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Qualmend hinterm Steuer: Rauchen kann teuer werden

Nach wie vor nutzen viele Raucher die Autofahrt für eine Zigarette hinterm Steuer. Verboten ist das nicht. Aber schon wenn die brennende Kippe aus dem Fenster fliegt, kann es teuer werden.



Rauchen hinterm Steuer
Ungesund und zuweilen brandgefährlich: Rauchen hinter dem Autosteuer.   Foto: Franziska Gabbert

Freie Straße, stressfreies Cruisen bei 110 km/h und dazu eine Zigarette. Was für Raucher nach einer entspannten Autofahrt klingt, sehen Experten kritisch.

«Das Rauchen hinterm Steuer bedeutet immer auch eine Ablenkung», sagt Prof. Matthias Graw, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin. «Wohin mit der Zigarette, wenn beide Hände am Lenkrad benötigt werden und was ist, wenn glühende Asche oder die ganze Zigarette auf den Sitz oder in den Fußraum fallen?» Das habe schon zu schweren Unfällen geführt.

Kommt es zum Crash, kann das für Raucher teuer werden. «Der Fahrzeugführer wird sich wegen grober Fahrlässigkeit verantworten müssen», sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Das Ausmaß der Haftung hänge davon ab, ob es noch weitere Unfallursachen wie einen Vorfahrtsverstoß gab.

«Wer auf einer Autofahrt gar nicht darauf verzichten kann, sollte besser eine Raucherpause einlegen und die Gelegenheit nutzen, sich dabei auch die Beine zu vertreten», rät Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE). Alternativ bieten sich bei langen Strecken Nikotinpflaster oder -kaugummis an. Doch die Ablenkung ist nicht der einzige Aspekt, warum Experten vom Qualmen hinterm Steuer abraten.

«Das Gesundheitsrisiko vor allem auch für Mitfahrer ist auf so einem engen Raum natürlich noch deutlich höher einzuschätzen», sagt Graw. Die Gefahr eines Bronchialkarzinoms sei bei Passivrauchern erwiesenermaßen erhöht. Der Verkehrsmediziner plädiert daher für ein generelles Rauchverbot in Autos. Dem schließt sich der ACE an. «In einigen Ländern in der EU ist das Rauchen hinterm Steuer bereits verboten. Es wäre begrüßenswert, wenn Deutschland sich da anschließen würde», fordert Smetanin.

Wer eine brennende Zigarette aus dem Fenster schnippt, verstößt unter Umständen gleich gegen mehrere Paragrafen. «Das ist verboten und wird je nach Bundesland mit einem Bußgeld von bis zu 100 Euro nach den Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzen geahndet», sagt Goldkamp. Werden andere Verkehrsteilnehmer wie nachfolgende Motorräder durch die brennende Kippe gefährdet, hat dies auch einen Punkt in Flensburg zur Folge - neben dem entsprechenden Bußgeld von 60 Euro.

Auch bei der E-Zigarette droht die Gefahr der Ablenkung. «Gerade dann, wenn zum Beispiel der Tank leer ist», sagt Smetanin. Zudem sei auch der Qualm einer E-Zigarette nicht unbedenklich. «Bei einer E-Zigarette werden durch den Dampf die Stoffe Acetaldehyd und Acrolein verbreitet, die die Haut sowie die Atemwege reizen. «Kinder sind dafür natürlich besonders anfällig - gerade dann, wenn während der Fahrt nicht einmal das Fenster geöffnet wird», so Smetanin.

Wer Qualm im Auto zulässt, muss beim Verkauf einen Wertverlust einkalkulieren. «Der liegt im Schnitt bei 1500 Euro», sagt Markus Herrmann vom Bundesverband Fahrzeugaufbereitung. «Mit einem Duftbaum und dem oberflächlichen Reinigen der Glas- und Kunststoffteile ist es nicht getan, damit lässt sich der Rauchgeruch nicht beseitigen.» Er rät zur professionellen Reinigung. Verdampfer mit einem speziellen Reinigungsfluid, das die Kohlenstoffverbindungen zerstört, seien erfolgversprechender.

Fachwerkstätten böten das für rund 90 Euro an. Auch mit einer Ozonbehandlung des Innenraums lassen sich unangenehme Gerüche dauerhaft beseitigen. Je älter ein Fahrzeug, desto aufwendiger die Anti-Qualm-Behandlung. Unterm Strich koste die komplette Aufbereitung eines Raucherautos zwischen 300 und 400 Euro.

Veröffentlicht am:
17. 04. 2018
09:42 Uhr

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dpa

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17. 04. 2018
09:42 Uhr



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