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Motorradfahren für Wiedereinsteiger

Motorradfahren ist hip. Und nicht nur die jungen Wilden finden Gefallen daran. Auch die Zahl der Wiedereinsteiger wächst. Was ist zu berücksichtigen, wenn man sich nach 20 oder 30 Jahren erstmals wieder aufs Bike schwingt?



Fahrpraxis auffrischen
Fahrpraxis auffrischen: Experten raten bei langer Motorradabstinenz zu einem Fahrsicherheitstraining wie hier vom ADAC. Foto: Frank Rumpenhorst   Foto: dpa » zu den Bildern

Kinder, andere Hobbys oder Zeitmangel - Gründe für Motorradfahrer, den Helm abzusetzen und lange zu pausieren, gibt es viele. Doch was, wenn sie danach wieder aufsteigen wollen?

Die Situation bei einem Wiedereinsteiger nach vielleicht mehr als zwanzig Jahren Abstinenz sei kaum verschieden von der bei einem kompletten Neueinsteiger, meint Thilo Kozik. Beschleunigung sowie technische Details moderner Motorräder überstiegen Erfahrungsvermögen bei weitem, so der Motorradjournalist und Autor des Magazins «Tourenfahrer».

«Motoren, aber auch Bremsen sind heute viel potenter», sagt Kozik, der jedem Wiedereinsteiger deshalb ein Fahrertraining ans Herz legt. Solche Trainings, speziell auch für die Klientel der Wiedereinsteiger, bietet zum Beispiel der ADAC an. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) könne als Informationsquelle für weitere derartige Angebote dienen. Auch Ralf Schefzig vom Auto Club Europa (ACE) empfiehlt, «auf freiwilliger Basis zwei, drei Stunden zu buchen, vielleicht in einer Fahrschule, um nach einer langen Pause wieder ein Gefühl für das Motorradfahren zu entwickeln». Dabei könne man sich an neue Techniken gewöhnen, so der Motorradtrainer, etwa ans Bremsen mit ABS.

«Wer zwanzig, vielleicht dreißig Jahre nicht gefahren ist, sollte vielleicht sogar erst einmal im Bekanntenkreis schauen, ob dort jemand eine Maschine besitzt», sagt Ralf Birnbaum. Damit lässt sich im Schonraum, etwa auf einem Parkplatz, mal eine Runde fahren, so der Referent Motorrad beim Fahrlehrerverband Nordrhein.

Wer dann eine neue Maschine braucht, sollte mit Augenmaß suchen. So sei das seit Jahrzehnten in Deutschland beliebteste Motorrad, die Reise-Enduro BMW R 1200 GS, kein geeignetes Modell für Wiedereinsteiger, sagt Kozik. «Viel zu groß und viel zu schwer», so sein Urteil. Für Schefzig ist «Grundvoraussetzung, dass man mit beiden Füßen einen sicheren Stand hat». Eine Enduro mit einer Sitzhöhe von um die 900 mm etwa sei daher für einen Fahrer von 1,75 Meter Körpergröße sicher nicht das Richtige.

Und auch von einem Supersportler, eine Art Rennmaschine für die Straße, rät der Motorrad-Experte ab. Das sieht auch Birnbaum so. «Eine Suzuki GSX-R 1000 zum Beispiel ist bezüglich ihrer Leistungsentfaltung mit der von ähnlich hubraumstarken Motorrädern etwa aus den 1980er Jahren überhaupt nicht mehr zu vergleichen», warnt er. Grundsätzlich raten alle drei Experten vielmehr zu einem Motorrad, das eine aufrechte Sitzposition erlaubt. «Man sieht mehr und kann vorausschauender fahren, als das der Fall wäre, wenn man, stark nach vorne gebeugt, eher auf dem Motorrad liegt als sitzt, wie das beim Supersportler der Fall ist», sagt Kozik.

Besonders geeignet für Wiedereinsteiger hält das Trio Modelle aus dem Segment der Allrounder. Die verbinden per Definition der Fachpresse die Eigenschaften eines Touren- mit denen eines Sportmotorrades und meistert den Alltag, ohne dass der Fahrspaß aber zu kurz kommen würde. Eine Honda NC 750 S oder eine Yamaha MT-07 könnte man hier ebenso nennen, wie «eine Kawasaki Z 650, deren Vorgängerin, die Kawasaki ER-6, ein sehr beliebtes Fahrschulmotorrad ist», so Kozik.

Grundsätzlich haben alle gängigen Marken solche Modelle im Portfolio, die bisweilen optisch auch dem aktuellen Retro-Trend folgen. «Das bietet den Vorteil, dass sich der Wiedereinsteiger umgehend heimisch fühlt, weil er diese Art von Motorrad noch gut kennt», sagt Schefzig. Dennoch müsse er nicht auf die neueste Technik wie zum Beispiel ABS verzichten. Das kann für Bikes wie Moto Guzzi V7 oder Ducati Scrambler sprechen.

Wichtig: «Zuverlässige Schutzkleidung von Beginn ist das A und O», mahnt Schefzig. Er warnt eindringlich davor, ausgerechnet an dieser Stelle zu schludern. Ein Helm mit Sicherheitszertifizierung, Handschuhe, Jacke und Hose, ob nun aus Leder oder Textil, sollten ebenso zur Grundausstattung zählen wie Motorradstiefel. Denn «spiele ich Tennis, greife ich ja auch zum Tennis- und nicht zum Federballschläger», veranschaulicht es Birnbaum.

Also solle man sich auch nicht in Jeans und Blouson aufs Motorrad setzen, sondern ausgewiesene Motorradbekleidung mit entsprechenden Protektoren wählen, die bei einem Sturz entsprechend schützen würde. Und vor einem Sturz ist nicht nur der Wiedereinsteiger, sondern selbst der beste Pilot nicht immer gefeit.

Veröffentlicht am:
10. 08. 2018
09:54 Uhr

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dpa

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