Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

60 Jahre Fiat 500: Congratulazioni, Scatoletto!

Wenn die Post jemanden auf einer Briefmarke verewigt, ist er entweder ziemlich alt, hat Besonderes geleistet - oder beides. Das ist in Italien nicht anders. Zu ehren galt es ein Auto, das Millionen Menschen Mobilität gebracht und unser ehemals liebstes Urlaubsland auf vier Räder gestellt hat: der Fiat 500. Oder "Nuova Cinquecento", wie der vor 60 Jahren vorgestellte Winzling im Original hieß.



 

Klein zu sein war damals kein Makel. Im Gegenteil. Wer konnte sich schon ein großes Auto leisten? Selbst Deutschland war zu dieser Zeit noch mit Goggo, Isetta oder Lloyd unterwegs.

Hatte der zweisitzige 500 Topolino mit seinen freistehenden Kotflügeln den Motor noch vorn und den Antrieb hinten, setzten die Entwickler beim 500 Nuova auf einen luftgekühlten Zweizylinder im Heck. Der versprach gute Traktion, niedriges Gewicht und geringe Kosten. Mehr als Tempo 85 indes gaben die 13 PS aus 479 Kubik nicht her.

Viel schneller allerdings wollte man mit einem nicht mal drei Meter kurzen Wägelchen ohnehin nicht fahren, das mit 1,32 Meter so breit wie hoch war und oben lediglich über ein Faltdach verfügte. Nicht zu vergessen:
die hinten angeschlagenen "Selbstmördertüren". Trotzdem besserte Fiat schon zum Turiner Autosalon im Herbst 1957 auf 15 PS nach und senkte den Preis von
3390 auf 2990 Mark. Plus 180 Mark extra für die optio­nale Heizung.

Innen war alles spartanisch. Ein fingerdünnes Bakelit-Lenkrad, Rundinstrument, zwei Kippschalter, zwei Kontrolllampen, ein Aschenbecher – das war’s. Gestartet wurde mit einem Hebel auf dem Mitteltunnel. Erst später kamen gepolsterte Rücksitze, Kurbelfenster und ein Heckfenster im Dach. Die Türscharniere wanderten nach vorne, der Motor erstarkte auf 18 PS, im 500 Sport gar auf 21,5.

Und die von Carlo Abarth mit Weber-Vergasern modifizierten Triebwerke brachten es – inklusive polierter Kanäle – auf bis zu 26 PS. Beflügelt von diesem Erfolg, präsentierte Abarth in den folgenden Jahren auch Versionen mit 583 und 689 Kubikzentimeter Hubraum, die bis zu 38 PS leisteten und im Renntrimm bis zu 140 Stundenkilometer sausten.

1960 wurde eine Kombi-Version mit um 90 Grad nach rechts geneigtem Motor unter dem Namen "Giardiniera" (Gärtnerin) vorgestellt. Der liegende Motor ermöglichte zusammen mit der auf 3,18 Meter verlängerten Karosserie einen geräumigen Kofferraum, der durch Umklappen der Rücksitze noch vergrößert werden konnte. Damit wurde erstmals im Pkw-Bau ein Unterflurmotor verwirklicht. Bremsen und Felgen wurden vom Fiat 600 übernommen.

20 Jahre nach seinem Erscheinen verschwand der Fiat 500 vom Markt. Vor allem, weil er die wachsenden Anforderungen in Sachen Sicherheit nicht mehr erfüllten konnte. Im Sommer 2007 trat der neue Fiat 500 das Erbe an. Schon im November 2012, gute fünf Jahre nach dem Start, knackte die Produktion die Marke von einer Million. Und auch dieses Modell erobert Herzen außerhalb Italiens: Drei von vier Autos gehen in den Export.

Offiziell wurden einschließlich der "Giardiniera" und einiger Sondermodelle 3 702 078 Exemplare des Cinquecento Nuova gebaut. Allein in Italien, sind nach Schätzungen von Experten noch immer gut eine halbe Million davon unterwegs. Heute wie damals liebevoll "Scatoletto" genannt: das Schächtelchen. Congratulazioni!

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 10. 2017
16:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autosalons BMW Isetta Carlo Abarth Fiat Fiat 500 Motoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema

03.07.2019

Abarth 595 esse esse: Pieks, pieks

Bei Fiat sind sie gerade mächtig in Feierlaune. Stolze 120 Jahre bauen sie dort schon Autos, weswegen die Italiener diverse Jubiläumsmodelle und eine schwarz-weiße Sonderlackierung aufgelegt haben. Und gleichzeitig blick... » mehr

15.08.2018

Abarth 595: Giftige Skorpiönchen

Am meisten Spaß macht Autofahren ja gerne dann, wenn man schön sportlich unterwegs ist. Und doch gibt es eine kleine Steigerung: Dann nämlich, wenn die anderen sich fragen, wie um alles in der Welt es derart zügig vorwär... » mehr

26.01.2019

Die Eis-Eiligen

Nach 45 Jahren Pause lebt in Zell am See ein legendäres Renn-Spektakel wieder auf. Die Devise: Quer geht mehr! » mehr

20.09.2018

Fiat 500 : Da glüht was

Wir erinnern uns drei Jahre zurück: Irgendwo in Italien. Irgendein Dorf. Irgendein Bett. Die Liebste lockt, und der nicht mehr ganz junge Gatte greift zum blauen Wunder. Doch die Power-Pille fällt dem Lendenlahmen aus de... » mehr

24.05.2018

Zweifarbig in den Sommer: Der neue Fiat 500 Collezione

"Inspiriert von sich selbst" - den Spruch muss man sich erst mal trauen. Wirklich übertrieben aber ist der Slogan gar nicht. Immerhin haben sie bei Fiat mit dem Cinquecento eine Ikone erst wiederbelebt und dann behutsam ... » mehr

27.04.2018

Fiat Mirror-Modelle: Spieglein, Spieglein auf dem Schirm . . .

Vermutlich gehen die Zeiten tatsächlich dem Ende entgegen, als für die Auswahl eines Autos pure Motorleistung zählte, Stauraum oder Sportfahrwerk. Autos von heute sollen zwar noch fahren - vor allem aber müssen sie ständ... » mehr

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 10. 2017
16:30 Uhr



^