten Wettbewerb. Dort hat der Franzose Jean-Karl Vernay den Titel geholt. Mit einem Golf TCR. Die Auszeichnung als "Model of the Year" sprang ebenfalls heraus.

Das tut wohl in Hannover. Da wo VW Motorsport seinen Sitz hat. Lange Zeit sind sie von dort aus siegreich um den Globus gezogen. Haben mit dem Race-Touareg in der Wüste abgeräumt, später mit dem Polo WRC auf Asphalt, Schnee und Schotter. Viermal in Folge Weltmeister. Dann kamen der Diesel-Skandal, die Milliarden-Strafen – und die Bosse in Wolfsburg drehten am Hauptschalter. Werkseinsätze waren gestern. Das Morgen hieß Kundensport. Zum Glück gab es da gerade die TCR…

Die war wie geschaffen für den Golf GTI. Basis-Aggregat, Lader vom Golf R dazu, fertig. Gleich in der Premieren-Saison 2016 feierte der 330 PS starke Debütant den Titel. Der für 2017 hatte schon 350 – und einen Extra-Kit für Langstrecken-Rennen wie die 24 Stunden am Nürburgring.

Doch Technik ist nur eine Hälfte, die andere heißt Geschäft. Allein in der deutschen TCR-Serie waren 2017 bei 14 Läufen mehr als 40 Autos von sechs verschiedenen Herstellern am Start. Allesamt Konkurrenten. Nicht nur auf der Strecke. Kundensport bedeutet, Autos an Rennställe oder solvente Privatiers zu bringen. Auch da gilt: Die Konkurrenz ist böse und schläft nicht. Und natürlich hat, wer siegt, ein Argument mehr.

Denn die Preise geben sich nicht viel. Samt sequenziellem Getriebe kostet ein Golf TCR 115 000 Euro. Plus Steuer. Im Vergleich mit anderen Rennsport-Aktivitäten rangiert derlei unter "bezahlbar". Zumal der Motor mindestens zwei Saisons halten soll. Und selbst im Fall der Fälle fände sich das Notwendige im ganz normalen VW-Teilelager.

Aktuell schauen alle aufmerksam nach Alzenau, wo Hyundai den i30 N mit gezieltem Blick Richtung TCR gebaut hat. Was man so hört, dürfte er der stärkste Gegner zum Saisonstart Mitte April in Oschersleben sein. Zumindest so lange, bis die Bremsen des Reglements greifen.

Direkt reagieren können sie bei VW nicht. Noch nicht. In seiner aktuellen Ausbaustufe ist der Golf bis 2019 technisch unantastbar. Erst 2020 darf ein anderes Modell kommen. Eine neue Front samt Kotflügeln indes haben die Regelhüter gestattet. Für den optischen Angleich an das geliftete Serienmodell. Und ein bisschen im Windkanal gearbeitet haben die Hannoveraner natürlich schon.

Getestet wird auf dem Kurs von Vallelunga nördlich von Rom. Strahlender Sonnenschein, kühler Asphalt. Wer noch Autos ohne elektronische Unterstützung kennt, ist im Vorteil. Auf Rennstrecken haben Assistenten frei. Selbst eine Servobremse sucht man vergeblich. Bei ordentlichem Tritt jedoch verzögert der Golf, als würfe man einen Anker. Auch dann noch, wenn die Scheiben heiß sind und es unter dem Serienpedal weich würde.

Gutmütigkeit indes ist nicht serienmäßig. Der Golf TCR macht, was man will. Und zwar genau das. Äußerste Aufmerksamkeit am Volant ist daher oberstes Gebot. Gefühl im Gasfuß obendrein. Selbst mit einem gutmütigen Setup arbeitet das Heck bei jedem Lastwechsel. Hat man den Bogen aber erst mal raus, lässt sich der TCR sauschnell ums Eck treiben.

Was man halt so für sauschnell hält. Bei den Jungs vom Team Engstler wäre man allerdings weder bei der Abstimmung noch beim Tempo satisfaktionsfähig. Wenigstens zeigen einem die Rundstrecken-Spezialisten, wie’s sausauschnell geht. Sieht  beneidenswert einfach aus. Andererseits: Ist deren Job – und womöglich tun die sich ja wiederum mit dem Schreiben von Artikeln nicht ganz so leicht…

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
04. 01. 2018
14:00 Uhr

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04. 01. 2018
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