Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Der Staatskonzern hat viel Konkurrenz

Fahrgäste sehen längst nicht mehr nur rot - ein Vierteljahrhundert nach Ende der Bundesbahn ist die Zugwelt farbenfroher geworden. Der Staatskonzern hat viele Wettbewerber. Allerdings nicht überall.



Regionalzüge
Ein RRX des privaten Bahnbetreibers Abellio fährt in den Hauptbahnhof ein. Für Zugreisende in Deutschland gibt es ein immer bunteres Angebot.   Foto: Marius Becker/dpa

Blau, gelb und grün: Für Bahnkunden in Deutschland wird das Zugangebot immer bunter. Auf vielen Regionalstrecken fahren nicht mehr die roten Züge der Deutschen Bahn, sondern die Konkurrenz des deutschen Staatskonzerns.

Die Wettbewerber leisten heute 35 Prozent des Angebots, für 2024 rechnen sie mit 45 Prozent, wie aus einem Bericht hervorgeht, den die Verbände Mofair und Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) am Dienstag vorlegen wollten. Sie stützen sich dabei auf entsprechende Vergabeentscheidungen.

Mehr Wettbewerb auf der Schiene - und damit auch günstigere Fahrpreise - das war eines der Ziele der Bahnreform 1994. Sie machte aus der Bundesbehörde eine privatwirtschaftliches Unternehmen im Staatsbesitz. Im Güterverkehr hält die Deutsche Bahn noch knapp die Hälfte des Geschäfts. Im Fernverkehr aber kommen die Kunden an den weißen ICE und Intercitys des Konzerns kaum vorbei.

Nach Zahlen der Bundesnetzagentur sind mehr als 300 Eisenbahnbetreiber auf dem deutschen Netz unterwegs.

«Im internationalen Vergleich zählt der deutsche Eisenbahnmarkt damit zu den nationalen Eisenbahnmärkten mit der höchsten Anzahl von Wettbewerbern», heißt es in der jüngsten Marktuntersuchung der Aufsichtsbehörde.

Mit der Bahn-Tochter DB Regio konkurrieren kommunale und landeseigene Bahnen, Töchter ausländischer Staatsbahnen und Privatbahnen. Die Nummer Zwei in Deutschland ist die deutsche Tochter des französischen Trandev-Konzerns, die etwa die Nordwestbahn und die Bayerische Oberlandbahn betreibt. Es folgen Ableger der Staatsbahnen Italiens und der Niederlande, Netinera und Abellio.

Die Rivalen hatten zunächst kleinere Ausschreibungen mit Nebenstrecken gewonnen, deshalb ist ihre Auslastung noch geringer als die der Deutschen Bahn. Jeden vierten Kilometer fahren die Kunden heute mit der Konkurrenz, wie aus dem «Wettbewerber-Report Eisenbahnen 2019/20» von Mofair und NEE hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Eine steigende Auslastung wird erwartet.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte die Bahn erst kürzlich unter Druck gesetzt: Bis Mitte November soll sie unter anderem erklären, wie sie wieder mehr Ausschreibungen gewinnen will. Der Regionalverkehr wird von Organisationen der Ländern und Kommunen ausgeschrieben, bestellt und finanziert.

Im Fernverkehr fährt die Bahn dagegen auf eigene Rechnung.

Bis auf vereinzelte Züge der Flixbus-Schwestermarke Flixtrain haben die ICE und Intercity keine Konkurrenz. Investitionskosten und Risiken sind hoch - Planungssicherheit wie im Regionalverkehr mit seinen langjährigen Verkehrsverträgen: Fehlanzeige. Daher scheiterten die bisherigen Angreifer an der Übermacht des Staatskonzerns. Erst am Montag stampfte das Unternehmen Rheinjet seinen Plan für einen Zug zwischen Frankfurt und Stuttgart über München ein.

Immer wieder wird gefordert, Netz und Betrieb bei der Deutschen Bahn zu trennen, um den Wettbewerb zu fördern - nicht zuletzt vom Bundesrechnungshof. Der Staatskonzern ist zwar verpflichtet, sein Netz jedem Konkurrenten diskriminierungsfrei zu öffnen. Konkurrenten bemängeln aber immer wieder, konzerneigene Anbieter hätten Vorteile gegenüber Konkurrenten.

Diese fordern etwa, dass der Bund auf seine geplante jährliche Kapitalspritze für die Bahn verzichtet - damit der Konzern sich damit nicht beispielsweise neue Züge kaufen kann. Der Bund solle das Geld stattdessen in einen Fonds für das Schienennetz einbringen - so dass es allen zugute komme.

Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
10:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Bahnkunden Bahnreform Bundesbehörden und Bundesämter (Deutschland) Bundesnetzagentur Bundesrechnungshof Bundesverkehrsminister CSU DB Regio AG Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur Fernverkehr ICE Konkurrenz Regionalverkehr Schienennetz Züge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Arriva

08.11.2019

Ist das noch Deutsche Bahn oder kann das weg?

Verspätete Züge, marode Strecken, hohe Schulden - die Deutsche Bahn muss viele Probleme lösen. Aber sie gönnt sich einen Vorstandsstreit. Und scheitert vorerst bei einer wichtigen Kurskorrektur. » mehr

Sogwirkung einfahrender Züge

18.11.2019

Wie sich Bahnreisende selbst in Gefahr bringen

Bundespolizei und Bahn schlagen Alarm: Die Gefahren des Zugverkehrs werden zunehmend unterschätzt, sagen Polizisten, die entlang der Schiene auf Streife sind. Es kommt zu Unglücken und Zwischenfällen. Über Leben und Tod ... » mehr

Kostenfalle Ladesäule

04.09.2020

Kostenfalle Ladesäule: Beim Autostrom ist viel Planung nötig

Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, müssen mehr Elektroautos auf die Straße. Das Netz der Ladesäulen wächst, doch beim Bezahlen gibt es noch viele Probleme. » mehr

Radfahrer

02.04.2019

Die größten Gefahren für Radler

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wird es auf den Straßen wieder deutlich enger und gefährlicher. Neben Pkw und Lkw gibt es für Radfahrer auch andere potenzielle Unfallquellen. » mehr

Kürzel mit Kultfaktor

17.07.2020

40 Jahre BMW R80 G/S: Die Geburtsstunde der Reiseenduros

Als die BMW vor 40 Jahren die R80 G/S auf den Markt brachte, begründete sie die Gattung der Reiseenduros. Ein Rückblick mit kleiner Ehrenrunde auf dem Ur-Modell. » mehr

Car2go

22.02.2019

Das sind die neuen Alternativen zum eigenen Auto

Der Mobilitätsmarkt ist in Bewegung: Die Carsharing-Anbieter Car2Go und DriveNow fassen ihre Dienste zusammen, das Bundesverkehrsministerium will Hürden für neue Anbieter weiter abbauen. Wer steht aktuell auf dem umkämpf... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
10:13 Uhr



^