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Autobahn-Ärger: Mitte, Mitte, Mitte

Es gibt Typen, derer man auf Fernstraßen so gar nicht ansichtig werden möchte. Raser gehören dazu, Drängler ebenfalls und zuvörderst Geisterfahrer. Deswegen hat die Ordnungsmacht auf derlei Verkehrsteilnehmer auch ein besonders wachsames Auge. Dummerweise kümmert sie sich so gut wie kein bisschen um eine Gattung, die - neben dem Stau - den größten Dauer­ärger auf Deutschlands Autobahnen verursacht: notorische Mittelspur-Fahrer. Anzutreffen ganzjährig und bei jedem Wetter, besonders gerne unterwegs jedoch zur Ferienzeit. Ihr Motto: Ruhe bewahren und niemals wechseln - weder nach links noch nach rechts.



Foto: AdobeStock  

Zentriert bis zum Horizont sorgen sie nicht nur dafür, dass bei den Anderen keine rechte Urlaubsstimmung aufkommen mag – sie sind auch objektiv ein Risiko. Weil rechts nicht überholt werden darf, machen sie aus drei Spuren faktisch eine. Denn der Verkehr neben und hinter ihnen konzentriert sich notgedrungen auf ganz links. Damit steigt die Gefahr für Staus und Unfälle.

Dabei ist das Rechtsfahrgebot in Paragraph 2 der Straßenverkehrsordnung verankert. Im Prinzip jedenfalls. Demjenigen, der ohne Überhol-Absicht links oder mittig fährt und dadurch schnellere Autofahrer behindert, drohen 80 Euro Bußgeld. Nur hat man nie davon gehört, dass derlei Bescheide auch nur annähernd so oft verschickt würden wie solche für Tempoverstöße oder mangelnden Abstand. Zudem steht in Paragraph 7 Absatz 3c, dass der mittlere Fahrstreifen durchgängig befahren werden darf, wenn "auch nur hin und wieder" ein Fahrzeug auf der rechten Spur fährt. Als ob "hin und wieder" nicht immer und überall ein Fahrzeug fahren würde.

Dagegen ist die Rechtsprechung fast schon präzise. Könne ein Fahrer absehen, dass er schon bald den nächsten Wagen überhole, so die gängige Auffassung, dürfe er auf dem mittleren Fahrstreifen bleiben. Im Klartext bedeutet das: Man muss nicht in jede Lücke einscheren (genau darauf pocht der Mittelspur-Fahrer). Und: Wer ein Auto überholen will, das gerade erst am Horizont auftaucht, hat auf der mittleren Spur noch nichts verloren (davon will keiner je gehört haben).

Und selbstverständlich würde man an Mittelspur-Schleichern nur allzu gerne rechts vorbeiziehen. Doch wer seinen Führerschein schätzt, sollte dieser Versuchung besser nicht nachgeben. Es sei denn, es hätten sich auf mehreren Fahrstreifen Schlangen gebildet und man wäre höchstens mit Tempo 60 unterwegs.

Aber wer sind all die vielen Menschen, die so gerne mittig fahren? Besonders unter Verdacht: betagte Sonntagsfahrer mit Hut, das Steuer so fest im Griff, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten. Immer im identischen Abstand zu Leitplanke und Graben.

Stimmt manchmal, aber längst nicht immer. Verkehrspsychologen haben Bequemlichkeit als Hauptgrund ausgemacht. Fährt man nämlich auch mal rechts, muss man blinken, den Kopf wenden, in diverse Spiegel schauen, bremsen und überholen. Wer dagegen ­gnadenlos die Mitte behauptet, kommt schneller voran als Sattelzüge ohne aber wirklich schnell fahren zu ­müssen. Und es reicht, den Blick stur nach vorne zu richten.

Doch die Einstellung "Ich tue keinem weh, und Schnelleren bleibt ja noch eine Spur" ist reiner Egoismus, klagen Experten. Dass sie im Prinzip zwei Spuren blockieren, würden sehr Viele gar nicht begreifen. Entsprechend hart fällt das Urteil der meisten Psychologen aus. Mittelspur-Fahrern, so der Tenor, fehlt schlicht das Verständnis für das System Verkehr.

Bei unseren Recherchen erhalten wir Unterstützung von Herstellern und Agenturen. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt der Berichterstattung.


 

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
15:00 Uhr

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09. 08. 2019
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