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Nähen in der Freizeit begeistert

Einst eine Tätigkeit aus der Not heraus geboren - heute ist Nähen ein Hobby mit sozialem Anspruch. Denn Nähfreunde verbindet oft mehr als nur die Vorliebe für Unikate.



Nähen als Hobby
Selber Nähen steht wieder hoch im Kurs, die von der Cordelia Minuth angebotenen Nähkurse sind gut besucht.   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild

Der Raum ist erfüllt vom Surren der Maschinen. Geschickte Hände lassen die Stoffe mit scheinbarer Leichtigkeit unter den Nähmaschinen hinweggleiten. Auf den ersten Blick wirkt es wie in einer gewerblichen Werkstatt. Doch die Frauen und Mädchen gehen ihrem Hobby nach: Nähen in der Gemeinschaft.

Es entstehen Blusen, Röcke und Kleider. «Wir haben auch Männer und die haben erstaunlicherweise viel schneller den Dreh raus», sagt Cordelia Minuth (44), Inhaberin des «Nähzimmers» in Halle. Der Trend Nähen hält schon einige Jahre an und nichts deutet daraufhin, dass er abebbt.

«Vor über zehn Jahren wäre nicht daran zu denken, so einen Laden aufzumachen», sagt die Inhaberin. Sie öffnete im Januar 2013 ihren Laden. «Ich habe mir meinen Kindheitstraum erfüllt», sagt Minuth. Der kleine, gemütliche Raum ist genau das, was sie sich immer schon vorstellte. Der Platz für Kreativität: Ein Tisch mit Nähmaschinen, Regale mit verschiedenen Stoffen.  

«Der Grund für den Trend ist: Die Menschen arbeiten in Büros. Aber was sie da machen, ist unpersönlich und hat kein Ende, es kommt bloß ständig etwas dazu. Hier beim Nähen erschaffen sie etwas selbst und haben am Ende ein Unikat in den Händen. Dazu kommt natürlich das Gemeinschaftserlebnis. Früher wurde aus der Not genäht, heute ist das Selbstgenähte nicht unbedingt kostengünstiger, aber dafür einmalig», erklärt Minuth die Attraktivität des Nähens. «Die Nachfrage ist groß, wir haben sogar schon Wartelisten.» Bei ihr im «Nähzimmer» gibt es Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene und genäht wird in dem «Zwei-Frauen-Betrieb» auch auf Bestellung.

Das sieht der Geschäftsführer der «Initiative Handarbeit» (Salach/Baden-Württemberg), Gert Eberhardt, ähnlich: «Die gesamte Bandbreite der Handarbeit ist ein Trend geworden, offenbar als Ausgleich zur Monotonie in der Arbeitswelt. Bei der Handarbeit geht es ja auch um Kommunikation. In vielen Orten sind Nähkaffees entstanden.»

«Eigentlich hat das mit dem Nähen bei mir schon in der Kindheit begonnen. Jetzt nähe ich für meinen einjährigen Sohn. Das hat dann halt nicht jeder», sagt Melanie Käsmarker (37). «Ich habe auch schon meine Cousine und Freundinnen für das Nähen begeistert. Auch einige meiner Arbeitskollegen haben damit angefangen. Für Erwachsene lohnt es sich, Stücke mit besonderen Stoffen zu nähen.»

Waltraud Leiter (67) begann schon 1986 in Maschwitz (Saalekreis) mit einer Gruppe von gleichgesinnten Frauen mit der Handarbeit. Heute sind es sechs Frauen, alle etwa im gleichen Alter. «Wir nähen, stricken und häkeln. Absoluter Renner sind zurzeit selbst gestrickte Socken», sagt Leiter. «Wir bekommen Bestellungen aus dem gesamten Bekanntenkreis.» Und nicht nur zur Weihnachtszeit gibt es begeisterte Abnehmer für Puppenkleider, selbst gestrickte Frösche und Schlüsselanhänger.

«Die Nähkurse sind immer ausgebucht», sagt die Fachbereichsleiterin der Volkshochschule Harz, Marion Meusel. «Jetzt gibt es verstärkt eine Kurs-Nachfrage für Stricken und Häkeln.»

Auch die Händler freuen sich. «Die Nachfrage nach Stoffen und Nähmaschinen ist steigend», sagt der Sprecher der «VBS Hobby Service GmbH» (Verden/Niedersachsen), Matthias Gründel. «Auch bei Wolle registrieren wir eine erhöhte Nachfrage.»

Veröffentlicht am:
27. 11. 2017
16:00 Uhr

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dpa

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27. 11. 2017
16:00 Uhr



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