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Dicke Backen 2.0

Der neue Audi A3 wagt mehr Design und kommt mit viel Ausstattung. Die allerdings will auch bezahlt sein.



Der neue Audi A3   » zu den Bildern

Wer Hand an eines seiner wichtigsten Modelle legt, sollte mit Augenmaß zu Werke gehen. Das weiß man nicht nur in Ingolstadt. "Lass’ gut sein" wäre also für die vierte Generation des A3 eine vertretbare Devise gewesen. Schließlich könnte jeder beherzte Schritt auch einer weg sein von dem, was gut fünf Millionen Kunden in 24 Jahren schätzen gelernt haben. Und was, wenn nicht Verlässlichkeit, sollte man preisen in einer Zeit, da die Welt – nicht erst seit Corona – zunehmend aus den Fugen gerät?

So gesehen haben sie sich mit dem Neuen richtig was getraut. Das fängt bei der Front an, die endlich mal nicht nur ein schwarzes Loch unter breiter Haube ist. Noch immer nicht filigran, aber stimmig gefasst von kantigen Lichtern und Kühlschlitzen. Dazu einwärts gewölbte Flanken, die dem A3 ohne Wucht zu schicken dicken Backen à la Ur-Quattro verhelfen – nach Ingolstädter Design-Maßstäben fast eine Revolution. Die optionale LED-Matrix strahlt je nach Modell in spezieller Signatur – quasi ein Schriftzug aus Licht. Ab Mai zu besichtigen im Schaufenster.

Innen geht’s eher zackig zu: mit Alu-Leisten, Carbon-Blenden, markanten Türöffnern und digitalem Cockpit. Von fehlenden Knöpfen und dem fast schon winzigen Wählhebel mal abgesehen aber ist alles vertraut. Platz ist vorne üppig – und selbst hinten hat’s reichlich Raum für Kopf und Knie. Jedenfalls dann, wenn man einmal drin ist. Der Türausschnitt ist nicht üppig – und das schnittige Dach fordert beim Einstieg etwas Demut.

Wer’s nachhaltig schätzt: Im 4,34 Meter langen A3 kann man auf Bezügen aus Recycling-Kunststoff Platz nehmen. Pro Sitz wird Granulat aus 45 PET-Flaschen versponnen. Hinter die zweite Reihe passen 380 Liter Gepäck, mit umgeklappten Lehnen sind es 1200. Rückblickend betrachtet wird klar, warum die Heckkamera eine kluge Wahl ist – es sei denn, man gönnt sich gleich Automatisches für die Lücke.

Per User-ID lassen sich gänzlich eigene Einstellungen konfigurieren – von Sitz- und Lenkradposition bis zu Bildschirm-Menüs und Lieblingssendern. Einmal in der Cloud gespeichert, kann man auch andere Gefährte personalisieren. Weitere wichtige Neuerung: Dank "shift by wire" wird das optionale siebengängige Doppelkupplungsgetriebe nicht mehr mechanisch gesteuert, sondern per Datenfluss. Damit kann der A3 künftig noch weit mehr Aufgaben ganz allein erledigen.

Der Clou: Vieles von dieser Assistenz kann man nachrüsten. Genauer: gegen Entgelt freischalten. Weil Sensoren sowieso an Bord sind und allein Software den Unterschied macht. Das hat Vorteile für beide Seiten. Käufer mit begrenztem Budget verbauen sich spätere Optionen nicht – und Audi kann Gebrauchtwagen auf Kundenwunsch hin aufrüsten.

Aber wie das so ist mit Revolutionen – sie fordern stets auch Opfer. So gibt es keinen Dreitürer und wohl auch kein Cabrio – einzig die Stufenheck-Limousine hält sich als Karosserie-Variante. Immerhin: Für die Tour über Stöckchen und Steinchen kommen Allrad-Versionen ins Angebot. Und: Mit höchst unterschiedlichen Motorisierungen ist die Auswahl groß.

Der konzernweit bewährte 1,5-Liter-Vierzylinder mit variablem Turbo und Zylinderabschaltung liefert spritzige 150 PS – in ein paar Wochen auf Wunsch zusätzlich spannungsgeladen mit 48 Volt. Einen Dreizylinder mit 110 PS reicht Audi in Kürze ebenso nach wie betont Sportliches aus der Rubrik S und RS. Wichtig für Viel- und Weitfahrer: Selbstzündend stehen ordentliche 115 und souveräne 150 PS zu Wahl. Mit Speicherkat und doppelter AdBlue-Reinigung.

Abgestimmt ist der A3 eher sportlich, tendiert im betont flotten Bogen aber früh Richtung Tangente. Wer es mal zart, mal hart schätzt: Verstellbare Dämpfer, die den Namen auch verdienen, sind im Angebot – inklusive weniger Luft nach unten. Die serienmäßige Progressiv-Lenkung wird mit wachsendem Winkel direkter. Verlangt von Neulingen etwas Gewöhnung, erfreut aber mit hoher Präzision.

Los geht’s bei 28 900 Euro, doch das ist eben erst der Anfang. Der A3 bietet zwar Assistenz der Oberklasse – aber fast ausschließlich gegen Aufpreis. Mit dem optionalen Head-up-Display gibt’s alles Wichtige direkt auf die Scheibe, Radio und Navi lassen sich auf Wunsch per Sprache steuern. Wenn man es sich leisten mag und kann, hält Audis Jüngster artig Spur und Abstand, äugt achtsam in den Querverkehr und kann bis Tempo 210 teilautonom unterwegs sein. Immerhin: Ab Werk hilft er beim Ausweichen, warnt bei mangelnder Linientreue und bremst auch für Fußgänger.

Es ist eben wie im richtigen Leben: Dicke Backen kosten ...

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
23. 04. 2020
17:30 Uhr

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23. 04. 2020
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