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Bogen-Spannung

Mut haben sie bei Kia, das muss man ihnen lassen. Nicht nur, dass sie binnen kurzer Zeit ihr altes Image aus "irgendwas mit billig und sieben Jahren Garantie" abgestreift haben - jetzt fordern sie mit ihrem Deutschland-Bestseller explizit den König der Kompaktklasse heraus. Und zwar in Technik und Design.



Frisch-frecher Kia ProCeed   » zu den Bildern

Es begann vergleichsweise harmlos. Für die dritte Generation des Ceed hat das Team um Kreativ-Chef Peter Schreyer schickes Blech gefältelt: inspiriert vom schnittigen Sportler Stinger, aber irgendwie auch massentauglich. Mit breiterer "Tigernase", größeren Lufteinlässen und ausnahmslos fünf Türen. Im Vergleich zum Vorgänger deutlich gefälliger – um nicht zu sagen golfiger. Erst die Kompakt-Version, dann der Kombi. Alles wie gehabt.

Von wegen! Stellen doch die Koreaner als ­Variante drei plötzlich einen derart frisch-frechen ProCeed hin, dass einem die Augen übergehen. Bogig
geduckt und messerscharf gezeichnet. Was sich im Fachjargon "Shooting Brake" nennt, ist ein extra­vaganter Mix aus Kombi und Coupé. Mit gerade mal 1,42 Metern Höhe der absolute Flachflitzer im Kompaktsegment. So eine Nummer trauen sie sich ansonsten nur bei Mercedes. Was viel sagt über das neue Selbstbewusstsein bei Kia.

Noch nicht mal Opfer im Fond fordert der gestalterische Mut. Im Gegenteil: Bei 2,65 Metern Radstand sitzt man trotz des kühnen Abschwungs auch in zweiter Reihe noch höchst ordentlich. Nur an der B-Säule müssen die Beine ein wenig vorbeigemogelt werden. Hinterm Gestühl steckt der ProCeed noch stolze
594 Liter weg – bloß 30 weniger als der Kombi. Und mit umgeklappten Sitzen sind’s immer noch gute anderthalb Kubikmeter. Danach streckt sich manch anderes Gepäckabteil dieser Klasse vergebens.

Besonderes Lob gebührt den Entwicklern, dass sie trotz Spannungsbogen den Sinn fürs Praktische bewahrt haben. Die Form nämlich folgt der Funktion und mündet in eine tiefe Ladekante. Passend dazu gibt’s ein höchst pfiffiges Verstau-System mit Unterflur-Ablagen für Abdeckung und Trenn-Netz sowie Schienen mit stufenlos verschiebbaren und sogar schräg zu arretierenden Halterungen samt Spanngurten.

Vorschub leisten an der Basis ein agiler 1,4-Liter-Turbo (140 PS) sowie ein ebenfalls überzeugender und angenehm leiser 1,6-Liter-Diesel (136 PS). Beide sind gegen 2000 Euro Aufpreis zum Sechs-Gang-Schaltgetriebe auch mit sanft sortierendem Sieben-Gang-DSG samt Lenkrad-Wippen zu haben und bewegen den gut 1,4 Tonnen schweren ProCeed auskömmlich durch den Alltag.

Streng genommen aber gehört zum Schwung im Dach auch der unter der Haube – und also die GT-Version samt 1,6-Liter-Turbo mit 204 PS. Passend zur Power gibt’s außen größere Bremsen mit roten Sätteln, Sportfahrwerk samt 18-Zöllern, Heckdiffusor und Klappen-Auspuff, innen kommen Sportsitze, schwarzer Himmel und Alu-Pedalerie dazu – und obenauf beheizbare Frontscheibe und sensorgesteuerte Heckklappe. Knapp die Hälfte der Kunden wird diese Top-Version ordern. Askese beim Kia-Kauf war gestern.

Das gilt auch für die dem Golf ebenbürtige Sicherheitstechnik. So hält der ProCeed je nach Ausstattung nicht nur Tempo, Abstand und Spur, er fährt bis Tempo 130 sogar teilautonom – inklusive Stop and Go in der Kolonne. Obendrein beäugt er Querverkehr und tote Winkel – und bremst zur Not auch für Fußgänger. Das ist in dieser Klasse schon eine Ansage.

Die Federbeine schaffen einen erfreulich guten ­Spagat zwischen schick-straff und alltäglich-komfortabel. Flott manövriert erweist sich Kias Flachflitzer als überaus agil und drängt in sehr zügig gefahrenen Kurven erst ganz spät und immer noch gut kontrollierbar Richtung Tangente. Im Gegensatz zur Limousine gibt auch die Lenkung ausreichend Rückmeldung.

Und so wird trotz des schicken Hecks links vorne zum schönsten Platz im ProCeed. Das Gros des Interieurs ist weich umschäumt, über der Konsole thront ein Sieben-Zoll-Touchscreen – nur rückblickend betrachtet wird’s ein wenig eng. Die extrem geneigte Heckscheibe verengt die Welt zum Schlitz. Da weiß man, warum die Rückfahrkamera Serie ist.

Los geht’s bei 27690 Euro, der Diesel kostet 29590, und für den GT ruft Kia 31190 Euro auf. Das ist verdammt viel Chic für nicht allzu üppig Geld. Und wer bislang noch nicht daran gedacht hat: Sieben Jahre Garantie gibt’s für den ProCeed selbstverständlich auch.

Wer allerdings weiterhin guten Kontakt zu den Nachbarn pflegen will, sollte sich den Kauf womöglich noch einmal überlegen. Könnte nämlich gut sein, dass die plötzlich alle ganz furchtbar neidisch werden…

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
15:51 Uhr

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