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Ein bisschen Spaß ...

Autos werden immer mehr zu Alleskönnern. Dabei wollen viele Käufer einfach bloß fahren.



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Was hätte man doch für ein Glück, wenn man sich zur offenbar stetig wachsenden Schar moderner, urbaner und ständig vernetzter Lifestyler zählen dürfte. Man wäre jung, gutaussehend und käme zwischen top-dotiertem Job und durchflirteten Nächten in den angesagtesten Clubs gerade noch so rum mit all dem Surfen, Tauchen und Paragliden. Und irgendein supertoller Wagen, bevorzugt mit langgezogenen Federbeinen, wäre stets treuer Begleiter.

Glaubt man den Herstellern, werden Autos für praktisch niemand anderen mehr konstruiert. Wobei Auto schon ein schwieriger Begriff ist, weil es sich bei den Schöpfungen ja bevorzugt um sogenannte Crossover handelt. Jene rollenden Konglomerate, in denen angeblich alles aufs Feinste miteinander verschmilzt: Alltag und Abenteuer, Funktion und Freude, Stadt und Staub, Gegenwart und Zukunft, Technik und Mensch.

Auch als "Early Adopter" müsste man sich prima fühlen. Als Erster, der neue Technik ausprobiert. Kohle genug für ein autonomes Elektroauto, das – frisch geladen von den Solarzellen auf dem Carport des mondänen Eigenheimes – einen wie von Geisterhand ins Manager-Büro chauffiert, während im Bildschirm vollautomatisch die Skype-Verbindung zu Gattin und Kindern aufgebaut wird.

Dummerweise unterscheidet sich die reale Welt ziemlich heftig von der virtuell perfekten der Hersteller-Videos: Dass es Menschen gibt, die kein Architekturbüro leiten, nicht irgendwas mit Medien machen oder mit Investment-Banking – sei’s drum. Dass nicht alle aussehen wie aus dem Model-Katalog – geschenkt. Dass der Durchschnitts-Käufer fast 53 ist und eben nicht Anfang 30, fällt da schon mehr ins Gewicht. Vor allem aber können die Wenigsten einfach mal so beim Händler des Vertrauens vorbeiflanieren, um den nächsten für all die hippen Hobbys kompatiblen Neuwagen in Auftrag zu geben.

Ähnlich wie sonst in der Republik geht die Schere auch beim Autokauf immer weiter auseinander. Verstärkt verzeichnen fast alle Hersteller einen Trend zu gehobener Ausstattung. Soll heißen: Wenn schon Karre, dann richtig. Im Zweifel – und bei fixem Budget – wird’s aber eher der kleinere Motor, Hauptsache, es reicht für jede Menge Annehmlichkeiten. Das war früher anders. Für Vortrieb satt wurden da schon mal Schiebedach und Sitzheizung drangegeben.

Am unteren Ende hingegen zählt jeder Euro. Kein Segment ist so hart umkämpft wie das der Kleinst- und Kleinwagen. Wer da in der Gunst vorne liegen will, muss pass- und preisgenaue Pakete bieten – sonst wandern die Kunden blitzschnell ein Autohaus weiter.

Doch auch im Premium-Segment hat’s Grenzen. Vor allem beim autonomen Fahren. Was Hersteller wie Verkehrsminister in höchsten Tönen preisen, kommt nach einem Zwischenschub nicht richtig voran. Langsam dämmert es den Leuten offenbar, dass es so schnell doch nichts wird mit Zurücklehnen und E-Mails-Checken während der Fahrt.

Selbstverständlich ist Assistenz ein Segen. Mit einem alten Auto kracht man nach einem Moment der Unaufmerksamkeit ruckzuck ins bereits stehende Gefährt des Vordermanns – im modernen Pendant erkennen Kameraaugen und Radarsensoren den drohenden Crash, und ein schlauer Algorithmus verfügt eine Vollbremsung noch bevor wir überhaupt erschrocken sind. Andererseits: Den nervenden Spurhalte-Assistenten schalten die meisten doch schon aus, bevor sie aus der Hofeinfahrt gerollt sind.

Und am Ende widerstrebt es vielen dann schon, ein gerne auch mal fünfstelliges Sümmchen dafür aufzuwenden, dass sie zu schlechter Letzt eben doch weiterhin konzentriert hinter dem Lenkrad wachen müssen, weil es für Level vier oder gar fünf des autonomen Fahrens halt trotzdem noch nicht reicht.

Womöglich sind gerade die Deutschen aber auch im besten Sinne altmodisch. Diverse Umfragen zeichnen da ein ziemlich einhelliges Bild: Zwei Drittel vertrauen schlicht der Technik nicht – und fast genauso viele haben einfach noch zu viel Spaß daran, selbst zu fahren.

Sieht ganz so aus, als wäre urbaner Lifestyle beim Auto doch nicht alles …

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
20:15 Uhr

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17. 10. 2019
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