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Kuscheltierberge: Wie Möbeldesigner Fell einsetzen

Da liegt ein Eisbär auf der Couch, und Koalas haben den Sessel erobert: Kuscheltiere scheinen gerade der angesagte Einrichtungstrend zu sein. Designer kreieren aus den flauschigen Gefährten Möbel. Und setzen auch sonst auf Fellelemente.



Künstliche Felle
Das lose auf einem Sessel aufliegende Fell ist einer der großen Trends des Winters - es muss dafür auch kein Echtfell sein. Unternehmen wie zum Beispiel Carma fertigen auch passende künstliche Stücke an. Foto: Carma/dpa   Foto: dpa » zu den Bildern

Berlin (dpa/tmn) - Hygge gilt als der Trend des Jahres. Das dänische Wort lässt sich mit Wohnlich- oder Behaglichkeit ins Deutsche übersetzen - genau danach sehnen wir uns, wenn die Tage kürzer, ungemütlich und kalt sind.

Es ist die Jahreszeit, wo man sich am liebsten nach drinnen zurückzieht, sich die Couch zum Lieblingsplatz mausert und man sich mit Warmem und Kuscheligem umgeben möchte. Da passt, was Designer für das Wohnen seit einiger Zeit auf den internationalen Möbelmessen zeigen: Fell in vielen Variationen.

Ein spektakuläres Möbel damit hat der Hersteller Edra im Programm. Auf dem ausladenden Sofa namens Pack und Chiara von Francesco Binfarè räkelt sich je nach Farbe und Modell des Sofas ein stilisierter Eis- oder Schwarzbär. Das Tier hat auch eine Funktion: Es dient als großzügige Lehne. Und es lädt zum Kuscheln ein, denn das Kunstfell ist wunderbar weich.

Nicht minder auffällig sind die Sessel der APcollection von Alexis Verstraeten und Pauline Montironi. Ein ganzer Haufen von Flamingos, Äffchen, Robben, Koalas oder Kaninchen türmt sich auf einem Sessel zu einem flauschigen Kuscheltierberg, in dem man versinken kann.

Originell ist auch die Entstehungsgeschichte dieser Möbel: «Wir haben lange eine Fernbeziehung geführt und haben uns ständig Teddybären geschickt, um die fehlende Nähe und Wärme irgendwie zu kompensieren», erzählt Montironi. Verstraeten ergänzt: «Als wir endlich wieder zusammen waren, haben wir die ganzen Stofftiere auf einen Haufen geworfen, und dabei ist die Idee zu den Sesseln entstanden.»

Aber bei aller Spielerei: Vor allem das Schaf- und Lammfell ist der Protagonist des Hygge-Trends. So hat die Marke by Lassen eine Neuauflage des Sessels The Tired Man mit der weit auskragender Rückenlehne von Designer Flemming Lassen aus dem Jahr 1935 nun unter anderem ganz mit Schaffell beziehen lassen.

Die berühmte Liege LC4 sowie der Stuhl LC1, beide Ende der 1920er Jahre von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand designt, gab es stets mit einem Bezug aus geflecktem Kuhfell. 2017 brachte Hersteller Cassina auch eine limitierte Version namens LC4 Pampas und LC1 Pampas mit bräunlichen, gescheckten Häuten heraus. Auch der Sessel J.J. von Antonio Citterio für B&B Italia wird gemütlicher durch eine Auflage aus langhaarigem Lammfell.

«Oberflächen werden immer wichtiger», erklärt die Designerin und Innenarchitektin Ilse Crawford den Trend. «In unserer zweidimensionalen Welt ist Stofflichkeit verloren gegangen. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle uns mehr und mehr nach etwas Physischem sehnen, je virtueller es im Alltag zugeht. Wir alle brauchen einen Ausgleich zu der Zeit, die wir am Bildschirm verbringen.» Diese Stofflichkeit wird dann nach Hause geholt.

Viele Firmen bieten die Felle als Auflage auch einzeln an: Die Versandhandelsgesellschaft Magazin, die ausgesuchte Designprodukte in ihrem Sortiment hat, hat etwa große und langhaarige, dichte und weiche Schaffelle aus Island im Programm. Da das Fell ein Naturprodukt ist, variieren die Musterungen und Farben - es handelt sich also um Unikate. Die Möbelkette Bolia hat Lammfelle und Sitzauflagen mit dem Namen Kattla in Programm, Bloomingville aus Dänemark verkauft Lammfellkissen in Farben wie Rosa, Sand und Pastellgrün oder Dunkelrot.

Das Label Carma setzt hingegen auf Kunstfell: «Für unsere Decken im Eisbär-, Puma- oder Leoparden-Look geht es keinem Tier ans Fell», sagt Gründer Ralf Bartelsheim. «Unsere Fake-Fur-Decken entstehen in einer französischen Weberei, hier in Bielefeld werden sie mit einem flauschigen, atmungsaktiven Tuch aus Wolle und Kaschmir gefüttert.»

Eine Rolle rückwärts turnt Lambert mit Taiga-Lammfellen als moderne Interpretation des Flokati, der in den 70ern in keinem Kamin-Ambiente fehlen durfte. Die Felle aus der Mongolei werden fest von Hand vernäht und auf der Unterseite verstärkt oder mit Anti-Rutsch-Gitter versehen, damit sie sich als Bodenbelag eignen. Ein solcher Floakti bildet etwa einen spannenden Stilbruch zu blanken Metalloberflächen oder Holz. Er passt gleichermaßen zum ländlich angehauchten Vintage-Look ebenso wie zu einem städtischen Ambiente.

Grundsätzlich eignen sich Langhaarfelle für Sofa, Sessel oder Bett. Kurzhaarige Felle passen besser auf den Bodenbelag oder eignen sich sogar als Wandbehang. Und wer sich kein echtes Fell in die Wohnung holen mag, für den gibt es eine große Auswahl an täuschend echten Alternativen.

Veröffentlicht am:
07. 11. 2017
04:10 Uhr

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dpa

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07. 11. 2017
04:10 Uhr



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