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Gibt es Elektrosmog im Auto?

Elektromagnetische Strahlen tauchen überall auf, auch in Autos. Hersteller achten schon bei der Entwicklung darauf, dass sie Insassen nicht gefährden. Autofahrer können sich aber auch selbst schützen.



Telefonieren per Freisprecheinrichtung
Eine Freisprecheinrichtung ist auf jeden Fall Pflicht, aber Telefonierer im Auto sollten auch über eine Außenantenne nachdenken, um den Empfang zu verbessern und die Strahlenbelastung zu senken.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Heiße Ohren, rasende Kopfschmerzen und flimmernde Augen. Nicht nur Aluhut-Träger machen sich im Auto Gedanken über elektromagnetische Strahlen. Nehmen die Strahlen bei Autos mit neuer Technologie wie Plug-in-Hybriden oder Elektrofahrzeugen zu?

Unter Elektrosmog verstehen die meisten Menschen elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU). Elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder können auf ihre Umwelt einwirken und bei Menschen zu Schwindel und Übelkeit führen, Sinnesorgane, Nerven und Muskeln stimulieren oder Gewebe erwärmen. Dieses gilt generell auch für Insassen in Fahrzeugen.

Nicht alle Felder sind gefährlich

In der Umwelt treten viele elektromagnetische Felder auf, das Erdmagnetfeld zum Beispiel, sagt Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (femu) in Aachen. «Diese schwachen Felder sind für Menschen ungefährlich. Es gibt aber künstlich erzeugte Felder, wie im unteren Frequenzbereich bei Hochspannungsleitungen, die in unmittelbarer Nähe für Menschen schädlich sein können.»

Damit hier nichts passiert, werden die Leitungen in eine für den Menschen unerreichbare Höhe gehängt. «Auf diese Weise wird gewährleistet, dass auch unmittelbar am Boden darunter die Grenzwerte eingehalten werden.»

Durch technische Applikationen erzeugte Felder müssen bestimmte Grenzwerte einhalten, damit sie keine gesundheitlichen Folgen verursachen. Das gelte für eine Sitzheizung ebenso wie für den Generator im Auto, so Drießen. «Die wenigen Daten, die hierzu vorliegen, zeigen, dass die Grenzwerte meistens eingehalten werden.»

Strahlung reduzieren und Fahrzeuge schützen

Jürgen Schwarz von Mercedes unterscheidet bei elektromagnetischer Strahlung zwei Bereiche. «Einmal die Strahlung, die aus dem Fahrzeug entsteht.» Die dürfe weder Menschen noch andere technische Geräte schädigen oder stören, so der Abteilungsleiter für Antennen und elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). «Zum anderen darf keine andere Strahlung von außen das Fahrzeug oder innenliegende Dienste schädigen oder stören, daher müssen wir die Fahrzeuge schützen.»

«Es gibt im Auto nicht den einen Wert, sondern viele verschiedene, dazu unterschiedliche Messverfahren», sagt Schwarz. Verschiedene Bauteile wie Chips, Steuergeräte oder Mobilfunkmodule mit Antennen produzieren verschiedene Frequenzen.

Außenantenne senkt die Strahlenbelastung

Um möglichst viel Strahlung aus dem Auto zu halten, sollten Autofahrer nicht mit ihrem Handy im Auto telefonieren, sondern eine Außenantenne benutzen. Bei manchen Herstellern wird als Option ein Telefonsteuergerät angeboten. «Handys regeln die Strahlungsleistung selbstständig. Je schlechter der Empfang ist, desto stärker strahlt es», sagt Schwarz. Um die Frequenzfelder möglichst niedrig zu halten, senden Mercedes-Fahrzeuge über eine integrierte LTE-Außenantenne, außerdem verbessert das den Empfang und damit die Sprachqualität.

Dass Plug-in-Hybride oder E-Autos mehr magnetische Felder produzieren, die für Autofahrer schädlich sind, stimmt übrigens nicht. Für alle Antriebsarten gelten die gleichen gesetzlichen Grenzwerte. Außerdem bieten E-Autos und Hybride Vorteile, so Schwarz. Mit einem höheren Spannungsnetz als 12 Volt, also 48 Volt oder 400 Volt bei E-Fahrzeugen, steigt zwar die Spannung, das Magnetfeld wird aber kleiner - und dadurch auch die magnetische Abstrahlung.

Volkswagen unterschreitet nach eigenen Aussagen die gesetzlichen Normen deutlich und stellt hohe Anforderungen an die eingesetzten Komponenten. Elektromagnetische Verträglichkeit und Elektromagnetische Umweltverträglichkeit würden in der frühen Entwicklungsphase berücksichtigt und deren Einhaltung über den gesamten Entwicklungsprozess abgesichert. Konstruktive Maßnahmen seien unter anderem Verlegungen von Hauptstromkabeln außerhalb des metallisch abgeschirmten Innenraums (Faradayscher Käfig), gekapselte Antriebe und speziell ausgelegte Filter der Hochvolt-Komponenten.

© dpa-infocom, dpa:201015-99-953434/3

Veröffentlicht am:
16. 10. 2020
04:17 Uhr

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dpa

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16. 10. 2020
04:17 Uhr



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