Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Fahrradfederungen im Überblick

Mehr Komfort, mehr Bodenhaftung: Federungen am Fahrrad machen das Sitzen im Sattel bequemer und sicherer. Die technischen Lösungen sind teils sehr komplex. Aber manchmal genügt schon geringerer Luftdruck.



Ursprung im Gelände
Mit den Mountainbikes kamen Federgabeln auf und etablierten das Thema Federung allgemein beim Fahrrad. Foto: Martin Erd/www.haibike.de/pd-f   Foto: dpa » zu den Bildern

Beim Auto ist sie eine Selbstverständlichkeit, beim Fahrrad eine Option: die Federung. Allerdings werden immer mehr Fahrräder - ob Trekking-, Cross- oder E-Bike - mit entsprechender Technik ausgerüstet.

Federungen steigern den Fahrkomfort, machen das Radeln sicherer, sind aber teuer und erhöhen das Gewicht des Rades. Je nach Einsatzzweck und Radtyp können Federungen deshalb auch kontraproduktiv sein.

Im Gelände ist der Fall klar. Denn geht es über Wurzelwerk und Stein, wird die Fahrt angenehmer, wenn Erschütterungen abgefangen werden. «Mountainbikes werden fast gar nicht mehr ungefedert angeboten», sagt Stephan Behrendt, Fachreferent für Technikthemen beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Köln.

Heute meistverbreiteter Typ ist die Teleskopgabel mit Tauch- und Standrohren. Diese ineinander gesteckten Rohre verschieben sich dabei gegenläufig gegen einen Widerstand. Stand der Technik sind luftgefederte Gabeln. Durch Variieren des Luftdrucks mittels Hochdruckpumpe können sie je nach Fahrergewicht individuell eingestellt werden.

Das System erfordert ein bisschen Wartung: Die interne Schmierung muss in regelmäßigen Intervallen geprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Für eine Gabelinspektion verlangen Fachwerkstätten ab rund 40 Euro. Auch Hinterbaufederungen benötigen Zuwendung. Rock Shox, Marktführer von Federgabeln und Dämpfungssystemen für Hinterbaufederungen, empfiehlt für seine Federgabeln einen Öl- und Dichtungswechsel alle 100 Betriebsstunden. «Das dürfte für den Normalradler ungefähr einen Service pro Jahr bedeuten», sagt Koßmann.

Um dem Verschleiß vorzubeugen, kann der Radbesitzer die Gleitflächen der Federrohre mit lauwarmem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch regelmäßig reinigen. «Das gilt umso mehr, wenn er oft auf staubigen Wegen unterwegs ist und nach dem Winter. Denn Schmutz und Streusalz greifen die Flächen an», sagt Koßmann.

Als Gegenleistung für erhöhte Kosten und Wartungsaufwand bekommt der Radler durch eine Federung mehr Traktion, die Fahreigenschaften verbessern sich. Das Schlüsselwort lautet Negativfederweg. Sitzt der Fahrer auf, tauchen die Federelemente schon im Stand durch das pure Körpergewicht ein Stück weit ein. Rollt das Rad über Löcher und Senken, federt das Rad blitzschnell wieder aus. «Auf diese Weise bleiben die Räder in Kontakt mit dem Boden», sagt Nikolaus Karlinský vom E-Bike-Hersteller HNF-Nicolai, der vollgefederte MTBs (sogenannte Fullys) im Programm hat, die neben Gabel- auch Hinterbaufederung bieten.

Sattelfederungen sind vor allem an Trekking- und Reiserädern, aber auch manchem Cityrad zu finden. An billigeren Rädern sind dabei meist Teleskopfederungen verbaut. Behrendt empfiehlt aber sogenannte Parallelogramm-Federungen: «Sie geben leicht schräg nach hinten und unten nach, sind aber teurer.» Ab rund 150 Euro müsse man rechnen.

Eine weitere Stellschraube zu mehr Komfort ist es, den Luftdruck zu variieren. «Die Reifen sorgen, je nach Größe und Luftdruck, für die entscheidenden Fahreigenschaften eines Fahrrads bezüglich Komfort und Bodenhaftung», sagt Koßmann. Was sich für Rennräder mit ihren schmalen, prallen Pneus ausschließt, ist laut Behrendt vor allem bei Reise- und Alltagsrädern im Trend. Hier hat der ADFC-Referent beobachtet, dass immer mehr Hersteller auf breitere Reifen statt Federgabeln setzen.

Aus einem einfachen Grund: Denn wird Gepäck in der Nähe der Laufräder untergebracht, wie zum Beispiel im Falle von Lowrider-Gepäckträgern an der Gabel, ist die Funktion der Federung durch das erhöhte Gewicht stark eingeschränkt. Während die meisten Federgabeln deshalb erst gar keine Befestigungsmöglichkeit für Lowrider bieten, haben einige Hersteller spezielle Lowrider-Federgabeln im Angebot, die den Federungskomfort verbessern sollen.

Veröffentlicht am:
04. 09. 2018
04:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Fahrräder Gabel (Essbesteck) Luftdruck Produktionsunternehmen Trekking
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Fahradfahrer

11.05.2018

Die richtige Schaltung fürs Fahrrad finden

Getriebe- oder Kettenschaltung: Vor dieser Entscheidung stehen Radler nach wie vor. Doch gibt es auch bei den Schaltungen fürs Fahrrad technischen Fortschritt, der Automatisierung und Elektrifizierung bringt. Das macht d... » mehr

Ausleihen und abstellen, wo es passt

12.10.2018

Leihräder gibt es für jeden Zweck

Nicht nur beim Auto gibt es den Trend zum Teilen. Auch beim Fahrrad-Sharing wächst das Angebot. Manche Stadtzentren werden von Leihrädern regelrecht überschwemmt. Doch es gibt noch mehr Varianten der Radmiete, auch für A... » mehr

Bis zu einem Tempo von 45 km/h

31.07.2018

Was Radler beim S-Pedelec beachten müssen

S wie Speed: Gegenüber einem Pedelec hat ein S-Pedelec mehr Leistung und gilt verkehrsrechtlich nicht mehr als Fahrrad, sondern als Kleinkraftrad. Es soll vor allem Pendler glücklich machen. Tut es das? » mehr

Richtig aufgesattelt

12.06.2018

So gelingt der Roadtrip mit dem Fahrrad

Es klingt wie ein romantisches Abenteuer: Der Roadtrip mit dem Fahrrad. Aber wer sich zu naiv auf den Drahtesel schwingt, macht vielleicht schwere Fehler - und leidet dann während der ganzen Tour darunter. Das geht schon... » mehr

Fahrradträger für die Anhängerkupplung

11.04.2018

Oben drauf oder hinten dran? Fahrräder sicher mitnehmen

Das Fahrrad ist ein praktischer Begleiter am Urlaubsort. Doch wie Autofahrer ihr Fahrrad am besten dorthin transportieren, will gut überlegt sein. Denn längst nicht jeder Fahrradträger hält, was er verspricht. Jedes Syst... » mehr

E-Bike Mountainbike

11.04.2018

Kaufberatung für E-Bikes

Pedelecs boomen. Gleichzeitig wächst die Produktvielfalt, und die Technik ist komplizierter, als bei einem Fahrrad ohne eingebauten Rückenwind. Die Anschaffung erfordert eine Menge Entscheidungen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 09. 2018
04:39 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".